Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-11-07

DIE SCHLACKE
… in der man Diamanten für Gott findet!

Mit einem gewissen Zögern berichte ich weiter über unsere "Wüstenexpedition". In meinem vorherigen Journal habe ich erzählt, wie wir vorher überall im Land Einladungen ausgesandt hatten, ohne dass einer der Eingeladenen kam! Danach hatten wir uns an den Teil der jüdischen Jugend gewandt, die als "Abschaum" von Tel Aviv gilt. Und die Jugendlichen kamen!

In diesem Zusammenhang habe ich gestern über "die Hochzeit des Königssohns" gesprochen. Darin ist von den vielen die Rede, die die Einladung zur Hochzeit ablehnten! Es ist im Hinblick auf dieses Gleichnis, dass ich zögere, weiter zu schreiben. Zuerst einmal ist unsere geringe Einladung in keinster Weise mit dem biblischen Bild über die königliche Einladung zu vergleichen, und zum zweiten sollte man auch in keiner Weise auf die furchtbaren Folgen dieser Absage hinweisen…

Ich sehe darin jedoch eine tiefere Perspektive und zwar im Hinblick auf das Verhältnis der europäischen Gläubigen zu Israel - und deshalb muss ich doch die Reaktion des Königs in diesem Zusammenhang erwähnen. Jesus erzählt: "Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand" (Matthäus 22:7). In der gegenwärtigen Situation bedarf dieser Hinweis keines Kommentars. Diejenigen, die diese Sprache verstehen, sollten sich bei: www.YES-to-GOD.com melden. (Es werden weiterhin Übersetzer für die Tagesjournale gesucht.)

Nachdem wir Einladungen über ganz Israel versandt hatten, und auch an verschiedenen Orten waren, in denen wir den messianischen Leitern unser Anliegen erklären konnten, wandten wir uns zum Schluss an das so genannte "Ha-Shanti-House" in Tel Aviv. Es ist ein Haus, das seit 20 Jahren Tag und Nacht für die Großstadtjugend geöffnet ist, die sich auf dem Wege zu den "finsteren Höhlen der Gesellschaft" befindet. Durch Privatinitiativen erhalten "streetgirls" und Drogenabhängige Hilfe. Hier sammeln sich 15-17 Jährige, die "von zu Hause durchgebrannt sind" oder "von ihren Eltern hinausgeworfen wurden".

Auf der untersten Sprosse der israelischen Gesellschaft gibt es weder religiöse noch ethnische Streitigkeiten. Im Überlebenskampf der Großstadt stehen Araber und Juden, Christen und dem jüdischen Glauben angehörige Menschen, sowie Muslime zusammen. Das "Ha-Shanti-House" ist ihr Heim geworden! 78 % der vielen Tausenden, die sich ein Jahr lang in diesem Haus aufgehalten haben, wenden zu einem normalen Leben in der Gesellschaft zurück. Doch der Übergang ist schwer, und die Versuchungen lauern an der nächsten Ecke…

Begeistert hörte die Leiterin dieses privaten Hilfswerkes uns zu, als wir unsere Einladung aussprachen. "Fünf Tage mit Jeeps durch die Wüste" sagte sie erstaunt. "Und es kostet nichts? Das hört sich ja an wie im Traum! Wir werden euch sechs junge Leute senden, die unbedingt einmal aus der Großstadt herausmüssen, und denen ein solch befreiendes Erlebnis ganz besonders gut tun würde".

Ein "freundlich gesinnter" Beamter aus der Aravagegend, in der unser Konvoi sich befindet, sandte Warnungen an das "Ha-Shanti-House". Der Inhalt dieser Gespräche, die dazu führen sollten, unser Projekt zu bremsen, ist uns im großen Ganzen unbekannt. Aus Tel Aviv kam folgender Bescheid: "Die sechs Jugendlichen kommen nicht!"

Unsere großen Jungens und Mädchen mit ihren Helfern setzten jedoch unverzagt ihre Vorbereitungsarbeiten weiter fort. "Die jungen Leute aus Tel Aviv werden kommen!" sagten sie. Und sie hatten Recht! Als "die sechs" ins Camp gefahren kamen, waren aus ihnen "sieben" geworden. Und als diese sieben nach dem ersten Tag begeistert in Tel Aviv anriefen, kam ein paar Stunden später die Anfrage: Können wir noch drei weitere Jugendliche schicken?" Als diese eintrafen, waren daraus vier geworden…

Die Expedition endete mit einem "Badetag" in Eilat. Am gleichen Abend sollte der Abschied stattfinden. Die jungen Leute versteckten sich jedoch im Dunkeln, denn sie wollten nicht in den wartenden Bus einsteigen. Der farbige Henoch aus Äthiopien kam vier Mal zu mir, um sich zu verabschieden. Vor drei Jahren hatte er beide Elternteile verloren, als diese vor seinen Augen mit einem Dschungelmesser niedergemetzelt wurden. Nun lag er mit seinem schwarzlockigen Haar an meiner Schulter und weinte. Als ich ihm mit der Hand übers Haar streichelte, fühlte es sich an wie die Wolle eines Lammes. Es fiel mir schwer, die Tränen zurückzuhalten. War dies der Anfang eines sich fortsetzenden Dienstes unter den am Rande der Gesellschaft stehenden jungen Juden?