Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-09-04

Journal: Die Seele Europas
Einleitung

"Die Seele Europas"
Drei Journale, die erzählen, was nicht vergessen werden darf!

In den folgenden drei Journalen will ich von der im 16. und 17. Jahrhundert erfolgten Inquisition berichten. Dadurch möchte ich auf das Verbrechen der katholischen Kirche gegenüber Andersgläubigen aufmerksam machen und gleichzeitig hervorheben, dass dieselben mörderischen, religiösen Kräfte hinter der neuen europäischen Konstitution lauern.

Einleitend heißt es in dem Vorschlag, dass die europäische Verfassung "den Menschen zum Zentrum aller Dinge macht". Jede Art von Hinweis auf Gott wird vermieden, und es wird betont, dass das "humanitäre Erbe Europas" hier weitergeführt werden soll…

Darüber hinaus gibt es jedoch eine andere Seite der EU: Die Kirchen- und Religionspolitik, die man "das ideologische Programm" nennen könnte. Gerade darin liegt das ökumenische Potential, das eines Tages die Gläubigen ausschließt und alle Andersgläubigen verfolgen wird! Es ist die Rede von einer Zusammenarbeit mit den ökumenischen Organisationen, denen insgesamt über 150 Kirchen angehören. Diese sollen dazu beitragen, "Europa eine Seele zu verleihen" (Jacques Delors, Februar 1992). Außer den historischen Kirchen sollen auch humanistische Organisation an diesem Projekt teilnehmen ("Occasional Paper" Nr.4, Seite 51)

Auf der Titelseite der europäischen Zeitungen vom 30. Mai 2003 war der protestantische Bischof von Berlin zu sehen, wie er zusammen mit dem orthodoxen Bischof die Eröffnungsmesse bei der ökumenischen Mega-Kirchenveranstaltung hielt. 300.000 Protestanten und Katholiken waren gekommen, um 5 Tage lang an insgesamt 3.200 verschiedenen Arrangements teilzunehmen. "Die ökumenische Einheit" sollte damit gefeiert werden.

Auf einer vor kurzem abgeschlossenen Reise nach Spanien hörte ich mehrere Berichte, die in dieser Unheil drohenden "Zeit der Vereinigung" nicht vergessen werden dürfen. Sie erzählen insbesondere die Geschichte im Hinblick auf die Haltung der katholischen Kirche gegenüber den Juden, und in kurzen Zügen den Kampf der jüdischen Gläubigen angesichts des totalitären religiösen Systems, weiter an ihrem Bekenntnis festzuhalten.

… wie z.B. die Geschichte des jungen Marco de Almeida Bernal, der im Jahre 1650 von den strengen Richtern der Inquisition verhaftet und in die Gefängnislöcher des Heiligen Stuhls in Valladolid geworfen wurde. Bereits beim ersten Verhör gab er zu, dass er Jude sei, doch dass er trotz seiner Lebensfreude lieber sterben würde als seinen jüdischen Glauben zu verleugnen. Jeder Versuch, ihn auf andere Gedanken zu bringen, schlug fehl. Nicht einmal Tortur - die Qual im Kellerloch - konnte daran etwas ändern. Der Erzbischof von Placencia ließ ihn nach Saint-Jacques-de-Compostella verlegen, in der Hoffnung, dass dieser "heilige Ort" ein Wunder vollbringen könne. Doch der erst 22-jährige Jude verblieb unerschütterlich in seinem Glauben.

Nachdem man 5 Jahre lang einen gnadenlosen Kampf um seine Seele geführt hatte, wurde er im Jahre 1655 zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte wurde er geknebelt, sodass er unterwegs sein Glaubensbekenntnis nicht laut ausrufen konnte. Als er zum Schluss noch einmal gefragt wurde, ob er umkehren wolle, bewegte er seinen Kopf zum Zeichen, dass er etwas zu sagen hätte. Die Priester
meinten, er willige ein und nahmen ihm deshalb dem Knebel vom Mund. Als er wieder sprechen konnte, rief er laut sein Bekenntnis heraus. Er glaube mehr an Moses als an ihre Heiligenbilder! Als der Scheiterhaufen gezündet werden sollte, öffneten sich die Schleusen des Himmels und ein solcher Sturzregen prasselte hernieder, dass die bestürzten Henker aufgeben mussten. Man schüttete eine brennbare Flüssigkeit über das Opfer, doch aus dem Flammenmeer ertönte der Gesang der biblischen Psalmen.

30 Jahre später hat der bekannte Dichter und Poet, Daniel Levi de Barrios aus Amsterdam den festen Glauben des jungen Juden "unsterblich werden lassen" (Cecil Roth: Publications de la Société des Etudes Juives, Paris 1936, Seite 6).

Die ersten drei Journale mit ähnlichen Berichten haben folgende Titel:

1. Eine gemeinsame Identität
… die nur durch Eisen und Feuer erreicht werden kann!

2. Die Denunzianten
… lauern wieder an der Tür!

3. Der Scheiterhaufen
… dessen Flammen nicht die Stimme der Märtyrer zu ersticken vermochten!