Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-04-26

Europa Journal Nr. 11

BEDEUTET ES RASSISMUS
... wenn man sich von einer Lüge distanziert?

Einer meiner langjährigen Freunde in Frankreich ist katholischer Pfarrer in der Bretagne. Ich besuche ihn in der Regel einmal im Jahr und bei dieser Gelegenheit sprechen wir über die Entwicklung in der Kirche und der Welt. Wenn ich deshalb in meinen Europa-Journalen davor warne, unser protestantisches Erbe durch das Unterschreiben der EU-Verfassung aufzugeben und versuche klarzumachen, dass auch in dieser Sache "alle Wege nach Rom führen", so werde ich nicht von einem verbissenen Hass gegenüber Katholiken getrieben. Im Gegenteil! Ich bin der Auffassung, dass wir es ihnen schuldig sind, an dem Glauben festzuhalten, den uns unsere Väter durch die Reformation übergeben haben. Aufgrund der im Großen und Ganzen abgefallenen nationalen Kirchen in Europa haben viele Christen aufgehört, Protestanten zu sein. Von daher geht es bei den bevorstehenden Gesetzesveränderungen nicht um das Weiterbestehen der traditionellen Kirchen, sondern um das evangelisch-protestantische Fundament in Europa. Die Christen Europas haben die Freiheitslehre des Römerbriefes nicht vergessen. Sie bleiben fest darauf stehen (einschließlich der Kapitel 9-11). Deshalb finden überall Demonstrationen gegen die neue EU-Verfassung statt.

"Der Rat kann," heißt es im 13. Artikel des Amsterdamer Vertrages "zweckdienliche Maßnahmen ergreifen, um Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, ethnischer Herkunft, Religion oder Glauben, Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung zu bekämpfen.

Solche "zweckdienlichen Maßnahmen" sollen gegenüber Christen in Europa ergriffen werden! In der europäischen Gesetzgebung darf es keinerlei Form von "Diskriminierung" geben. Falls das Landesgesetz dem reformierten, protestantischen Glauben bis jetzt einen Vorrang gewährt hat, ist dieser laut Europavertrag abzuschaffen. Denn den Muslimen soll das gleiche Recht zukommen! Und auch die Katholiken dürfen nicht außeracht gelassen werden.

Nun stellt sich die Frage, ob nicht nur die "Vorrangstellung" der christlichen Botschaft im allgemeinen als "Diskriminierung" angesehen wird, sondern auch das durch die Reformation vor 500 Jahren durchgedrungene Licht? Hat es etwas mit Diskriminierung zu tun, wenn eine Nation nein sagt zur päpstlichen Herrschaft und ja zur freien evangelischen Gemeinde? Kann man es als "unterschiedliche Behandlung" betrachten, wenn ein Volk in seinem Grundgesetz nein zur "Unfehlbarkeit" des Papstes sagt und ja zu Gottes Barmherzigkeit, die sich trotz Fehler und Sünde des Menschen offenbart - und die jederzeit und überall der Beurteilung jedes einzelnen Gläubigen überlassen bleiben muss?

Am 18. Juli 1870 wurde in Rom ein Dogma aufgestellt. Dieses ermöglichte dem damaligen Papst Pius IX auf dem sogenannten Konzil folgendes bekannt zu geben: "Es ist ein von Gott offenbarter Glaubenssatz, dass sich der Papst bei der Ausübung seines Lehramtes aufgrund des göttlichen Beistandes, der ihm durch den heiligen Petrus zuteil wurde, nicht irren kann (mit anderen Worten: unfehlbar ist.) Die vom römischen Papst getroffenen Entscheidungen sind deshalb - auch ohne Zustimmung der Bischöfe - unabänderlich. Sollte jemand - möge Gott es verhüten - es wagen, diesem Beschluss zu widersprechen, soll er mit dem Bann belegt werden."

Ich frage: Kann es als Diskriminierung oder Rassismus angesehen werden, wenn sich ein Volk oder eine Nation durch das Festhalten an der evangelischen Freiheitslehre von einer solchen Erklärung distanziert? Es steht nicht nur die nationale Souveränität der Länder auf dem Spiel - diese wird durch die Unterschrift unter die EU-Verfassung aufgegeben - sondern auch die protestantische Freiheit (die Freiheit des Evangeliums), die durch vorhergehende Gesetzesänderungen aufgegeben werden muss, um der "unfehlbaren" Macht des Papststaates Platz zu machen und sich ihr unterzuordnen..

Im übrigen: Die Entsendung eines dänischen homosexuellen Botschafters und seines Partners nach Israel ist nicht nur eine Schande für das dänische Königreich, sie ist gleichermaßen Ausdruck europäischer Handlungsweise!