Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-11-12

"TODESSTRAFE"-JOURNAL
Nr.4

DAS BLUT, DAS ZUM HIMMEL SCHREIT
… das Wort des Gesetzes im Treibsand des Tempelplatzes!

Wie gesagt: in meinem vorherigen Journal habe ich mir vorgenommen, in den letzten beiden Abschnitten dieser Serie folgende Frage zu beantworten: Kann das Todesstrafregister des mosaischen Gesetzes in einer modernen Gesellschaft Anwendung finden? Meine Antwort darauf ist ein klares Nein! Die Welt war Zeuge, wie z.B. ein muslimisches Priestersystem Frauen zum Tode verurteilt hat, die beim Ehebruch ertappt wurden, und wir haben gesehen, wie Männer (vom ältesten bis zum jüngsten (Johannes 8:9)) aufgrund ihres eigenen sündigen Lebens kaum als kompetente Richter auftreten konnten. Deshalb ist uns bewusst, dass, wenn Jesus am mosaischen Gesetz festhält, dann ist es unter Einbeziehung des neuen Bundes! "Indem er von einem neuen Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber alt ist und sich überlebt hat, ist dem Verschwinden nahe" heißt es im Hebräerbrief (8:13). Wenn jedoch das Neue Testament weiter daran festhält, dass diejenigen, "die solche Dinge tun" und "aus einem verworfenen Sinn heraus tun, was sich nicht geziemt (Römer 1:28) "des Todes würdig sind" (Vers 32), so wird dennoch das gleiche Prinzip angewandt! Es wird nämlich an der Höchststrafe des Gesetzes festgehalten! Sie wird nicht- wie dies beim neuen EU-Grundgesetz der Fall ist - aus dem Rechtssystem gestrichen… Die Verwaltung des Gesetzes kann geändert werden, die Barmherzigkeitsregeln des mosaischen Gesetzes können erweitert werden und der "Schutz" des Mörders gewährleistet sein, doch das Blut unschuldiger Opfer ruft laut zum Himmel. Es fordert, dass das Schicksal des Mörders in äußerster Konsequenz nur mit "dessen eigenen Blut" besiegelt werden kann!

Der neutestamentliche Abschnitt, der meistens verwendet wird, um zu erklären, dass Jesus "die Todesstrafe abgeschafft habe" ist der Bericht über eine Frau, die "beim Ehebruch ertappt wird". "Dem Gesetz gemäß müssen solche Frauen gesteinigt werden", war der Kommentar der Schriftgelehrten. An Jesus gewandt, fügten sie hinzu: "Du nun, was sagst du? (Johannes 8:5)

Hier fand jedoch keine gesetzmäßige Gerichtsverhandlung statt. Aus dem Text geht hervor, dass die geistlichen Leiter der Juden eigentlich nicht die Frau zum Tode verurteilen wollten. Sie wollten nur einen Grund haben, Jesus zu töten! "Denn", erklärt Johannes, "dies sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen (Vers 6). Die Bibelkenner unserer Zeit (z.B. J. Duncan, M. Derett, "Law in the New Testament", London, Darton, Longman and Todd, 1970, p.183) legt deutlich klar, dass Jesus hier vor eine Wahl gestellt wird, wird ER der damaligen "EU-Verfassung" (dem von Rom eingeführten Rechtssystem) folgen oder dem mosaischen Gesetz (3. Mose 20:10 und 5. Mose 22:22)? Ist ER für oder gegen das Todesurteil der schuldigen Frau?

Seine Antwort ist uns nicht bekannt! Sie steht im Treibsand des Tempelplatzes. "Jesus aber bückte sich nieder", erzählt Johannes, "und schrieb mit dem Finger auf die Erde" (Vers 6). Da seine Ankläger aber weiter auf eine Antwort bestanden, "bückte er sich wieder nieder und schrieb auf die Erde". Keiner weiß, was Er schrieb, wir können nur raten…

Darf ich raten?

Der Finger, der hier im Sand schrieb, ist der gleiche Finger, der auf den Felsen des Sinaiberges geschrieben hat! Könnte es sein, dass die Worte der Zehn Gebote niedergeschrieben wurden, dieses Mal jedoch im Staub der Erde und vom Winde verweht? Gleichzeitig wünscht der Finger Gottes die zehn Worte auf die Herzen der Umherstehenden zu schreiben, denn der Prophet Jeremias sagt: "Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben (31:33) …" Ich sehe, dass die Ankläger sich davonschleichen, denn Johannes berichtet: "Einer nach dem anderen ging hinaus" (Vers 9). Vielleicht hatte Jesus nur das eine der Zehn Gebote auf die Erde geschrieben: "Du sollst nicht ehebrechen!" (2. Mose 20:14), denn an anderer Stelle sagt Er: "Jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehen, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen" (Matth. 5:28). Jesus hält also am Gesetz fest, denn Er fordert dazu auf, "den ersten Stein zu werfen" (Vers 7), doch er zweifelt an der Kompetenz der Anwesenden. Deshalb stellt er die Bedingung: "Wer von euch ohne Sünde ist…" (Vers 7). Es war nur ein Mensch auf dem ganzen Tempelplatz anwesend, der ohne Sünde war, und ER war nicht der Ankläger der Frau, sondern ihr Verteidiger! Das ist die Lehre des Neuen Testaments, das diejenigen, die Jesus zum Anwalt haben, freigesprochen werden! Die anderen werden in letzter Instanz nach dem Gesetz gerichtet!