DAS MALZEICHEN DES EU-UNGEHEUERS
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 24

In Babylon wurde der 25. Mai zu einem Tag der Überraschung! Innerhalb von zwei Tagen besuchten 80.000 Menschen die Ausstellung der konkurrierenden, architektonischen Modelle für einen neuen Babelsturm. Sechs internationale Designerteams kämpften um den ersten Platz. Am Schluss waren es nur noch zwei Teams, die darauf hoffen konnten zu gewinnen. Das Team Nr.5, eine Gruppe in Babylon ansässiger, junger Architekten. Nr. 6 war ein Brüsseler Architekt, ein Avantgarde Designer, der dafür bekannt war, dass er ‚den halbfertigen EU-Babelsturm’ in Strassburg bewunderte. Den jungen Babylon-Designern war es zusammen mit japanischen Landschaftsarchitekten gelungen, die berühmten Hängenden Gärten als offene Terrassen anzulegen, die sich kühn gegen den Himmel erhoben. Ihr Turm war wie ein junger, blühender Baum, dem es möglich schien, die Sterne zu erreichen. ‚Team Nr.6’ folgte dem berühmten Gemälde von Pieter Brueghels: ‚Der Babelsturm’, der bereits durch den Bau des Parlamentsgebäudes in Strassburg einen ersten Sieg errungen hatte. Er war 1.666 Fuß hoch und ließ durch seine Mittelaltervorstellung des ‚Unvollendeten’ einen inneren – fast aufrührerischen Drang aufkommen, das Werk fertig stellen zu wollen. Aufgrund seiner massiven, runden Form bot der Turm die Möglichkeit, alle für ein Weltzentrum erforderlichen Einrichtungen in die Tat umzusetzen.

Beim Kampf zwischen den beiden Finalisten ging es um das kurzzeitig Blühende, das Schöne, zum Himmel Strebende und das Runde, Solide und Praktische, das bereits einmal gebaut aber niemals fertig gestellt worden war… Der Kampf hinter den Kulissen war zäh. Es schien an diesem 25. Mai, dass Team Nr. 6 den Sieg davontragen würde! Deshalb war die Überraschung groß, als am Ende des Tages mitgeteilt wurde, dass das Richterkomitee keine Einigkeit erringen konnte! Die Reaktionen der bewegten Diskussionsrunden im ‚Straßburger Babelsturm’ hatten bewirkt, dass Bedenken darüber geäußert wurden, der Idee des mittelalterlichen Gemäldes zu folgen. „Der dramatische Ausgang der Debatte im Parlamentssaal hat dazu geführt, dass die ganze Welt Vergleiche zwischen dem biblischen Babelsturm und dieser modernen Konstruktion anstellt", hieß es in einer kurzen Pressemitteilung des Expertenkomitees. „Ja, aus allen Erdteilen liefen Warnungen ein, dass Gott den auf der Großleinwand in Straßburg gezeigten Turm zerstören wird, sollte dieser in Babylon gebaut werden."

Aus diesem Grund wurde die Entscheidung auf ein späteres Dato verschoben. Demzufolge war auch die für den 11. September geplante Grundsteinlegung ein unsicheres Unterfangen. Niemand wusste, wie der neue Babelsturm aussehen würde. Was hinderte die Beteiligten daran, ihren Plan auszuführen? Wer oder was hielt sie zurück…?

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Ein britischer Journalist verbreitete als erster die Nachricht über die gegen Israel geäußerten Drohungen. Einige Reporter, die sich in Babylon aufhielten, hatten folgende Mitteilung des Weltaußenministeriums aufgefangen: „Ein Blitzangriff auf Israel gehört nicht allein der Vergangenheit an! Er kann jederzeit stattfinden. Die augenblickliche Situation muss als bitterernst angesehen werden! 24 Langstreckenbomber stehen in Basen bereit; sie können Israel innerhalb weniger Stunden erreichen. 2.900 Männer sind einsatzbereit, sollte es zu einer Eskalation auf dem Tempelplatz kommen. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den im Wüstengebiet liegenden Kernreaktor, sowie die mit Plutonium- und Uranium geladenen Brennstofflager. Die diplomatischen Beziehungen gestalten sich schwieriger als vor dem Gogkrieg. Die rote Linie in Bezug auf einen militärischen Angriff verwischt sich immer mehr. Der mit Worten geführte Krieg wird immer bitterer. Eine Krise von übergeordneter Dimension nähert sich! Analytiker meinen, dass Israel in den ersten Tagen seine Raketen testen will. „Alles Mögliche kann passieren", hieß es aus Babylon, Brüssel und Washington, „dieser furchtbaren Tatsache muss ins Auge gesehen werden…"

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Keiner wusste, weshalb dem EU-Vizepräsident soviel daran gelegen war, das alte Babelstor in Berlin zu belassen. „Es soll nicht an Babylon übergeben werden. Es ist heute eins von Europas wertvollsten Museumskleinodien. Die von deutschen Archäologen erbrachte Leistung, dieses uralte Tor wiederherzustellen, soll nun nicht von einigen Politikern geschmälert werden…" Damit spielte er deutlich auf Präsident Pierre Henri Clark an, der sich dafür eingesetzt hatte, das berühmte, meterhohe, mit Löwen und Drachen geschmückte Tor nach Babylon zurückzubringen. „Wir sollten dies berühmte Tor bei der Grundsteinlegung des neuen Babelsturms am 11. September der alten persischen Hauptstadt als Geschenk überreichen", erklärte er.

Das Tor, das seinerzeit am Ende der babylonischen Prozessionsallee stand, war mit 337 Schlangenköpfen geziert, wobei der hebräische Zahlenwert ‚Hölle’

bedeutet. Durch dieses Tor wurden die jüdischen Sklaven nach Babylon gebracht, um sie mit den babylonischen Göttern vertraut zu machen. Deshalb wurde dieses monumentale Portal ‚das Tor zur Hölle’ oder ‚ Höllenpforte" genannt!

Vizepräsident J. Edwards legte einen sonderbaren, ja fast rätselhaften Eifer an den Tag bei seiner Entscheidung, dieses babylonische Museumsstück in Europa zu belassen!

„Es darf unter keinen Umständen aus Berlin entfernt werden" sagte er erregt. „Sollte dies geschehen, dann nur über meine Leiche!" Einige wunderten sich über diesen starken Ausdruck: ‚Nur über meine Leiche’!

„Das Babylontor ist als ein gestohlenes, archäologisches Stück zu betrachten", erklärte der Präsident. „Um Babylon aufbauen zu können, ist dieses Portal nun von großem Wert. Wer will schon ‚das Tor zur Hölle’ auf europäischem Boden stehen haben? Das Tor soll dahin zurückgebracht werden, wo es hingehört…"

Die meisten fanden das letzte Argument am stärksten. Das Interesse an Museumsstücken war im Übrigen nicht sehr groß… Deshalb begann man im Berliner Museum mit dem Sammeln und Einpacken der vielen originalen Steine und Statuen, Friesen und bunten Reliefen, die zur langen Prozessionsallee gehörten. John Edwards wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass man am nächsten Morgen um 06.00 Uhr mit der Demontierung des großen Portals Uhr beginnen würde. Er gab Bescheid, dass er sich die bestehende Aufstellung noch am gleichen Abend nach Museumsschluss ansehen wolle. „Denn am frühen Abend habe ich noch ein wichtiges Treffen. Deshalb kann ich erst gegen Mitternacht da sein."

„Das ist in Ordnung, Herr Vizepräsident. Wir sorgen dafür, dass die Türen geöffnet werden. Das Museum weiß ihren Einsatz zu schätzen, den Sie im Hinblick auf die Bewahrung des unschätzbaren Babylontors hier in Berlin gezeigt haben. Wir haben dafür Verständnis, dass Sie persönlich von diesem Altzeitmeisterwerk Abschied nehmen möchten."

Als der Vizepräsident am gleichen Abend ankam, wurde er vom Museumsdirektor in Empfang genommen. John Edwards erkundigte sich persönlich nach dem Transport dieses kostbaren historischen Materials. Er traf einige Vorkehrungen um sicherzustellen, dass das Tor in den folgenden Tagen vorsichtig ‚zerlegt’ und sorgfältig verpackt würde, um danach zum internationalen Berliner Flughafen gebracht zu werden. Von hier aus sollten die riesigen Transportkisten mit Militärtransportmaschinen nach Babylon geflogen werden. Ihm wurde gezeigt, wie jedes Bauteil nach Nummern geordnet wurde. Auch erhielt er genaue Informationen über die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen, damit das Babylontor unbeschädigt wieder an seinen alten Platz zurückgebracht werden konnte. Der Vizepräsident machte sich keine Notizen; stattdessen nahm er alle Einzelheiten auf seinem Digitaldiktaphon auf.

Zum Schluss bat J. Edwards um Erlaubnis, das Tor noch einmal sehen zu dürfen. „Ich brauche keine weiteren Erklärungen. Ich möchte nur ein paar Minuten…dabei sah er auf seine Uhr, „ja, es tut mir leid, Herr Direktor, dass es schon so spät ist. Es ist ja bald Mitternacht! Doch ich möchte gerne allein und ganz persönlich von diesem wohlerhaltenen Originalwerk Abschied nehmen, das wir der unermüdlichen Arbeit der Deutsch-Orientalischen Gesellschaft zu verdanken haben."

„Natürlich, Herr Vizepräsident. Nehmen Sie sich nur Zeit!"

„Es kann nur kurz sein, da mein Flugzeug nach Brüssel mich kurz nach Mitternacht erwartet. Doch diese paar Minuten möchte ich nicht missen…"

Die Türen zur Abteilung mit der babylonischen Prozessionsallee und dem großen Ishtartor wurden geöffnet. Der Vizepräsident ging langsam die mit Löwen bestückte Allee entlang, bis zum 12 Meter hohen Portal. Als er durch den Torbogen ging, schlug die Uhr gerade zwölf. Das Personal wartete bis zwanzig Minuten nach Mitternacht auf den Vizepräsidenten. Dann ging der Direktor persönlich um nachzusehen, warum Mr. Edwards noch nicht zurückgekehrt war. Auf der anderen Seite des Ishtartors sah er die leblose Gestalt John Edwards mit dem Kopf an einen der ‚shirrush’ genannten Reliefdrachen gelehnt. Ein herbeieilender Arzt konstatierte seinen Tod…

*

Kaiser Wilhelm war sich bewusst, dass die 48-Stunden Frist für John Williams und seine Familie bald abgelaufen war. Er stand weiterhin mit Jerusalem in Verbindung. Adolf Engels, der eine geeignete Gelegenheit sah, dem weißhaarigen Wüstenbewohner noch weitere Informationen zu entlocken, ließ den Kaiser wissen, dass nur noch die israelischen Behörden seine Deportation verhindern konnten. „Sie haben in dieser Angelegenheit das letzte Wort", teilte er mit. „Wenn wir nicht in ein paar Stunden eingreifen sollen, dann muss John Williams ein Argument vorlegen, das die Israelis verstehen können."

„Ja, aber das hat er doch schon getan", antwortete ihm der Kaiser, der eine Machtanwendung verhindern wollte. „Er hat ja bereits den Code geschickt, den die Juden verstehen werden!"

„Das ist nicht genug." Adolf Engels saß mit dem rätselhaften Bibeltext in der Hand. „Dazu gehört mehr! John Williams muss ihnen weitere Auskünfte geben. Etwas, was die israelischen Behörden verstehen können. Wenn nicht, werden wir in ein paar Stunden tätig werden!"

Adolf Engels legte den kurzen Bescheid von John Williams wieder in die Schublade. „Die Juden werden es verstehen", hatte der Däne gesagt, „aber da gibt es nicht viel zu verstehen", murmelte der Polizeichef; „er muss weg, doch erst will ich ein wenig mehr darüber in Erfahrung bringen, weshalb er sich gerade an dem Ort aufhält." Er öffnete wieder die Schublade und nahm die kleine Notiz mit dem Bibelhinweis zur Hand: ‚Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, von dir weg umzukehren! Denn wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo du bleibst, da bleich auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will ich auch sterben, und dort will ich begraben werden. So soll mir der Herr tun und so hinzufügen - nur der Tod soll mich und dich scheiden!" (Ruth 1:16-17).

„Er wird selbstverständlich gezwungen sein, umzukehren", sagte Adolf Engels zu sich selbst. „Zurück nach Dänemark mit ihm! Dort kann er begraben werden! Was macht er denn eigentlich in dieser öden Wüste? Das Ganze ist von Geheimnis umwittert! Er steckt mit Mördern unter einer Decke!" Wieder warf er das Papier in die Schublade. „Einen solchen Bibelhinweis kann ich den israelischen Behörden nicht geben; sie müssen glauben, ich sei verrückt geworden…"

Er nahm den Telefonhörer. „Tot!" rief er überrascht aus. „Der Vizepräsident ist tot? Ein Mord, sagen Sie? Das ist doch unglaublich! Und sein Nachfolger wird...? Wen sagen Sie? Bischof Valentin? Der homosexuelle Bischof? Unglaublich! Womit soll das enden? Ja, ich habe zurzeit eine Sache laufen, mit Leuten, die vom Weltuntergang reden. Ich glaube fast, dass sie Recht haben. Ja, ich verstehe. Danke für die Auskunft!"

Adolf Engels legte langsam den Telefonhörer auf. ‚John Edwards tot? Ein Mord? Wer hat ihn denn wohl umgebracht? Sicher haben die Fundamentalisten dabei ihre Finger mit im Spiel gehabt. Sie haben den Vizepräsidenten ermordet! John Williams ist einer von ihnen! Was macht er dort in der Wüste? Das Ganze hängt irgendwie zusammen: Bozra, Berlin, Babylon! Hier liegt die Lösung des Rätsels!

Es fiel Kaiser Wilhelm schwer, die 48-stündige Frist gegenüber John Williams einzuhalten. Ihn zu entfernen. Am gleichen Abend war er bei Machmet zum Essen eingeladen. Sara überbrachte ihm die Einladung. Die dänische Familie war ebenfalls bei der Beduinenfamilie zu Gast.

Die breiten, farbigen Strohteppiche waren im Sand ausgebreitet. Wie eine Großfamilie saß die kleine Schar Wüstenbewohner vergnügt zusammen. Über ihnen funkelten die Sterne. Auf den Teppichen standen kleine Schälchen mit Gewürzen, Kräutern und Humus. An den Ecken hatte man Fackeln und Laternen aufgestellt, die ein flackerndes, warmes Licht verbreiteten. Alle saßen auf Kissen, auf denen die Omarmoschee des Tempelplatzes abgebildet war. Die Frauen standen in einiger Entfernung, oder waren beim Feuer am runden Ofen, auf dem pfannkuchenähnliches Pizzabrot gebacken wurde. Die kleinen Töchter bedienten die Gäste. Sie waren ein wenig nervös und ängstlich, etwas verkehrt zu machen.

Die großen Schüsseln waren mit Reis und Hähnchen gefüllt, die man in der Erde gebacken hatte. Ringsherum waren viele Sprachen zu hören: arabisch und hebräisch, französisch, dänisch, deutsch und englisch. Sara bediente den Kaiser, der zur Feier des Tages seine Uniformjacke ausgezogen hatte, und in Hemdsärmeln dasaß. Das sah ihm eigentlich gar nicht ähnlich. Man hatte Mühe, ihn mit ‚Leutnant’ anzusprechen. Doch Sara gebrauchte nur diese Bezeichnung. „Möchte der Herr Leutnant noch etwas Reis und Hähnchen?" Oder: „Möchte der Herr Leutnant noch etwas zu trinken?" Bei der Art und Weise, wie Sara ihn ‚Leutnant’ nannte, war Kaiser Wilhelm dabei, seine Fassung zu verlieren. Es fiel ihm schwer, auf den Kissen zu sitzen. Die Frauen im Hintergrund lachten, wenn er versuchte, sein Gleichgewicht zu behalten. Doch Sara lachte nicht. Sie half ihm, damit er bequemer sitzen konnte. „Möchte der Herr Leutnant etwas mehr Salat?" fragte sie und berührte ihn dabei leicht am Hemdärmel. Es traf ihn wie ein elektrischer Schock; die Kissen rutschten ihm dabei wieder zur Seite. Die Frauen lachten abermals, schwiegen aber, als Sara sie streng ansah. Dem Kaiser wurden wieder einige Kissen untergeschoben. Er aß mehr als er konnte; es war deutlich zu erkennen, dass die Bedienung seinen Appetit anregte…

„Die 48 Stunden laufen aus", sagte der Kaiser betrübt. „Und dann muss ich Sie gewaltsam entfernen!"

„Dann müssen Sie aber erst wieder Ihre Uniformjacke anhaben."

„Ja, dann muss ich die EU-Uniform anziehen", seufzte der Kaiser und fuhr fort: „Haben Sie nichts weiteres zu Ihrer Verteidigung vorzubringen? Etwas, was die Juden verstehe? Mein Chef in Jerusalem versteht kein Wort von dem Bescheid, den sie ihm haben zukommen lassen. Doch die Juden verstehen das, was Sie ihnen aus der Bibel sagen. Sie sind es, die in dieser Angelegenheit entscheiden…"

John Williams überlegte einen Augenblick. Dann sagte er: „Sagen Sie Ihrem Chef, dass er den Juden den Bescheid senden soll, dass ‚der König aus Bozra kommt’. Er soll ihnen sagen, dass ich hierher gekommen bin, um bekannt zu geben, dass „Ihm in der Wüste ein Weg bereitet werden soll!"

„Werden die Juden das verstehen?"

„Nicht alle! Doch einige werden es verstehen und entsprechend handeln…"

„Und dann brauche ich nicht Ihr Zelt abzubauen und Sie zum Verlassen des Ortes zu zwingen?"

„Nein, dann brauchen Sie mich nicht gewaltsam zu entfernen."

Der Kaiser erhob sich und sah auf die Uhr. Die 48 Stunden waren gleich vorbei. „Ich leite Ihren Bescheid sofort weiter."

„Lassen Sie sich dabei nicht aufhalten", rief John Williams lächelnd.

„Nein, nein", stammelte der Kaiser, als Sara gerade auf ihn zukam, um zu fragen, ob ‚der Herr Leutnant’ noch irgendetwas möchte…

*

Der Transportkonvoi des Babeltors bewegte sich langsam durch eine der Hauptstraßen des früheren Ostberlins, ‚Unter den Linden’, fuhr an der Staatsoper vorbei und setzte seinen Weg zum Brandenburger Tor in Richtung Tiergarten fort. In dem Augenblick, als er über eine der Spreebrücken fuhr, scherte plötzlich ein Ford Transit vor ihnen aus. Bewaffnete Männer sprangen heraus. Sogleich explodierte ihr Fahrzeug. In der Verwirrung und dem Feuergefecht zwischen der Polizeieskorte und den maskierten Angreifern durchbrachen zwei der Riesenlaster das Brückengelände und stürzten in den Fluss. Eines der Transportfahrzeuge kippte um. Zwei der großen Lastwagen blieben heil. Vier Bedienstete wurden verletzt, einer davon schwer.

„Man ist sich im Ungewissen, wer hinter diesem Attentat steht", erklärte Jeff Straw in Berlin. Die Polizei nimmt an, dass eine Verbindung besteht zwischen den Mördern des Vizepräsidenten und diesen Tätern. Die ersten Pressemitteilungen stellen dies jedoch in Frage. Der Ermordete hatte ein Diktaphon mit allen Angaben über den Transport des Babeltors in seiner Tasche; dieses ist seitdem verschwunden. Der Vizepräsident hat aus seiner Ansicht keinen Hehl gemacht, dass das Originaltor nicht aus Berlin entfernt werden sollte. Die Attentäter haben also nicht gegen die Interessen des Vizepräsidenten gehandelt, als sie den Umzug des Tores nach Babylon verhindern wollten..."

Jeff Straw trat wieder aus der Rolle des objektiven Reporters heraus. „Diejenigen, die jetzt die Kirchenrebellen und Pastor Jones Nachfolger für dieses blutige Attentat verantwortlich machen, werden schwerlich Übereinstimmungen zwischen den verschiedenen Aktionen feststellen können. Nach der Darlegung des Präsidenten Clark hat sein Geiselnehmer, Jack Robinson, keinen direkten Kontakt zur Aufstandsbewegung, die um ein Weltumfassendes ‚Nein’ zur globalen Konstitution am 27. September kämpft."

Jeff Straw gab seinem Kamerateam Anweisung, die Stelle mit dem zerstörten Geländer im Bild festzuhalten, an der die Fahrzeuge im Fluss verschwunden waren. „Wer verhindern wollte, dass das Babelstor an seinen Bestimmungsort gelangt, ist nicht bekannt. Ob ‚das Tor zur Hölle’ noch vor dem 11. September in Babylon eintreffen wird, ist fraglich…"