Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-08-11

Staatskirchenjournal
Nr.3

Ein kostbarer Schatz
… der durch Blut und Tränen gewonnen wurde!

Es ist ein Unterschied zwischen der Bewahrung der reformatorisch-christlichen Sichtweise, für die die Väter überall in Europa ihr Blut geopfert haben, und dem Namenschristentum der lutherischen, vom Staat bezuschussten Kirche, die eine machtvolle Monopolstellung einnimmt. Etliche der gut bezahlten Pfarrer, die in ihren Heimatländern mit Verachtung auf andere, neue Glaubensgemeinschaften herabsehen, würden sich über die im Jahre 1848 gemachte Aussage des dänischen Grundgesetzvaters, des Pfarrers Grundtvig, wundern. Er sagte: "Ich kenne eine lutherische Reformation, eine lutherische Kirchenauskunft und Schriftauslegung, aber ich kenne keine lutherische Kirche!" Mit dem Hinweis auf eine frühere Gesetzgebung fügt er hinzu: "Es ist jedoch eine Tatsache, dass im "königlichen Gesetz" weder Luther noch irgendeine lutherische Kirche erwähnt wird, sondern nur ein christliches Glaubensbekenntnis!"

Wenn ein solcher Glaube in der europäischen Verfassung den Vorrang bekäme, und gleichzeitig den anderen Religionen und Gottesverehrungen Freiheit und Schutz gewährt würde, so könnte der mit Blut und Tränen gewonnene Schatz bewahrt und eine schlimme Verfolgung verhindert werden.

In Dänemark hat man sich im Grundgesetz an die protestantische Sichtweise des Christentums gebunden, indem man ihrer nationalen Kirche die Bezeichnung "evangelisch-lutherisch" gegeben hat. Leider hat diese präzise Namensgebung, deren "Markenzeichen" die reformatorische Befreiung ist, zu gewissen Übergriffen geführt. Der Pfarrer Grundtvig warnte vor einer solchen Benennung. Er schlug bei der Einführung des Grundgesetzes vor 150 Jahren vor, dass man sich stattdessen nur zum "evangelisch-christlichen Glauben nach der Heiligen Schrift" bekennen solle. Also nichts mit Luther oder einem anderen Reformator; keiner von ihnen sollte im europäischen Grundgesetz erwähnt werden. Nur der evangelische Glaube, der sich ausschließlich auf die Bibel stützt, sollte genannt werden, da ein solch klarer Standpunkt gleich den Rahmen für weitere Offenbarung sprengt, und damit die Stagnation verhindert wird, die das Los der nationalen Kirchen auf dem ganzen Kontinent ist. Umso mehr als dass Martin Luther sich in seiner Berufung einer ernsthaften Verfehlung schuldig machte, als er auf die Juden aufs Gröbste angriff, und deshalb den Nazis bei ihrem unheimlichen Vernichtungsprojekt gegenüber dem jüdischen Volk Vorschub leistete. Aus diesem Grund sollte sich niemand für das Luthertum oder irgendeine andere in den europäischen Nationalgesetzen erwähnten Glaubensrichtung einsetzen, doch sollte die evangelisch-christlich-reformatorische Sichtweise niemals aufgegeben werden.

Pfarrer Grundtvig, dessen Liedersammlung ein nationales Kleinod ist, äußerte sich mit einer prophetischen Klarsicht wie folgt: "Der christliche Glaube sollte im Grundgesetz mit keinem Kennnahmen versehen werden. Ein solcher Name… sollte eine offene Frage sein, die jedes Zeitalter und Geschlecht in seiner künftigen Gesetzgebung zum "Wohl und Wehe des Volkes" entscheiden sollte.

Das heißt im Grunde genommen, dass das Grundgesetz seine beschützende Hand auf die wahren Kinder der Reformation legen sollte. Es kann sein, dass man sie heute anders nennt als vor 150 Jahren. Ja, einige der christlichen Gemeinden und Schulen, die man heute verdächtigt, und die von den Lutheranern oder anderen namentlich genannten Nationalkirchen als Sekten bezeichnet werden, haben vielleicht ein größeres Anrecht darauf, Erbträger der Reformation zu sein, als die Kirchen, die nach den Namen der Reformatoren benannt sind. Wie Martin Luther (trotz seines gesegneten Glaubenseinsatzes) am Ende seines Lebens den folgenschweren Fehler beging, gegen die Juden ins Feld zu ziehen und dadurch den Todfeinden von Gottes Eigentumsvolk den Weg ebnete, ebenso können sich seine Nachfolger heute an den von Gott Geliebten, aber von der Welt gehassten und verfolgten Männern und Frauen, vergreifen. Deshalb nimmt Dänemark mit Freude Abschied vom Luthertum, und Europa verabschiedet sich gerne von den namentlich genannten Nationalkirchen. Doch das evangelisch-christliche Bekenntnis sollte überall bewahrt werden!