Tagesjournal - von Johny Noer
www.noer.info
2004-08-15

Journal: Das Tier
Nr. 3

Die "Götzenbibel der EU"

"Kein Land in Europa sollte sich erdreisten, nein zur Verfassung zu sagen." Solche Töne sind aus Strassburg zu vernehmen, und es wird hinzugefügt: "Ein Nein zur Verfassung bedeutet, sich von der EU zu verabschieden…" (Frankfurter Allgemeine 21. April 2004).

Derartig drohende Bemerkungen sind bereits gefallen! Bei einer solchen Beanstandung besteht der begründete Verdacht, dass der Artikel fünf, Abschnitt zwei in der Verfassung angewendet werden kann: "Die Mitgliedsstaaten sollen eine jegliche Maßnahme unterlassen, die die Verwirklichung der in der Verfassung gesetzten Ziele gefährden könnten. (Betr.: "Die Union und sein Ziel")

Mit anderen Worten: "Diejenigen, die sich dem Verfassungsvorschlag widersetzen (dabei geht es ja hier nur um einen "Vorschlag") können mit dem Rausschmiss "bestraft" oder "belohnt" werden - und selbst der Verfassungstext warnt vor "Maßnahmen, die das Ziel der Verfassung in Gefahr bringen können".

Das "Uneinwendbare" erhebt sich. Ein Götzenbild von Format, das keinen Widerspruch duldet, und das zum ‚guten' Schluss einen derartigen Gehorsam fordert, dass "jede Maßnahme", die sich ihm hindernd in den Weg stellt, verboten ist.

Während Europa die Nachwirkungen zu spüren bekommt, die mit dem "Verfassungsstreit" des Neuen Europas einhergehen, so erwachen die Worte der jüdischen Propheten zu neuem Leben. Ihre Warnungen tauchen in der Dämmerung auf. Man sollte ihre präzise Aussage über "die Bildsäule" sehr wohl zur Kenntnis nehmen.

Es ist nämlich nicht nur der Prophet Daniel, der über den furchtbaren Alptraum des babylonischen Königs beunruhigt ist, sondern auch Jesaja, der Messias-Verkünder, hat in dieser Beziehung ein Wort zu sagen.

" Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Ruft er warnend und fährt fort: "Oder was für ein Abbild wollt ihr von ihm machen? (40:18). Und das ist nicht zuviel gesagt! Die EU-Bildsäule hat fast eine göttliche Identität. Sie nimmt langsam die Form eines Götzen an. Sie verlangt Opfer, fordert Unterwerfung, verlangt Anbetung, ist im Besitz einer eigenen "Priesterschaft" und hat ihre eigenen "Heiligtümer". Sie bestimmt, was recht und unrecht ist, segnet und verbannt, belohnt und bestraft. Sie duldet keinen anderen Gott an ihrer Seite. In diesen Tagen wird den Völkern diese "EU-Götzenbibel" vorgelegt: Die Verfassung! Die "Heilige Schrift" der Bildsäule…

"Ein Bild", fährt der Prophet Jesaja fort, und in seinen Worten liegt etwas Mahnendes, ja Unheil Verkündendes, "es wird von einem Meister gegossen, und der Goldschmied vergoldet's und macht silberne Ketten daraus" (Vers 19). Die politischen "Handwerker" haben in diesen Tagen viel zu tun! Sie sollen mit ihren Worten die "EU-Bildsäule" vergolden! Überredungskünstler sind in ihrem Element, um den europäischen Völkern klarzumachen, dass es sich "bezahlt macht", dem Verlangen des Giganten nachzugeben. Die besten "Goldschmiede" des Landes sind damit beschäftigt, alle möglichen Versprechungen im Glanz erscheinen zu lassen. Wie der dänische Dichter H.C. Andersen in seinem Abenteuer: "Des Kaisers neue Kleider", sind sie nun dabei, letzte Hand an das Werk zu legen. Man gibt vor, dass die prangenden, vergoldeten Kleider wirklich existieren. Die Betrüger haben es eilig die Leute zu überzeugen, dass die kaiserliche Statue nun mit Mantel, Stock und Hut eingekleidet wird. Unter den vielen Völkern gibt es jedoch eine einfältige Schar, die in dieser vornehmen Gesellschaft keine besondere Beachtung findet. Sie besteht aus den Gläubigen Europas. Als der Kaiser vorbeigeht, rufen sie in ihrer Unschuld und ihrer einfachen Art, die Dinge zu sehen: "Ja, aber er hat ja nichts an!" Und das Wort verbreitet sich; es bekommt sozusagen Flügel. Es wird übers Land und übers Meer getragen bis hin zu den Städten und Dörfern. Es kriecht durch ein Netzwerk von Gängen und Korridoren, hinein in alle Häuser: "Ja, aber er hat ja nichts an!"