Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-07-06

Minister Journal Nr. 8

Als unser Außenminister, Per Stig Møller ein homosexuelles Botschafterpaar nach Israel sandte, sollte nach Ansicht der dänischen Christen u.a. die Reaktion der Gläubigen in Europa auf den Prüfstand gestellt werden. Die vorliegende Konstitution rechtfertigt nicht nur eine solche Handlung, sondern sie verbietet unter Strafandrohung sich einer solchen Entsendung durch Wort oder Tat zu widersetzen. Ja, im Verfassungsentwurf heißt es, dass diejenigen, die sich dieser Handlungsweise widersetzen, "bekämpft" werden sollen. Im Abschnitt zwei des Verfassungsvorschlags (der das Verbot über "Diskriminierung" enthält) Artikel 3, Stück 1 heißt es: "Der Ministerrat kann erforderliche, zweckmäßige Maßnahmen durchführen, um Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung zu bekämpfen! Was dieser drohenden Warnung: "zweckmäßige Maßnahmen" zugrunde liegt, können sich die europäischen Christen nur mit Schaudern vorstellen.

Sehr zur Überraschung der dänischen Gläubigen wurde dem Außenminister eine der bekanntesten Kirchen des Landes zur Verfügung gestellt. Diesen Anlass benutzte er um auf dem Hintergrund des biblischen Textes seine Handlung gegenüber Jerusalem zu rechtfertigen. Der von den Nazis ermordete Pfarrer verkündete jedoch 60 Jahre zuvor von der gleichen Kanzel aus das Wort Gottes. Ich vergleiche die Verkündigung dieser beiden Prediger, und jeder wird verstehen können, dass der Text des Tages nicht im gleichen Geist ausgelegt wird.

DER GESCHWÄTZIGE PFARRER
Das Urteil des Pfarrers Kaj Munk

Sehr geehrter Herr Minister,

Da Ihr EU-Ministerkollege so beeindruckend von der "aufopfernden Liebe" gesprochen, und gleichzeitig ein homosexuelles Liebespaar als Botschafter nach Jerusalem gesandt hat, sollten Sie sich nun die Predigt Kaj Munks (dessen Kanzel er für seine EU-Predigt benutzte) über das gleiche Thema anhören.

"Wahre Liebe tut nichts Schlechtes," erklärte er während der Kriegsjahre. "Sie ist wie ein Salzwasserfisch. Sie fühlt sich nicht im Süßwasser oder abgestandenen, lauwarmen Wasser zu Hause, sondern lebt von der edlen Materie, die aus Tränen besteht. Ihre Größe besteht gerade darin, dass sie sich nicht scheut, sich in der edlen Gesellschaft des Opfers und der Entbehrungen aufzuhalten. Die große Liebe existiert um ihrer selbst willen, und nicht um zufrieden gestellt zu werden. Sie kann in der Ehe zu finden sein, und ist dort herrlich anzuschauen. Die Liebe ist eine kostbares Kleinod..."

Ich möchte Ihnen besonders folgende Worte nahe legen: "Diese Liebe fühlt sich nicht im Süßwasser oder abgestandenen, lauwarmen Wasser zu Hause." - "In der Ehe ist sie ein kostbares Kleinod..." Bei der Aussendung der Homosexuellen handelt es sich bildlich gesprochen weder um "kostbares Kleinod" noch um "edle Materie", sondern um lauwarmes Wasser. Deshalb hat der dänische Minister - mit den Worten von Kaj Munk - wie ein "geschwätziger Pfarrer" gesprochen.

Er glaubt zu Unrecht, dass Kaj Munk ihn in seiner Kirche willkommen geheißen hätte, um dort von seiner Kanzel aus zu predigen. Der dänische Pfarrer war ein gewaltiger Gegner der Unzucht unserer Zeit. Mit seinem Verhalten hat der dänische Außenminister dieser Schande Vorschub geleistet. Kaj Munk hätte niemals gebilligt, ein homosexuelles Botschafterpaar nach Israel zu senden. Über den zu seiner Zeit herrschende Geist der Untreue und der Bereitschaft der Kirche, die Sünde zu segnen, sagte er: "Es findet sich immer wieder ein geschwätziger Pfarrer, der bereit ist, sein eigenes Heiligtum lächerlich zu machen". Sein Kommentar zu den trotzig in einem gottlosen Leben Verharrenden war: "Der Pfarrer ist immer noch im Amt, er ist umgänglich, dienstbeflissen und macht sich über Leben und Tod sowie auch über die Ewigkeit lustig."

Über die Geringschätzung der Ehe von Mann und Frau, verkündete Kaj Munk: "Wir sehen in dieser liederlichen Generation, dass man mit seinen wechselnden Eroberungen prahlt, und dass darin etwas Besonderes liegt geschieden zu sein. Es stört nicht, dass man ein Waschlappen gewesen ist, der seine tiefsten Gefühle und Erlebnisse durch eine neue Serie ersetzt hat, und vor dem heiligsten Versprechen seines Lebens davongelaufen ist. Es scheint einen auch nicht zu stören, dass die Familie zerrüttet ist, und die Kinder den Boden unter ihren Füßen verloren haben..."

... über die Perversität im Allgemeinen äußert er sich wie folgt: "Nichts ist hinderlich, wenn man nur seiner Lust nachgehen kann ... und in seiner Schamlosigkeit seinen Weg mit erhobenem Kopf weiter verfolgen kann".

... über die Welt des Theaters, in der er sich bewegte, rief er aus: "Mögen - um der Menschheit willen - niemals Künstler als Beispiele in der Nachfolge gelten!"

Zum Schluss zitiert er vom Tagestext: "Da wurde der Hausherr zornig" und fügt hinzu: "Wir Christen glauben, dass in all dem, was um uns herum geschieht, der Zorn des Hausherrn zu vernehmen ist. Wir ahnen, dass das Gericht über die Welt einhergeht. Die zum Fest des Lebens Geladenen ziehen es jedoch vor, "ihren eigenen Spaß auf den Straßen zu haben".

... über die neue Weltordnung, die in unserem EU-Minister einen Fürsprecher gefunden hat, ruft der Pfarrer einer vergangenen Epoche aus: "Wir hoffen, dass eine neue Weltordnung dazu führen wird, die alten Götzen zu stürzen: nämlich den Krieg und die Fleischeslust, und durch wahre Liebe, gesunde Familien, deren Grundpfeiler die Treue ist, eine starke Gesellschaft aufgebaut werden kann..."

Dieses Signal hat der dänische Minister wohl kaum nach Tel Aviv gesandt. Seine Verhaltensweise ist meilenweit von dem Text entfernt, über den er gepredigt, und den er ausgelegt hat!

Mit der Predigt des von den Nazis ermordeten Pfarrers als Hintergrund, zweifle ich keinen Augenblick daran, dass der Dichterpfarrer unseren EU-Minister damals die Tür gewiesen hätte! "Ich gestatte Ihnen nicht wie einer der geschwätzigen Pfarrer mein Heiligtum der Lächerlichkeit preiszugeben", hätte er gesagt. "Sie sollen sich nun nicht auf dem Hintergrund Ihrer gottlosen Handlung über Leben, Tod und Ewigkeit lustig machen..."

Der dänische Außenminister hat ganz offensichtlich einen der vornehmsten Predigtstühle des Landes benutzt, um indirekt den Paragraph in der EU-Verfassung zu verteidigen, der das öffentliche Vorlesen der Schrift in Bezug auf die neutestamentliche Verurteilung von Homosexualität verbietet. Seine Feiertagsansprache offenbart den humanistischen Geist, der in der Präambel des Verfassungsvorschlages niedergelegt ist. In dieser ist ausschließlich die Rede von der "Grundlage des Humanismus, nämlich: Gleichheit zwischen den Menschen, Freiheit und Respekt gegenüber der Vernunft". Seine Verkündigung dreht sich nur um eines: Seinen gottlosen Spott, den er durch seine Amtshandlung über Jerusalem ausgegossen hat, zu rechtfertigen!