Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-06-13

Imperiumsjournal Nr. 4

DER ZUSAMMENSTOSS
… zwischen der EU-Einheitskirche und den freien protestantischen Gemeinden

Mit der neuen EU-Verfassung sind religionspolitische Konflikte vorprogrammiert. Wegen des Rauchschleiers, der sich über Europas geistliche Front legt, wird es schwer sein, zwischen Freunden und Feinden unterscheiden zu können. Den freien Gemeinden wird es schwer fallen, herauszufinden , wie sie sich im Hinblick auf die Gesetzgebung gegen eine einschleichende Verfolgung schützen können. Auf jeden Fall wäre es sinnvoll, darüber nachzudenken, wie die ersten Väter der Grundgesetze überall in Europa in der Mitte des 19. Jahrhunderts für das Recht "der freien geistlichen Bewegung" eintraten und dafür gestritten haben. Sie kämpften gegen die Zwangsjacke der Staatskirche und des religiösen Monopols. Auch gaben sie keinen Zentimeter nach, wenn es darum ging, dem, wie sie es nannten "Wirken des Geistes" einen "legalen Spielraum" zu geben. Aufgrund schmerzlicher Erfahrungen vergaßen sie nicht, dass die spanische Inquisition in seiner Verfolgung zielbewusst vorgegangen war. Sie sahen sich nach den Männern um, die "vom Geist gesalbt" waren. Dem neutestamentlichen Bericht konnten sie entnehmen, wie es der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem ergangen war. Es waren die Jünger Jesu, die ins Gefängnis geworfen und enthauptet wurden! Deshalb sind die freien protestantischen Gemeinden auch verpflichtet, auf dem gesetzlichen Recht zu bestehen, das eine neue Zeit "der Apostelgeschichte" und das Festhalten an der Lehre der Apostel möglich macht.

"In hoc signo vinces" … Mit diesem Zeichen sollst du siegen! Dies waren die legendären Worte, die der Kaiser Konstantin im Jahre 312 empfing, als er in einer Vision das Kreuz sah, und dadurch wurde die Religion zu einem staatspolitischen Faktor! Heute scheint es den Europäern schwer zu fallen, zu diesem Phänomen Stellung zu nehmen. Aus der EU-Verfassung, die in Kürze entweder angenommen oder abgelehnt wird, geht deutlich hervor, dass man versucht, jegliche Konfrontation zu vermeiden. Ein ganz besonders Problem sieht man in den "äußeren Zeichen" …

Bei dem Verfassungsentwurf ist zwischen den Zeilen zu lesen, dass man sich am "humanistischen Menschenbild" orientieren möchte, und dass der religiöse Aspekt immer noch als "Opium fürs Volk" anzusehen sei. Das heißt, dass das Religiöse nur für Menschen ist, die einem unglücklichen Hang zum Opfer gefallen sind, sozusagen als eine Art geistlicher Drogenabhängigkeit. Der Glaube an Gott ist nichts für gesunde, starke Menschen. Allerdings geht aus der EU-Verfassung auch hervor, dass man sich keine "religionslose" Welt vorstellen kann; aus diesem Grunde müssen Gesetze geschaffen werden, um den vorhandenen Bedürfnissen entgegenzukommen. Unglücklicherweise muss man sagen! Doch allen äußeren Zeichen der Gottesverehrung wird man äußerst misstrauisch gegenüberstehen. Sie werden als ein Anstoß gesehen …

Es zeigt sich jedoch Tag für Tag auf dem Bildschirm, dass, egal, ob man es mit den muslimischen Bewegungen der Dritten Welt zu tun hat, oder mit der USA als einer modernen Supermacht, so wird man mit dem religiösen Element konfrontiert! Auch an den "äußeren Zeichen" der Gläubigen kommt man nicht vorbei. Deshalb wird auch ein verweltlichtes Europa den geistlichen Realitäten ins Auge sehen müssen und nicht umhinkönnen, bei der neuen Verfassung Rücksicht auf die Millionen von Gläubigen und ihre Gottesverehrung zu nehmen. Die EU muss Stellung gegenüber den Grundgesetzen der Länder beziehen, die an ihren protestantischen Werten festhalten. Dabei wird sich bald herausstellen, ob die Machthaber der Union Rom in die Hand arbeiten, oder der ökumenischen Bewegung! Jede Form von orthodoxer Einheitskirche, die versuchen will, die reformierten, protestantischen, freien Gemeinden zu beseitigen oder zu verfolgen, oder ihr öffentliches Auftreten und Verkündigung zu verhindern, wird mit Widerstand rechnen müssen, und dies in einem solchen Maße, dass möglicherweise Regenten vom Throne gestürzt, und Regierungen, die heute noch an der Macht sind, morgen nicht mehr da sein werden…

Während sich eine fest gezimmerte, organisatorische "Einheit" den Weg durch Europas traditionelle Kirchen bahnt, wächst eine neue geistliche Einheit durch besondere Dienste oder "Ämter" heran, die gemäß Neuem Testament auch heute noch der Gemeinde Jesu gegeben werden. Darüber steht geschrieben, dass der auferstandene Herr der Gemeinde "etliche zu Aposteln gesetzt hat, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern" (Epheser 4:11). Dieses geistliche "Einheitsprojekt" wird solange laufen, "bis dass wir alle hinankommen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes" (V. 13). Der Zusammenstoß wird zwischen einem von der EU geförderten, klerikalen Einheitssystem und diesen freien Männern, die nach einer anderen geistlichen Ordnung handeln, stattfinden …