Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-08-10

Staatskirchenjournal
Nr. 2

Die herrschende Religion
… draußen rast die spanische Inquisition!

Der dänische Pfarrer und Psalmdichter N.F.S. Grundtvig, dessen Schriften keine europäische oder internationale Anerkennung fanden, würde sich heute Geltung verschaffen können mit Hinblick auf den Versuch der EU-Verfassung, die nationalen Grundgesetze bezüglich der Regelung kirchlicher Angelegenheit zu ändern. In der vor 150 Jahren im dänischen Reichstag in Kopenhagen geführten Debatte in Bezug auf das dänische Grundgesetz wurden die kirchlichen Belange eingehend behandelt… im Gegensatz zum wortkargen Hinweis im EU-Verfassungsentwurf! Dies lässt nichts Gutes ahnen, denn die führenden europäischen Länder verhehlen nicht ihren Eifer, wo immer nötig, einzugreifen. Ganz besonders Frankreich hat sich dadurch hervorgehoben, dass es ein Verbot gegen religiöse Zeichen und Sitten erlassen hat, und wenn der Verfassungsentwurf in dieser Hinsicht so kurz gefasst ist, kommt der Verdacht auf, dass zu einem späteren Zeitpunkt weiter Gesetze folgen werden " Seit fast 300 Jahren haben wir uns gerühmt, Religionsfreiheit zu haben", sagte der dänische Pfarrer Grundtvig bei der ersten Grundgesetzdebatte, "doch nur in dem Sinne und unter der Voraussetzung, dass man sich feierlich zu der im Land herrschenden Religion bekennt, dann braucht man die spanische Inquisition nicht zu fürchten…" Ist es diese Art von Glaubensfreiheit, die sich demnächst geltend machen wird?

Die europäischen Grundgesetzväter kämpften für "Gewissens-, Rede- und Schreibfreiheit". Die Unionsverfassung nennt dies 150 Jahre später: "das Recht eines jeden frei zu denken sowie das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit". (Artikel II-10). "Dieses Recht umfasst die Freiheit, alleine oder zusammen mit anderen, öffentlich oder privat seine Religion oder seinen Glauben durch Gottesdienst, Belehrung, Andacht und dem Einhalten religiöser Sitten auszuüben." Wenn diese Regelung eingehalten wird, gibt es keinen Platz für eine vom Staat bezuschusste Einheitskirche, da sie ein Hindernis für "das freie Wirken des Geistes" darstellt. In Bezug auf die europäischen Grundgesetze besteht kein Zweifel daran, dass (wie dies in Dänemark der Fall war) die Männer, die im Jahre 1848 über den "Geist" sprachen, "Gottes Heiligen Geist" meinten. Mit dem starken, humanistischen Fundament und dem so genannten "Respekt gegenüber der Vernunft", womit der EU-Verfassungsvorschlag eingeleitet wird, muss aufs Stärkste bezweifelt werden, dass man mit der Rede über "die Freiheit" auch "die Freiheit im Heiligen Geist" meint. Der Apostel unterstreicht, wie wichtig es für die Gläubigen in Europa ist, diesen Punkt in der bevorstehenden Debatte nicht zu verschweigen. Er sagt: " Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2. Kor. 3:17). Die Gläubigen haben bei dem Wort "Gott" und "Gottesverehrung" ganz klar die Auffassung vom " Heiligen Geist". Wenn das NT erklärt, "der Herr ist Geist", und gleichzeitig betont, dass dem Wirken des Heiligen Geistes Freiheit gegeben werden soll, so geben die vom Staat anerkannten und bezuschussten Religionen ein wirklich schlechtes Zeugnis ab. Sie waren überall und zu jeder Zeit mit Hilfe des Gesetzes, der Polizei, der Überwachung und Denunziation ein fleißiger und treuer Verfolger der Bewegungen des Heiligen Geistes. Mit dem vor uns liegenden Glaubenskampf wäre es nur wünschenswert, dass die vom Staat bezuschussten Kirchen aufgelöst würden, und dass die so genannte "Anerkennung" aus der nationalen Verfassung gestrichen wird, doch der Glaubensinhalt der evangelischen Kirche und das protestantische Bekenntnis sollte nicht angefochten werden dürfen! Die kleinen, freien Gemeinden und Gruppen, die bislang die wahren Träger der Geistesoffenbarungen waren - bis hin zur apostolischen Lehre über Liebe und Fürsorge der Gläubigen für Israel - sollten in dem Maße vom Gesetz geschützt sein, dass sie dort, wo die nationalen Grundgesetze dem teuer erkauften Erbe einen Vorrang einräumen, dieser nicht entfernt werden sollte!