DAS MALZEICHEN DES EU-UNGEHEUERS
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 26

Kaiser Wilhelms ‚Dutzend’ hatte sich zusammen mit Tausenden der freigegebenen Gefangenen an der für den neuen Babelsturm vorgesehenen Ort im Zentrum Babylons versammelt. Überall standen Sicherheitsbeamte und beobachteten jede Bewegung in der Volksschar. Die Zwölf, die nun alle in Zivil gekleidet waren, rückten bei den Palastgärten zusammen. Hier standen sie unter dem ‚Schutz’ des EU-Leutnants.

„Sollen wir unseren alten Treffpunkt besuchen?" schlug Jack vor.

Ursula nickte. „Es sieht so aus, als ob unsere dramatischen Erlebnisse in Babylon noch nicht zu Ende sind. Keiner von uns weiß, wie dieser Tag enden wird."

Die Zwei spazierten durch den Palastgarten.

„Hier hast du mich ‚gefangen’", sagte Jack, als sie an einem grünen Flecken in der Nähe eines kleinen Sees vorbeikamen.

„Ja, und hier entdeckte ich, dass du ‚ein echter Bodyguard’ warst", sagte Ursula ernst, indem sie – wie bei ihrer ersten Begegnung – die Pistole unter seiner Jacke berührte…

„Willst du mich heiraten?" fragte Jack lächelnd.

„Nicht damit!" Ursula zeigte auf Jacks Pistole…

Jack zog seine Jacke aus, löste den Pistolengürtel und warf ihn in den See.

„Willst du meine Frau werden?"

Ursula schwieg. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Du hast einen Menschen umgebracht!" flüsterte sie.

„Das war Selbstverteidigung! Wenn ich es nicht getan hätte, wären weder ich noch Mr. and Mrs. Jones heute hier."

„Ich liebe dich, Jack, doch das Blut schreit von der Erde. Selbst dieser Tag kann blutig enden. Es muss erst etwas mit dir geschehen, bevor wir wirklich eins sein können…"

„Was soll mit mir geschehen?" fragte Jack.

„Das, was mit deiner Geisel geschehen ist. Als er von eurem gemeinsamen ‚Ausflug’ zurückkam, war er ein verwandelter Mann; doch du bist der gleiche geblieben!" Ursula schwieg. Dann legte sie ihre Arme um Jacks Hals. „Deine Geisel hat offen vor vielen Menschen bekannt, dass er eine Begegnung mit Ihm hatte…" Ursula deutete zum Himmel. „An dem Tag, an dem du das gleiche sagen kannst, möchte ich dich gerne heiraten…"

Als die beiden wieder zu ihrer Gruppe stießen, waren die Spannungen gestiegen. Man hatte die Sicherheitskräfte verstärkt und mehrere Absperrungen vorgenommen. „Irgendetwas ist am Brodeln", wiederholte der Gefängniskommandant immer wieder…Doch was sich da zusammenbraute, wusste niemand. Er betrachtete die Gesichter der ehemaligen Insassen. „Es ist nicht mit ihnen zu spaßen."

Jack wandte sich gleich an Mr. Clark. „Was haben Sie dort in der Wüste erlebt?"

„Das wissen Sie doch selbst am besten, Jack", antwortete der Präsident lächelnd. „Sie haben mich mit dem Fallschirm abgeworfen und einer Banditenbande ‚anvertraut’…"

„Das meine ich nicht damit", antwortete Jack betrübt. „Es tut mir aufrichtig leid, was ich da getan habe, ich möchte Sie dafür um Vergebung bitten!"

Mr. Clark erhob sich. „Kommen Sie, wir wollen uns ein wenig unterhalten…"

Ursula sah den beiden Männern nach, als sie langsam auf die Palastgärten zugingen. Sie sah, wie Mr. Clark seinen Arm um die Schulter des jungen Mannes legte. Plötzlich merkte sie, dass sich ihr ein Arm um die Schulter legte. Sie drehte sich um und schaute in Antoinettes lächelnde Augen…

*

Die Freigelassenen sammelten sich in immer größeren Scharen. Etliche hatten Pastor Jones wieder erkannt und schlossen einen Kreis um ihn und der übrigen Gruppe. Es war deutlich zu spüren, dass sie sich nach einem Leiter sehnten. Einer, der zu ihnen sprechen konnte. Pastor Jones suchte den Chef der Sicherheitstruppen auf. Er erklärte ihm, dass ‚eine friedliche Demonstration stattfinden würde’. „Lassen Sie mich zu den vielen entlassenen Gefangenen sprechen. Ich möchte sie auffordern, ihr Vorhaben in Ruhe und Ordnung durchzuführen."

Der Sicherheitschef sah voraus, dass es schwierig sein würde, eine solch große Menge in Schach zu halten. Nachdem er sich mit seinem Hauptquartier beratschlagt hatte, sagte er: „Wenn alle Handwaffen abgeliefert werden, können wir Ihnen dafür eine Genehmigung erteilen." Jack, der das Gespräch mit angehört hatte, nickte eifrig. Er öffnete seine Jacke und rief: „Selbstverständlich! Alle Handwaffen sollen abgeliefert werden!" Jan starrte ihn erstaunt an. Ursula lächelte…

Pastor Jones erhob sich und stellte sich auf eine Bank. Er begann zu sprechen. Seine Stimme war deutlich über den ganzen Platz zu vernehmen, wo die Vorbereitungen zur Grundsteinlegung des neuen Babelsturm abgeschlossen waren. Die Polizei in dunklen Kampfuniformen folgte in einigem Abstand der Entwicklung. Hunderte und abermals hunderte von Männern hatten sich um den Pastor versammelt. Die internationalen Kamerateams, die dem Arrangement des 11. Septembers folgen sollten, waren bereits zur Stelle. Wieder hörte die ganze Welt dem Mann zu, der erst vor kurzem im Straßburger Babelsturm gesprochen hatte. Dieses Mal hatte er kein Mikrophon und keinen Lautsprecher; die Situation erinnerte eher an Volksversammlungen, die einem geschwundenen Zeitalter angehörten. Auf dem großen, offenen Platz herrschte vollkommene Ruhe. Die Angesichter, die dem Redner zugewandt waren, zeugten von Schmerz und Leid. Der Alptraum der Verfolgung war in den Augen der vielen tausend Männer zu lesen, die nun aufmerksam den Worten ihres Pastors folgten. Der Großteil dieser ‚politischen Gefangenen’ hatten aufgrund ihres Glauben im Gefängnis gesessen; deshalb verstanden die meisten die Sprache, die der Jeffrey J. benutzte. Sie nickten anerkennend, wenn er ein Wort aus der Bibel zitierte.

„Das Neue Testament spricht über Babylon", begann Pastor Jones. „Obwohl die Staatsmänner der ganzen Welt sich heute in dieser Stadt versammeln, warnt die Bibel vor diesem Ort. Ich lese, was darüber in der Heiligen Schrift steht." Pastor Jones nahm eine verschlissene Bibel zur Hand und las mit lauter Stimme: ‚Ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an von ihren Plagen empfangt’! Bald startet auf der anderen Seite des Babelstors eine Prozession, um nach Babylon hineinzukommen. An diesem 11. September ist sie auf dem Weg, um den Grundstein zu dem Turm zu legen, der von der weltweiten Rebellion gegen Gott zeugt."

Schweigend sah er sich um. Die vielen zerfurchten Gesichter Jüngerer und Älterer waren voller Erwartung auf ihn gerichtet. „Doch Sie sind heute alle Zeuge dessen, dass wir nicht zu dieser Prozession gehören, die nun sorglos unter Jubel und festlichen Klängen nach Babylon einzieht. Sie haben an diesem Tag ein Wort vom Himmel gehört, das sagt: „Geht aus Babylon heraus, mein Volk!"

Aus der großen Schar war ein gedämpftes Murmeln zu hören. Der Polizeichef trat näher, um zuzuhören. Er wollte sichergehen, dass der Geistliche zu einer ‚friedlichen Demonstration’ aufforderte. „Unsere Manifestation bewegt sich nun auf das Babelstor zu. Wir sind unbewaffnet und möchten mit unserem Umzug nur bezeugen, dass wir Babylon und sein ganzes globales System von Verfolgung, Korruption, Lüge, Sünde und Gottlosigkeit verlassen. Wir gehorchen dem Herrn, unseren Gott, der sagt: „Geht aus Babylon heraus mein Volk!"

Der Polizeichef sah den Pastor vielsagend an.

„Um unseren friedlichen Willen zu bekunden, liefern alle ihre Handwaffen hier ab!"

Es kam Bewegung in die Menge. Einzelne schauten misstrauisch auf die bewaffnete Polizei. Dann kamen die ersten nach vorn und legten ihre Pistolen, Messer und andere Waffen auf die Bank.

„Wir werden nun langsam auf das Babelstor zugehen. In den vergangenen Wochen haben die Musiklehrer einem Großteil von Ihnen den Chor aus dem ‚Einzugsmarsch der Gefangenen’ aus der Verdi-Oper ‚Aida’ beigebracht. Bei dieser Gelegenheit werden wir das Musikstück umbenennen. Es wird nicht ‚der Einzugsmarsch der Gefangenen’ heißen, sondern der ‚Auszugsmarsch der Gefangenen". „Geht aus Babylon heraus, mein Volk", spricht der Herr!"

*

Bei diesen Worten setzten sich Tausende in Bewegung. Zu Anfang klang der Gesang wie ein monotones Brummen. Fast wie ein liturgischer Männerchor. Doch nachdem sich die innere Prozessionsallee langsam mit singenden Männern füllte, nahmen die Stimmen an Kraft zu. Der ergreifende Anblick von graubärtigen Alten und jungen, kräftigen Männern, die in würdigem Tempo durch das meterhohe, babylonische Kupfertor schritten, und der Klang der kräftigen Stimmen, die nun – als ob sie Flügel hätten – zum Himmel aufstiegen, wurde Life über den ganzen Erdball gesandt.

„Hiermit sagen wir nein zum Referendum. Wir wollen nicht Teil dieses antichristlichen und antisemitischen Systems sein, das sich nun über die ganze Erde ausbreitet; wir gehen heraus!"

Auf der anderen Seite des Babeltors setzte sich der von der Regierung geplante Umzug in Bewegung. Angeführt vom homosexuellen Bischof, Vizepräsident der EU und Kandidat des Weltpräsidentpostens und gefolgt von den Mächtigen der Welt, steuerte die Prozession auf den Eingang des Babeltors zu. „Die bedrohliche Situation spitzt sich zu", berichteten die Reporter, „bald werden die beiden Prozessionen aufeinander stoßen. Wer weiß, vielleicht findet mitten unter der ‚Höllenpforte’ eine Konfrontation statt. Keiner kann voraussagen, was geschehen wird…"

Niemals zuvor in der Geschichte Babylons hat die uralte Prozessionsallee solch dramatische Gegensätze erlebt. Auf der einen Seite näherte sich die Weltelite, die Bauherren des Babelturms, dem Tor, das nun die Zahl trug, den die Hebräer ‚den Eingang zur Hölle’ bezeichneten, und auf der anderen Seite marschierten Tausende, die Gefangene des Systems gewesen waren, Männer des Leidens und des Schmerzes, die wussten, was Verfolgung bedeutete. Die Menge, die von Babylons Außenmauer versuchte, durch das Tor hinein zu gehen, waren von festlicher Stimmung und herausforderndem Tanz umgeben. Die Schar aus der Mitte Babylons war ein verklärter Umzug singender, armer Männer, die alle die geballte Faust des Systems zu spüren bekommen hatten. Die Bereitschaft der Polizei wuchs mit dem Näher kommen der beiden Prozessionen. Einen Augenblick lang schien alles planmäßig zu verlaufen, bis das Unvorhergesehene geschah.

*

Aus einiger Entfernung beobachtete Bischof Valentin seinen politischen Rivalen, Präsident Clark (der aufgrund so genannter ‚Unregelmäßigkeiten’ in seiner Amtsführung vorübergehend beurlaubt war). Mit sichtbarem Misshagen sah er seinen noch nicht des Amtes enthobenen Chefs an der Spitze der singenden Prozession. Gleichzeitig bemerkte er, wie Unruhe in seinen eigenen Reihen entstand. Man hatte entdeckt, dass der 337. Schlangengott an seinem Platz neben der gespaltenen Marmorplatte, am Sockel des Ishtartors stand. Wie ein Lauffeuer fegte die Nachricht durch die Prozessionsreihen. Einige meinten, grüne Lichtblitze gesehen zu haben, die aus dem Fundament des Tores kamen. Das Tor selbst schien von einem seltsamen Schimmer umgeben zu sein. Der ‚Siegestriumphbogen’ - wie der Bischof es nannte – war wieder zur ‚Höllenpforte’ geworden. „Alle 337 Schlangengötter sind nun an ihrem Platz" riefen die Leute um ihn herum. „Die Zahl ist vollkommen. Um nach Babylon hereinzukommen, müssen wir nun durch eine ‚Höllenpforte’ gehen!"

Der Bischof versuchte, das Volk zu beruhigen. „Unsinn!" schrie er. „Das sind alles Mythen und Legenden! Begreifen Sie denn das nicht? Alles ist nur symbolisch gemeint!"

Von der anderen Seite näherte sich ein mächtiger Männerchor. ‚Der Einzugsmarsch der Sklaven’ war wirklich zu einer ‚Entlassung aus der Gefangenschaft’ geworden!"

In diesem Augenblick brach der Umzug draußen zusammen. Die Teilnehmer flüchteten Hals über Kopf! Niemand hatte das Verlangen, durch ‚das Tor in die Hölle’ zu gehen. Die meisten meinten nun, dass das Licht aus dem Abgrund bereits am Torsockel gesehen werden konnte. In der allgemeinen Verwirrung bemühte sich die Polizei, einen Ring um die Staatschefs und Präsidenten zu bilden, die am Festumzug teilgenommen hatten. Doch nachdem sich ein paar Schüsse gelöst hatten, wurde die Lage vollkommen chaotisch. Der siegreiche Umzug zum ‚Triumphbogen’ hatte sich inzwischen ganz aufgelöst, da Tausende in alle Richtungen geflüchtet waren. Ein fast übernatürliches Grauen hatte das Volk erfasst. Ein vielsprachiger Stimmenwirrwarr erfüllte die Luft. Es herrschte eine wahre babylonische Verwirrung über der ganzen Prozessionsallee, auf der Reliefe und Statuen umgeworfen und Absperrungen durchbrochen wurden. Die Polizei wurde überall überrannt!

*

Von der anderen Seite des Tors wanderte die singende Menge nun durch das kupferne Tor. Die hingerissenen Männerstimmen hallten unter dem mächtigen Portal wider. Ein Freiheitsgesang stieg zum Himmel empor. Etliche Gefangene hatten ihre Jugend- und Jungmännerjahre in Todeslagern und Staatsgefängnissen verbracht. Sie hoben nun ihre Hände zum Himmel empor. Einige weinten vor Freude, andere jubelten und umarmten einander. Ein weißhaariger Gefangener trat aus der Prozession heraus, als er auf die andere Seite des Babeltors gekommen war. Er beugte sein Knie und erhob einen krummen Stab zum Himmel, während ihm die Tränen übers Gesicht liefen. Es war so, als ob sich ‚die Schar der Erlösten’ auf dem Weg nach Zion befand. Ganz Babylon hielt beim Gesang ‚der Erlösten’ den Atem an…

*

In der Verwirrung auf der anderen Seite des Tors behielt der Bischof Pierre Henri Clark im Auge. Er sah den verwandelten Gesichtsausdruck des Präsidenten und bemerkte, dass er sich bei seinem früheren Bodyguard und Geiselnehmer, Jack Robinson, untergehakt hatte. Da immer noch Schüsse über dem Platz zu hören waren, wandte er sich an einen der Sicherheitsbeamten und sagte mit Autorität in der Stimme: „Unser Umzug muss geschützt und unsere Gäste in Sicherheit gebracht werden!"

„Jawohl, Herr Vizepräsident!"

„Um eine Katastrophe zu vermeiden, muss der Leiter der anderen Prozession unschädlich gemacht werden!"

„Jawohl, Herr Vizepräsident!"

„Es ist der ältere Mann links von dem jungen Rebellen, ganz links in der ersten Reihe!"

„Jawohl, Herr Vizepräsident!"

„Haben Sie ihn auf dem Korn?"

„Jawohl, Herr Vizepräsident!"

„Schießen Sie!"

Der junge Polizeioffizier sprach ins Mikrophon. Über Ohrhörer erhielt er eine Antwort auf die von ihm gestellte Frage. Niemand hat danach bestätigen können, welche Antwort er erhielt, da überall auf dem Platz Schreie und ein Getöse zu hören waren, doch ein Schuss hatte sich gelöst. Es war in der Verwirrung schwierig zu sehen, was in der sich nähernden Prozession geschah.

*

Jack Robinsons geübtes Auge sah klar, dass der herrschende Fluchtzustand Gefahren mit sich brachte. Sein alter Job als ‚Leibwache des Präsidenten’ lag ihm im Blut. Er bemühte sich, Mr. Clark aus der Frontlinie zu bringen. Plötzlich sah er, wie einer der Polizeischarfschützen sein Gewehr erhob und es auf den Präsidenten richtete. Nach alter Gewohnheit griff er nach seiner Pistole, aber sie war weg. Sie lag auf dem Grund des Sees im Palastpark. Wie er es viele Male gelernt und trainiert hatte, warf er sich vor Mr. Clark, um den Schuss abzufangen. Der Präsident sah verzweifelt, dass Jack blutend auf den Boden sackte. Ursula warf sich weinend über ihn. Kaiser Wilhelm kam herbeigelaufen und brachte die leblose Gestalt in seinen Jeep.

*

Die Grundsteinlegung wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die offiziellen Teilnehmer, die noch unter Schock standen, hatten sich in Nebukadnezars altem Palastgebäude versammelt, wo ein Teil der Endwand abgerissen war. „Aufgrund eines geplanten Umbaus", wurde ihnen erklärt. Doch einige wussten, was auf der Wand geschrieben stand. Sie teilten es den anderen Versammelten flüsternd mit…

*

Die Geschichte der Grundsteinlegung des Babelturms in Babylon machte weltweit die Runde. „Sie wird der am 27. September stattfindenden Wahl einer neuen Konstitution schaden", befürchteten Experten. Meinungsumfragen zeigten, dass danach viele nein zur globalen Verfassung sagen werden. Enttäuscht und mutlos verließen die hohen, geladenen Gäste Babylon…

*

Doch in dem kleinen aus fünf Fahrzeugen bestehenden Konvoi, der in Richtung Arava unterwegs war, herrschte Fröhlichkeit. Jack Robinson hatte einen riesigen Verband über seiner linken Schulter. „Dem Herzen am nächsten", sagte er scherzend zu Präsident Clark.

Ursula horchte interessiert auf: „Dem Herzen am nächsten?" fragte sie neugierig. „Was bedeutet das?"

„Ein privater Scherz!" antwortete Jack.

„Aber was bedeutet es? Dem Herzen am nächsten?" wollte Ursula wissen.

„Das bist du", flüsterte Jack lächelnd.

„Du bist nicht nur meinem Herzen am nächsten, du bist in meinem Herzen. Willst du mich nicht heiraten?"

„Doch, vielleicht…" antwortete sie und senkte den Kopf.

*

Am nächsten Tag schlugen sie ihr Camp neben einem kleinen Wasserloch in der Wüste auf. „Hier gibt es Wasser", sagte Jack an John Williams gewandt. „Was hindert mich daran, getauft zu werden?"

„Bist du dir dessen bewusst, dass vor 2000 Jahren ein äthiopischer Finanzminister an einem solchen Wasserloch in der Wüste vorbeikam und genau die gleiche Frage gestellt hat wie du heute?"

„Nein", antwortete Jack. „Welche Antwort bekam er auf seine Frage?"

John Williams öffnete seine Bibel und las: „Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, kann es geschehen!"

„Und was antwortete der Finanzminister?"

„Er antwortete: ‚Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist!"

„Das glaube ich auch!" erklärte Jack.

„Und ich!" unterbrach Mr. Clark. „Wenn ein Finanzminister mit einem solchen Bekenntnis kommen kann, dann kann ich es wohl auch…"

Bevor der Konvoi sich wieder in Bewegung setzte, war das Unglaubliche geschehen. Geisel und Geiselnehmer waren im gleichen Wasserloch, nicht weit vom biblischen Tamar entfernt, in der Arava Wüste, getauft worden.

Unterwegs ging Kaiser Wilhelm einen sonderbaren Handel ein. Von einem umherziehenden Beduinen kaufte er 15 Kamele und 10 Esel. In einer Reihe zusammen an den Jeep gebunden fuhr er mit seiner Errungenschaft langsam zu Machmets Zelten. „Ich habe einen Handel mit Saras Vater abzuschließen", erklärte er…

Alle lachten und Jan rief: „Ich habe eine Einladung für unsere ganze Kompanie. Er sah Antoinette an. „Wir möchten Euch gerne zu unserer Hochzeit einladen!"

„Danke, vielen Dank!" Die Glückwünsche strömten ihnen nur so entgegen.

Jack sah Ursula an, die sich lächelnd an ihn lehnte.

„Daraus wird eine Doppelhochzeit" rief er.

Die Glückwünsche ‚prasselten’ nur so nieder.

Eine dreifache Hochzeit!" rief der Kaiser und zog Sara an sich. „Ich glaube, dass ich heute Abend einen guten Handel abgeschlossen habe."

*

Über der klingenden Silberlandschaft herrschte eine erwartungsvolle Mondstille. Ein Jeep mit einem seltsam anmutenden Esel- und Kamelgespann bewegte sich auf das leuchtende Wüstenzelt zu. Der von Sternen beschienene, weiße Bergrücken verlieh der Nacht eine ganz besondere Atmosphäre. Jetzt waren es nur noch wenige Tage bis die Völker dort draußen über ihr eigenes Schicksal entschieden….

„Ihre Zeit ist nun ausgelaufen", sagte der Kaiser beiläufig und zog seine 48-stündige Fristankündigung aus der Tasche. „Aber es sind keine neuen Anweisungen aus Jerusalem gekommen, und deshalb bleibt das Zelt stehen…"

John Williams nickte stumm. Virginia nahm ihn sanft bei der der Hand.

„Es sieht so aus, als ob irgendjemand die Hand über euch hält", bemerkte der Kaiser, während er sein Schreiben wieder zusammenfaltete und wegsteckte.

„Ja", antwortete Virginia; „Es gibt Jemand, der die Hand über uns hält …"