Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-07-11

Drama-Journal, Abschnitt 2

EIN UNHEILVOLLES LÄCHELN
… zeigt sich dem Bauern, als er dem König eine Absage erteilt!

Zusammenfassung: Ein EU-Drama in veralteter Form spielt sich vor unseren Augen ab. Die biblische Geschichte über den boshaften König Ahab und den Bauern Nabot wird neu aufgeführt. Der König will den Weinberg Nabots haben und bietet ihm dafür reichlich Erstattung, Freiheit und Sicherheit an. Als der Bauer beginnt, sich auf das Verbot der Heiligen Schrift zu berufen, die ihm den Verkauf seines Erbteils untersagt, tritt der König noch bedrohlicher auf…

Der Bauer Nabot zieht sich erschrocken zurück. "Es steht hier geschrieben," wehrt er sich, "dass jeder an dem Erbteil seiner Väter festhalten soll, deshalb kann ich dir meinen Weinberg nicht überlassen. Das lasse der HERR ferne von mir sein…"

(Der biblische Bericht fährt fort):
"Da ging Ahab in sein Haus, missmutig und wütend über das Wort, das der Jesreeliter Nabot zu ihm geredet hatte, als dieser ihm sagte: Ich gebe dir nicht das Erbe meiner Väter. Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Gesicht ab und aß nichts. Da kam seine Frau Isebel zu ihm hinein und sagte zu ihm: Warum denn ist dein Geist missmutig und warum isst du nichts?" (1. Könige 21:4-5)

Als der König nach seiner Begegnung mit dem Bauern am Palastgebäude entlang reitet, kommt er an Nabots Weinberg vorbei. Er springt vom Pferd und betritt das Grundstück des Bauern. Zornig gräbt er seine Hände in die fruchtbare Erde. "Gemüsegarten," murmelt er. "Dies ist mein Gemüsegarten. Ich biete ihm Geld, ein Stück Land und Sicherheit, und er lehnt mein Angebot ab! Wegen eines altertümlichen Bibeltextes. "Ein Fürst soll nichts vom Erbbesitz des Volkes nehmen," sagt er. "Ein Fürst soll einen Bauern nicht gewaltsam aus seinem Grundbesitz verdrängen (Hesekiel 46:18). Leute seines Schlags gehen gegen jegliche vernünftige Entwicklung an." Wütend wirft der König die in seiner Hand befindliche schwarze Humuserde gegen die Palastmauer. "Der Erbbesitz der Väter," ruft er spottend aus, "dies hier ist der Gemüsegarten des Palastes…"

Ein kalter Wind fegt über die Berge, als der König durch die Palastpforte reitet. Er pfeift scharf an den Burgtürmen vorbei, und das Pferd wird für einen Moment wild vor Entsetzen. Im Schlosshof springt der König von seinem sich aufbäumenden Pferd und geht mit flatterndem Umhang durch eine der Seitengänge in den Palast. Seine Sporen klirren beunruhigend auf dem Steinpflaster. Die Wachen stieren ihm erschrocken nach. Im Fenster sieht man eine weibliche Gestalt, die dort stehen bleibt, bis der König verschwunden ist. Nun ist sie auch nicht mehr zu sehen, bis sie schließlich an einem anderen Fenster wieder auftaucht und durch den Festsaal in Richtung königlicher Gemächer läuft. Der Wind nimmt an Stärke zu. Innerhalb eines Augenblickes hat er sich in einen gewaltigen Sturm verwandelt, der gegen die Burgpforte hämmert. Es hört sich an wie eine mächtige Hand, die anklopft. Als ob jemand mit einer warnenden Botschaft vor der Tür steht!

Der König steht unbeweglich in seiner Kammer. Er lauscht. Dann reißt er den Umhang von seinen Schultern und wirft sich aufs Bett. Sein Gesichtsausdruck ist finster und grausam. Er wendet sein Gesicht gegen die Kalkwand. Als die Tür aufgeht, stellt er sich taub. Hört er wirklich nicht, dass jemand in seine Kammer tritt? Antwortet er nicht auf die Fragen der Frau, als sie sich vorsichtig über sein Lager beugt?

"Möchte der König etwas zu essen?"
"Ahab schweigt. Zusammengebissen stiert er die Wand an.
"Möchte seine Majestät etwas serviert bekommen?"
"Nein!"
Isebel (die Ehefrau des Königs, die in Eile durch den Festsaal zur Kammer Ahabs gelaufen kam) fragt vorsichtig, … jedoch mit einem Anflug von Spott in der Stimme: "Warum denn ist dein Geist missmutig, und warum isst du nichts?" (21:5)
Ahab setzt sich ungestüm in seinem Bett auf.
"Ich habe ihm einen Vertrag angeboten," ruft er aus.
"Das beste Übereinkommen, das er sich nur wünschen konnte! Ich habe ihm Geld, ein Stück Land, Sicherheit und meine eigene königliche Unterschrift als Garantie gegeben. Eine Verfassung, die in dieser Zeit ihresgleichen sucht. Ich habe ihm Freiheit und Rechte, Zusammenarbeit und Mitbestimmung angeboten. Ja, ich habe ihn wie meinesgleichen behandelt, ohne jegliche Form von Diskriminierung; obwohl er nur ein einfacher Bauer ist. Er wollte dennoch nicht unterschreiben. Er lehnte mein königliches Angebot ab!"
"Mit welcher Begründung?" In Isebels Stimme liegt immer noch ein Anflug von Hohn.
"Keiner! Er antwortete nur: Ich will dir meinen Weinberg nicht überlassen!" Der König wendet sich ab, ohne ihrem Blick zu begegnen.

Isebel richtet sich auf. " Soso, sagt sie gedämpft, "das heißt, der Weinbergbauer verweist den König in seine Schranken! Nabot weist Ahab die Tür! Der Inhaber eines kleinen Gemüsegartens erdreistet sich, sich gegen seine Majestät aufzulehnen. Ein einfacher Bauer wirft den ehrenwerten Vertrag auf den Boden und stampft darauf herum." Ein Unheil verkündendes Lächeln umspielt ihre Lippen…

(Fortsetzung folgt)