Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-07-05

Minister Journal Nr. 7

Da in der Einleitung des neuen EU-Verfassungsvorschlages betont wird, dass die Verantwortlichen sich von Europas kulturellem, religiösem und humanistischem Erbe haben inspirieren lassen, so müssen die 105 Delegierten die Präambel des früheren französischen Präsidenten Giscard D'Estaing mit erhobenen Augenbrauen gelesen haben. Das Gleiche taten die dänischen Christen, als ihr Außenminister, Per Stig Møller im frühen Herbst des Jahres 2003 ein homosexuelles Botschafterpaar nach Israel sandte. Es gehört vielleicht zu Europas "religiösem" Erbe, doch mit dem christlichen Erbe hat dies nichts zu tun, wenn man so offensichtlich den Worten des Neuen Testaments zuwiderhandelt. Als der Außenminister kurze Zeit später eine einzigartige Gelegenheit bekam, sich von der Kanzel eines hoch geachteten Pfarrers namens Kaj Munk (der im Januar 1944 von den Nazis ermordet wurde) aus zu verteidigen, folgte er in seiner Predigt dem Text der EU-Verfassung über "die Grundlage des Humanismus" und "dem Respekt gegenüber der Vernunft". Im nachfolgenden versuche ich, darauf hinzuweisen, indem ich aus der Verkündigung dieser beiden Prediger zitiere, die in einer Zeitspanne von 60 Jahren in der gleichen Kirche gehalten wurde. Der erste verkündete das Evangelium, der zweite wurde zum Verfechter des im EU-Verfassungsvorschlag begründeten humanistischen Anliegens…

REGIERUNGSBEAMTE
... die ihr Amt nicht weiter ausführen dürfen

Sehr geehrter Herr Minister,

Es scheint mir, als ob ihr dänischer EU-Kollege der Auffassung sei, dass die Aussendung eines homosexuellen Botschafters und seines Partners nach Jerusalem von kirchlicher Seite nicht verurteilt werden sollte. "Wir sind nicht dazu bestimmt, einander zu richten," höre ich ihn sagen...

Der von den Nazis getötete Dichterpfarrer, dessen Predigtstuhl ihm beim Jahreswechsel zur Verfügung gestellt wurde, führte jedoch eine ganz andere Sprache: "Es gehört zu den Pflichten der Kirche, dem Volk seine Sünde vor Augen zu führen," erklärt Kaj Munk in seiner ersten Predigt im Jahre 1919. Er fügt hinzu:..."und ihm Gottes gnadenvolle Vergebung ins Ohr zu flüstern".

Der Vergebung Gottes geht jedoch das Erkennen und Bekennen der Sünden voraus. "Wenn wir aber unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend," sagt der Apostel Johannes (1:1:9). Die Frage ist jedoch, ob der dänische EU-Minister bereit ist, einen solchen Schritt zu tun? Nach seiner Predigt zu urteilen, scheint bei ihm alles in bester Ordnung zu sein. Nachdem er der Anlass dazu ist, dass dänische Christen vor Scham vergehen, und viele in Israel entrüstet den Kopf schütteln, brachte er unserem Land eine biblische Neujahrsbotschaft, in der er versichert, ein gutes Gewissen zu haben, da er "sein Kreuz auf sich genommen, und das Richtige getan hätte!"

Es sieht so aus, als ob seine Seele bereits den ernsthaften Schaden erlitten hat, den man Verhärtung nennt.

Als der dänische EU-Minister die Kirche Kaj Munks besuchte und auf seiner Kanzel stand, klangen da nicht die Worte des ermordeten Pfarrers in seinem Herzen wider, die im düsteren Kriegsjahr 1942 zu hören waren?

"Gibt es Männer in der Regierung," sagte Kaj Munk damals "die ganz deutlich andere Wege gehen wollen, die das ehrenhafte Gebot des Königs, eine würdevolle und korrekte Haltung an den Tag zu legen, übertreten, so können diese auf lange Sicht nicht in der Regierung verbleiben. Wir müssen standhaft sein, es ist unser Kampf, und die Richtung ist klar vorgegeben!"

Es ist, als ob das Seherauge Kaj Munks einen flüchtigen Blick auf die Person erhaschen konnte, die nun über ein halbes Jahrhundert später auf seiner Kanzel steht, und seine Worte gewinnbringend anwendet. Denn der dänische Minister spricht in seiner Predigt freimütig über die Männer, die auf dem Weg zur Macht bereit sind "ihr Gewissen zu töten". - "Deshalb," erklärt er, "werden Männer und Frauen in Machtpositionen letzten Endes auf die eine oder andere Weise zu Verlierern. Weil sie nämlich auf dem Weg zur Großmächtigkeit Gewissen und Liebe aufs Spiel setzen..."

Das hört sich gut an! Besonders wenn diese Worte aus dem Mund eines Ministers kommen. Der christlichen Bevölkerung steht seine Handlungsweise jedoch allzeit vor Augen. Ist nicht gerade er einer "der Männer aus der Regierung", der mit Kaj Munks Worten "ganz deutlich einen anderen Weg geht"? Hat nicht gerade er das königliche Gebot "eine würdevolle und korrekte Haltung einzunehmen" hintergangen? Als er die zwei homosexuellen Männer in der dänischen Botschaftsresidenz in Tel Aviv anbrachte, handelte er (aus der Sicht der Bibel, aus der er so schön zitiert) gewissenlos und schamlos! Er hat dadurch kein würdiges und korrektes Verhalten an den Tag gelegt. Aus diesem Grunde kann er auch nicht weiter auf seinem Posten verbleiben. Als Christen stehen wir in dieser Sache fest. "Es ist unser Kampf, und die Richtlinie ist klar!"

"Was hülfe es die ganze Welt zu gewinnen, wenn man an seiner Seele Schaden leidet," zitiert er aus dem Evangelium. Richtig! Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Schaden nicht bereits eingetreten ist? Denkt er an die Möglichkeit, dass sich das Gewissen auf dem Wege zur Großmächtigkeit verhärten kann? Der Blick versteinert sich, und von der einsamen Spitze des EU-Universums aus werden Handlungen vollzogen, die sich nicht länger von den Forderungen des Gewissens bestimmen lassen! Das ist ganz besonders der Fall, wenn der Humanismus an die Stelle des Wortes Gottes tritt, oder wenn Gottes Liebe durch eine New Age Liebe erstattet wird. Dabei ist der Gedanke "sich für die Liebe zu opfern" seelischer Natur ... ohne Geist, ohne Wahrheit und ohne Salz!

Diesem EU-Prediger liegt nicht das Evangelium Jesu auf dem Herzen. Vom Kirchenaltar aus predigt er über einen bestimmten Paragraphen der vor kurzem vorgelegten Europaverfassung. Er will den ‚Homosex-Artikel' in Kraft setzen, denn er ist der Meinung, dass er dadurch seine eigene lästerliche Handlung gegenüber Jerusalem rechtfertigen kann. Christen überall sollten auf die weitere Entwicklung Acht haben, denn sie führt abschließend zu einer Verfolgung der wahren Gläubigen in Europa.