Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-07-10

Drama-Journal, Abschnitt 1
(Lies zuerst die Einleitung vom Vortag)

EIN VORTEILHAFTES ANGEBOT
… überlasse mir deinen Weinberg, sagte der König!

Danach geschah folgendes"…

So beginnt eine der merkwürdigsten Berichte in der Bibel. Alle sollten diese Geschichte lesen, denn sie können die aufgeschlagene Heilige Schrift auf die eine Seite des Tisches legen und das aktuellste Werk dieser Zeit: "Der Entwurf über das Traktat einer europäischen Verfassung" auf die andere Seite …

Aus der Bibel lesen wir im 1. Buche der Könige, Kapitel 21 den ergreifenden Bericht des boshaften Königs Ahab, der zum Bauern Nabot, ("welcher einen Weinberg neben dem Palast des Königs Ahab hatte") sagte: "Gib mir deinen Weinberg, er soll mein Gemüsegarten werden, denn er ist nahe bei meinem Haus; ich gebe dir dafür einen besseren Weinberg als den hier. Oder wenn es besser ist in deinen Augen, gebe ich dir Geld als Kaufpreis für ihn" (Vers 2).

Beim Aufschlagen des Verfassungsentwurfes auf der anderen Seite des Tisches müssen wir zugeben: "Dies ist ein redlicher Vorschlag! Es scheint ein guter Handel zu sein. Die Lage des betreffenden Grundstücks lädt zu einer solchen Regelung ein. "Es liegt ja neben meinem Palast", sagt der König. Es ist nicht zu bestreiten, dass es für den regierenden Monarchen besser und zweckmäßiger wäre, das kleine Grundstück des Bauern mit den großen Ländereien des Palastes zusammenzulegen. Und für die Union wäre es ein Vorteil…

Aber der Bauer sagt: "Das lasse der HERR fern von mir sein, dass ich dir das Erbe meiner Väter gebe! (21:3). Eine scheinbar unerträgliche Antwort; was hat Gott mit dieser Sache zu tun. Es geht doch nur um eine praktische, ökonomische Ordnung, die nur ein wenig "Respekt gegenüber der Vernunft" erfordert.

Deshalb fährt der König fort: "Ich gebe dir dafür einen besseren Weinberg." Du wirst dadurch keinen Verlust erleiden, Nabot. Dieser Handel wird zu deinem eigenen Vorteil sein! Du wirst ein reicherer Mann werden! Du wirst dein eigenes Grundstück bekommen, das freier liegt. Ja, du wirst dich an mehr Freiheit und einer größeren Aussicht erfreuen. "Überlasse mir deinen Weinberg, Nabot!

Doch der Bauer schüttelt den Kopf. "Das lasse der HERR ferne von mir sein…" flüstert er.

"Gut," sagt der König, "wenn wir keinen Tauschhandel miteinander eingehen können, was das Beste für dich wäre, so will ich dich dafür bezahlen! Du kannst statt einem Grundstück Bargeld bekommen. Ich gebe dir den Kaufpreis bar auf die Hand" (Vers 2) Flüssiges Kapital! Du wirst dann mehr Geld auf deinem Konto haben…" Der König legt Nabot den Vertrag vor. Dieser sieht verzweifelt auf zum Himmel auf und ruft gedämpft aus: "Das lasse der HERR ferne von mir sein!"

"Fühlst du dich ungerecht behandelt?" fragt der König. "Ich habe Macht anders mit dir zu verfahren, doch möchte ich dir das Recht lassen zu wählen. Ich behandle dich gemäß den vorgegebenen und ungeschriebenen Menschenrechten. Was willst du mehr? Überlasse mir deinen Weinberg, Nabot!"

"Es ist das Erbteil meiner Väter!" wendet der Bauer ein. "Wozu brauchst du ihn?"
"Als Gemüsegarten," antwortet der König verbittert.
"Gemüsegarten?"
"Ja, Gemüsegarten!"
Nabot senkt den Kopf. Seine Stimme zittert. "Gemüsegarten," seufzt er, "das Erbteil meiner Väter. Das lasse der HERR ferne von mir sein!" (21:2-3)

Mit bösem Blick betrachtet der König den schweigenden Bauern, der auf der anderen Seite des Tisches nach der Schriftrolle tastet. Irritiert beobachtet er, wie Nabot Zeit braucht, um die entsprechende Schriftstelle zu finden: "Und das Land soll nicht endgültig verkauft werden, denn mir gehört das Land…" (3. Mose 25:23).

Es soll nicht endgültig verkauft werden," unterbricht ihn der König.
"Nicht endgültig?" fragt der Bauer und schielt auf die Verfassung. "Ich meine, dass im Vertrag steht, dass …

"Als gute Nachbarn können wir darüber immer noch sprechen. Unterschreib nur, so ist dir der Schutz des Palastes gewiss. Du wirst dadurch auch eine bessere Qualität und persönliche Sicherheit haben. Du wirst der Freund des Königs sein…"

Nabot hat nun einen neuen Abschnitt in der Schriftrolle gefunden. Zögernd und furchtsam liest er dem König daraus vor. Dieser zeigt deutlich sein Missfallen: "Kein Erbteil…. Soll von einem Stamm zum anderen übergehen, denn jeder soll am Erbteil des Stammes seiner Väter festhalten" (4.Mose 36:7).

"Alte, vergilbte Dokumente, die seit langem ihre Gültigkeit verloren haben!" ruft der König. Er geht auf Nabot zu. In seiner Haltung liegt etwas Unheilvolles und Drohendes…

(Fortsetzung folgt)