Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-08-09

Staatskirchenjournal
Nr.1

Der Teufel in eigener Sache?
… werden die volkskirchlichen Gemeinden in Zukunft die so genannten "Sekten" verfolgen?

Von dem Buch eines dänischen Pfarrers mit dem Titel "Die Euroseele" ausgehend, will ich mich im Folgenden mit "dem auffallenden Schweigen" im Hinblick auf die Situation der Volkskirchen beschäftigen. Es ist nur zu wahr, dass die neue EU-Verfassung wie eine "tickende Bombe" ist, die unter der sich sicher fühlenden, und an vielen Orten übermütigen Staatskirche jederzeit platzen und ihre Existenz gefährden kann. Deshalb sollte man mich nicht missverstehen, wenn ich zum Kampf und zur Verteidigung des protestantischen Erbe aufrufe, das uns anvertraut ist. In den Grundgesetzen der Länder ist dieser unschätzbare Schatz oft an die bestehende Staatskirche geknüpft. Wir sollten nicht erschrecken, wenn diese Ordnung gestört wird! Der zum Himmel schreiende Abfall, der in diesen staatlich geförderten Organisationen herrscht, ist keinen Schwertstreich wert, doch das uns im 16. Jahrhundert anvertraute Erbe, das freie Wirken des Geistes, sollte nun durch den gleichen Wind des Geistes weitergeführt werden.

Die vom Grundgesetz garantierte Freiheit, die der dänischen Volkskirche und mehreren anderen Nationalkirchen in Europa gewährt wurde, steht nun in Gefahr, verloren zu gehen. Die betroffene Bevölkerung sollte sich jedoch nicht ängstigen! Die in den Nationalkirchen empfundene Sicherheit hat zu Ausschweifungen geführt, die sich nun dem Gericht Gottes nähern! Es ist möglich, dass die Tage der Volkskirche gezählt sind, und darüber sollte keiner eine Träne vergießen. Obwohl während ihres 100-jährigen Bestehens viele Menschen durch die Nationalkirchen Segen empfangen haben, so ist doch das letzte Jahrzehnt vom vorausgesagten Abfall geprägt, der umso ernster ist, weil er obendrein noch durch staatliche Gesetze gefördert und finanziert wurde. Bischöfe und Pfarrer haben sich nach eigenen Gutdünken gehandelt. Der Glaube wurde vielerorts von einer Geistlichkeit untergraben, die nicht nur direkte Irrlehren verkündete, sondern auch eine unerträgliche Arroganz gegenüber dem Wirken des Geistes in anderen Glaubensgemeinschaften an den Tag legte. Diese Umstände könnten ein Hinweis darauf sein, dass eine vom Staat bezuschusste Volkskirche dem Teufel in die Hand arbeitet, wenn in nicht allzu langer Zeit die Verfolgung der so genannten "Sekten" seinen Anfang nimmt. Wir sollten deshalb nicht für die evangelisch-lutherische Kirche oder einer bestimmten, anderen Form von nationaler Kirche kämpfen, sondern für die reformatorische, protestantisch-evangelische Wahrheit, die vor 500 Jahren in Europa Fuß gefasst hat. Daran sollen wir uns mit Haut und Haar verschreiben. Nichts und niemand sollte imstande sein, uns das Wort des Lebens über Gottes Gnade aus dem Glauben alleine zu entreißen, das im 16. Jahrhundert trotz Verfolgung von Seiten der katholischen Kirche unser Eigentum geworden ist.

Die Frage lautet: Wer wacht heute über diese Wahrheit? Ist es eine wohlbehütete, gut abgesicherte, vom Grundgesetz geschützte Volkskirche oder ist es die freie Bewegung des Geistes, die sich heute an vielen Orten auf dem europäischen Kontinent bemerkbar macht? Ist es die staatlich geförderte kirchliche Organisation, die wie ein Falke auf ihre durch das Gesetz gesicherten Rechte pocht (und deshalb unbarmherzig auf die kleinen, freien Gemeindegründungen einschlägt) oder ist es das nicht immer kontrollierbare und theologisch ausbalancierte Feuer, das in den tiefsten Schichten der Völker entfacht wird. Einer der Väter des Grundgesetzes in Dänemark, der Pfarrer und Psalmdichter N.F.S. Grundtvig verteidigte, die "freie Bewegung im Geist". Sein Grundgedanke war, dass der Staat zu keiner Zeit das selbstverständliche Recht eines Menschen auf freie Meinungsäußerung schmälern bzw. Macht darüber ausüben dürfe. Er erklärt: "Der Staat kann sich nennen wie er will… ob er türkisch, chinesisch, französisch oder deutsch ist, er existiert um der Menschen willen und nicht der Mensch um des Staates willen!" Wenn dieser Mann heute noch lebte, würde er über die EU-Verfassung sagen: "Falls der Mensch dieser Wahrheit beraubt wird, ist ihre Staatsform, die eines Tyrannen, egal ob sie sich wie Ludwig der XIV. Monarchie nennt, oder sich selbst irgendeine andere Bezeichnung gibt.