DAS MALZEICHEN DES EU-UNGEHEUERS
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 22

Der babylonische Gefängniskommandant lachte vor sich hin. Er war allein in seinem halbschmutzigen Zementbüro mit der verbeulten Stahltür, die zu den langen Korridoren mit den vielen vergitterten Zellen führte. Vor ihm auf dem kleinen Holztisch, unter dem seine dicken Beine kaum Platz hatten, lag ein offizieller Brief. Sein vornehmer Briefkopf passte nicht in die bedrückende, traurige Umgebung, in der selbst die nackten, halbfeuchten Wände von Misshandlungen zeugten. Der Kommandant schob den Brief verächtlich zur Seite und murmelte: „Gesangunterricht! Ich soll ihnen Gesangunterricht erteilen! Sie werden so laut singen, dass die Idioten mit ihrem pädagogischen Unsinn bald wieder aufhören!"

Der Briefinhalt an sich war überraschend. Um den Anforderungen der Öffentlichkeit in Bezug auf Menschenrechte gerecht zu werden, hatten die Behörden in Bagdad und Babylon Institutionen ins Leben gerufen, die sich um die Belange der Gefangenen kümmern sollten. Es sollte Rechenschaft darüber abgelegt werden, wie viele Minuten am Tag die ‚Insassen’ sich unter freiem Himmel bewegen konnten, was sie zu essen bekamen… und ob eine Glaswand zwischen ihnen und den Besuchenden bestand. „Sie sollten die Möglichkeit haben, mit ihren Kindern auf ‚Tuchfühlung’ zu kommen, d.h. sie während der Minuten des Familienzusammenseins auf den Schoß zu nehmen!" hieß es in dem offiziellen Schreiben… und nun", der Kommandant grinste boshaft, „sollen sie auch noch Gesangunterricht bekommen!"

„Mohammed!" rief der Kommandant laut in den Korridor hinaus. Einen Augenblick später meldete sich einer der ‚Gorillas’.

„Zur Stelle, Herr Kommandant!"

„Du sollst mit den Gefangenen singen!"

„Ich soll mit den Gefangenen singen?" Der ‚Gorilla’ rieb sich die Hände. Sein böser Blick sagte alles. Er verstand diesen ‚neuen Befehl’ auf seine Weise…

„Ja, du sollst sie zum Singen bringen!"

„Sehr wohl, Herr Kommandant. Kein Problem! Ich werde sie schon zum Singen bringen!"

„Ja, aber nicht so! Du verstehst mich falsch! Sie sollen richtig singen!"

„Jawohl, Herr Kommandant." Der ‚Gorilla’ schwang seine langen, behaarten Arme, als ob sie Keulen wären. „Sie werden richtig singen!"

Der Kommandant schob den soeben erhaltenen Brief über den Tisch. Der ‚Gorilla’ buchstabierte sich durch die ersten Zeilen.

„Dies ist offenbar ein gelungenes Experiment aus Skandinavien", erklärte der Kommandant. „Die Gefangenen wurden willig, weil man mit ihnen singt. Auf diese Weise hat man Gefangenenchöre gegründet, die sogar außerhalb der Gefängnismauern singen. Nach solch einem Auftritt kehren sie dann wieder in ihre Gefängnisse zurück…

Der ‚Gorilla’ starrte seinen Kommandanten ungläubig an. „Sie kehren zurück?"

„Ja, sie geben CDs heraus, und der Erlös wird für Wohltätigkeitszwecke verwendet!"

„Ja, aber ich kann gar nicht singen!" Der Gefängniswärter erhob resigniert seine Keulenarme.

„Das sollst du auch gar nicht können! Dafür haben die Behörden entsprechende Leute. Sie kommen mit ihren Noten und Instrumenten hierher. Kannst du nicht lesen..? Der Kommandant riss den Brief an sich. „Es ist ein Projekt, das vor dem neuen Grundgesetztag am 27. September in den Gefängnissen für Ruhe sorgen soll! Viele politische Gefangene sollen zu diesem Datum freigegeben werden. Deine Aufgabe ist es, dich für die Menschenrechte einzusetzen!"

„Für die Menschen… für was?" Der Gefängniswärter glotzte seinen Chef mit offenem Mund an.

„Egal! Finde heraus, wer mitsingen will! Die Musikpädagogen kommen morgen."

Der Kommandant erhob sich mühsam, wobei der niedrige Holztisch fast umfiel. Er ging zu einem vollständig verkratzten und verbeulten Stahlschrank und warf den Brief in ein Regal. In gebückter Haltung stand der ‚Gorilla’ mit seinen lang herunterhängenden Armen bewegungslos da. Es bestand kein Zweifel, dass dies ‚eine Nummer zu groß für ihn war’.

„Was gaffst du mich so an?" rief der Kommandant gereizt. „Sammle alle Sänger zusammen! Es soll jetzt gesungen werden…" Dabei machte er eine melodramatische Armbewegung: Tra…la…la…! „Idioten!" Er knallte die Stahlschranktür zu. Der Gefängniswärter schlich sich auf Zehenspitzen davon …

*

Sowohl im Parlamentssaal als auch draußen war es totenstill. Alle waren ganz gefesselt von der Verteidigungsrede des Pastors. Als sein Gegner, Bischof Valentin, sich setzte, erschien die Aufgabe des Pastors hoffnungslos. Das Bild mit dem ‚Aufruhr der gefallenen Engel’ war plötzlich bedeutungslos. Mrs. Jones zerknüllte wieder ihr Taschentuch und sah ihren Mann verzweifelt an. Die Kinder rückten näher an ihre Mutter heran. Das Kleinste wollte auf ihrem Schoß sitzen.

„Es ist heute meine Aufgabe zu erklären, aus welchem Grund das Kirchenvolk den vorhandenen, globalen Grundgesetzentwurf als „antichristlich und antisemitisch" hinstellt" begann Mr. Jones aufs Neue. „Da diese zwei Begriffe in erster Linie nicht mit der Wirtschaftspolitik der Weltunion zu tun haben, müssen sowohl der Bischof als auch alle verehrten Anwesenden sich damit abfinden, dass ich mich heute mit dem Abschnitt der Verfassung beschäftige, der als „Präambel" bezeichnet wird. In diesen einleitenden Sätzen versuchen die Initiatoren der Konstitution, ihre Gedanken und Ziele darzulegen. Sie ist das Fundament für das Gefängnis, in dem wir später alle unser Dasein fristen müssen. Alle, die mehr über Geld und Arbeit wissen wollen, finden ausreichend ‚Lektüre’ in diesem Werk." Der Pastor hielt das Buch mit dem globalen Grundgesetz hoch. „Niemals zuvor in der Geschichte hat sich eine Verfassung so sehr mit dem Mammon beschäftigt als diese hier. Ein Drittel dieses unzugänglichen ‚Telefonbuches’ handelt von der Durchsetzung eines brutalen Kapitalismus’, der die Grundlage einer neuen Weltordnung bildet. Den Bürgern werden vom Hauptsitz der Weltregierung innerhalb kürzester Zeit mehr als 40.000 Bestimmungen übergestülpt. Den Herrn Bischof scheinen nur diese allein zu interessieren. Wenn die Bevölkerung gegen die Geistlosigkeit protestiert und andere Dimensionen fordert, dann erklärt ihnen der Bischof, dass der Staat sich darauf beschränkt ‚für das Leben der Bürger vor ihrem Tod zu sorgen’. Ich wage jedoch zu behaupten, dass sich dieses Grundgesetz nicht nur mit dem Zeitlichen beschäftigt; es hasst das Ewige und bekämpft den Teil unseres Daseins, der über Geld, Arbeit und Karriere erhaben ist. Ja, es verfolgt diejenigen, die an ein Leben nach dem Tod glauben; deshalb ist es antichristlich!"

„Geben Sie uns Beispiele! Nicht nur Behauptungen. Beispiele! Aus der so genannten „Präambel", wenn Sie wollen!"

Pastor Jones verließ wieder das Rednerpult. Mit dem neuen Grundgesetz in der Hand spazierte er durch die Stuhlreihen.

„Seit den ersten Tagen der Menschheitsgeschichte", begann er. Er sah sich um und wiederholte: „Seit den ersten Tagen der Menschheitsgeschichte…" Er ließ den Satz unvollendet. Er sollte sich als irgendein ‚Anfang’ in den Köpfen der Versammelten festsetzen. Draußen vor dem Parlamentsgebäude stand die Volksmenge mit erhobenem Haupt und folgte dem Redner auf dem Großbildschirm, der mit dem aufgeschlagenen Grundgesetz zwischen den Reihen einherging.

„Seit den ersten Tagen der Menschengeschichte"… Die feierliche Einleitung weckte nun in allen die Erwartung, dass etwas Bedeutungsvolles folgen müsse.

„Nein, ich lese nicht aus der Bibel, oder – wie der Bischof befürchtet – aus irgendeiner theologischen Abhandlung! Ich lese aus dem Vorwort der Konstitution vor, zu der alle Menschen auf der ganzen Welt in einigen Wochen Stellung nehmen müssen. Ich lese aus dem Werk, das nun der ganzen Menschheit vorgestellt werden soll. Deshalb ist es bewegend zu erfahren, dass diese neue, globale Verfassung mit den Worten: ‚Seit den ersten Tagen der Menschheit’ beginnt…"

Die Versammelten waren überrascht. Kaum jemand hatte die neue Konstitution gelesen, einige hatten sie nur überflogen. Denn sie war schwerverständlich. Niemandem war deshalb aufgefallen, dass das globale Grundgesetz mit solch feierlichen Worten wie: ‚Seit den ersten Tagen der Menschheit’ eingeleitet wurde. Selbst der Bischof schlug in seinem Exemplar nach. Offensichtlich fand er diese Worte bestätigt, denn er legte keinen Widerspruch ein…

„Deshalb möchten wir gerne wissen, was uns diese Sammlung von Gesetzesbestimmungen über ‚die ersten Tage der Menschheit’ zu sagen hat. Was kann uns dieser monumentale Gesetzeskodex, der sich an die ganze Menschheit richtet, über ‚die ersten Tage der Menschheit berichten? Hat uns diese bewegende Einleitung etwas über das Geheimnis des Lebens, oder vielleicht über seinen Ursprung oder seinen Sinn zu sagen? Irgendetwas Großartiges und Wunderbares muss doch folgen, wenn die neue, für die ganze Menschheit gültige Verfassung mit deutlicher Ehrfurcht auf den Anfang und den Ursprung aller Dinge hinweist?"

Pastor Jones erhob das globale Grundgesetz zum Himmel und fuhr fort: Der neue Bund für die Menschheit, der mit einer fast biblischen Aussage: ‚Seit den ersten Tagen der Menschheit’ eingeleitet wird."

Die Fernsehkameras, die sich nach Anschauungsmaterial für das Gesagte umschauten, fokussierten automatisch auf das Bild der ‚gefallenen Engel’. Es war, als ob die internationalen Kamerateams ahnten, dass in diesem zeitlosen, geistlichen Aufruhr etwas von diesem ‚Anfang’ verborgen lag. Ja, man befand sich in irgendeiner Ewigkeit, die zeitmäßig ‚vor den ersten Tagen der Menschheit lag!"

Mr. Jones fuhr fort: „ Unser globales Grundgesetz lässt uns wissen, dass (dabei las er laut aus dem Verfassungsentwurf vor): „seit den ersten Tagen der Menschheit die Einwohner der verschiedenen Kontinente in Wellen gekommen sind; dass diese nach und nach Werte entwickelt haben, die als Grundlage des Humanismus anzusehen sind!"

Der Pastor ging schweigend und verbissen zum Podium zurück. „Dies, meine Damen und Herren, ist die Grundlage, der Hintergrund und das Ziel, das die Konstitution ihren Weltbürgern zu bieten hat. Ihr Bischof – denn er ist nicht meiner – kann sich freuen. Hier gibt es keinen Hauch von Ewigkeit! Keine im Wort verborgene, schöpferische Kraft. Hier gibt es nur lumpige, zerrissene Kleidung; das ist alles, was ein gottloser Humanismus anzubieten hat."

Der Bischof trat hervor, um das Wort zu ergreifen. Es war ihm deutlich anzumerken, dass er verbittert war; doch Mr. Jones sagte bestimmt: „Lassen Sie mich bitte ausreden, Herr Bischof! Ich übergebe Ihnen gleich das Wort!" So blieb ihm nichts anderes übrig als sich wieder zu setzen.

„Es soll niemandem verborgen bleiben, weder hier im Saal, noch draußen oder den Millionen, die dieses Drama am Fernsehschirm verfolgen, ja, die ganze Welt soll es wissen, dass diesem Werk das wissenschaftliche, darwinistische ‚Glaubensbekenntnis’ zugrunde liegt! Die Doktrin der Evolutionslehre tritt deutlich in den Worten der Verfassung hervor: ‚Seit den ersten Tagen… nach und nach …hat sich die Menschheit entwickelt …"

Dies, meine Damen und Herren, ist die Lehre über ‚das Recht des Stärkeren’. ‚Das Überleben der Arten’ bis hin zu Adolf Hitlers Worten im Berliner Bunker, wenige Stunden bevor er sich in die Luft sprengte: ‚Wenn die Bevölkerung nicht siegen kann, hat sie kein Recht zu überleben!" Hinter dieser Lehre versteckt sich die Philosophie des Übermenschen und des totalitären Staats.

‚Seit den ersten Tagen der Menschheit’ haben wir - dem globalen Grundgesetz zufolge - den Punkt erreicht, an dem wir (wieder las er aus dem Grundgesetzwerk vor): ‚der Vernunft unseren Respekt entgegenbringen sollen’. Diejenigen, die nach drei blutigen Weltkriegen immer noch glauben, dass uns ‚der Respekt vor der Vernunft’ vor dem vierten und letzen Krieg retten kann, sollte dieser antichristlichen und antisemitischen Verfassung seine Zustimmung nicht verweigern. Alle anderen sollten jedoch am 27. September dagegen stimmen!"

Betroffenes Schweigen senkte sich über die große Zuhörerschar; es war, als ob es sich auf die draußen versammelte Menge übertrug, und von dort aus - durch die Fernsehbilder, die ernste, nachdenkliche Gesichter zeigten, die ganze Welt erreichte!

Dann ergriff Bischof Valentin das Wort…

*

Kaiser Wilhelm überreichte John Williams ein Schreiben. Oben auf dem Dokument stand mit großen Buchstaben
’Verfügung’, was so viel wie ‚Warnschreiben’ bedeutete. „Es tut mir leid, Ihnen diese Mitteilung machen zu müssen, doch wie Sie sehen, haben die hiesigen Behörden beschlossen, dass Sie dieses Zelt wieder zusammenpacken und das Gebiet innerhalb von 48 Stunden verlassen. Hier unten auf dem Schreiben steht, dass Sie bestätigen sollen, dass ihnen dieses Dokument ins Arabische übersetzt worden ist."

„Ins Arabische?"

„Ja, ins Arabische, denn normalerweise habe ich, in Kooperation mit den Verantwortlichen des Reservats, den Auftrag, den umherziehenden Beduinen diese Frist vorzulegen. Und Sie sind wie einer von ihnen!"

John Williams stand einen Augenblick still und sah über die Einöde hinaus. „25 Jahre bin ich durch viele Länder gereist, um diesen Ort zu erreichen. Wir haben in unserem Heimatland, Dänemark, alles verlassen, weil wir den Ruf verspürt haben, in dieses Land zu kommen, nach Jerusalem, und jetzt hier in die große Wüste! Meine Frau hat auf dieser langen Reise zwölf Kinder zur Welt gebracht Nach etlichen Monaten in diesem glühenden Wüstenofen ist mir nun endlich klar geworden, weshalb ich mit meiner Familie gerade an diesen Ort gekommen bin. Nun kommen Sie hier mit einer Verfügung, die besagt, dass ich innerhalb 48 Stunden von hier fort muss?"

Kaiser Wilhelm schaute unglücklich drein. Er hob seufzend die Schultern. „Was soll ich denn machen? Mir wurde gesagt, dass ich hier bleiben solle, um sicherzustellen, dass Sie der Aufforderung der Behörden Folge leisten. Wenn Sie Ihr Zelt nicht innerhalb von 48 Stunden entfernt haben, muss ich einschreiten. Und es gibt nichts, was mir Unangenehmer wäre…"

„Gut! Ich habe eine Antwort, die Sie Ihrem Übergeordneten in Jerusalem übermitteln können. Er wird sie nicht verstehen, weil er ein Fremder hier im Land ist, ebenso wie Sie und ich es sind. Deshalb soll er meine Antwort an die israelischen Behörden weiterleiten. Die Juden werden mich verstehen…"

„Die Juden werden Sie verstehen?

„Ja, die Juden werden mich verstehen!"

John Williams schrieb mit großen Buchstaben auf ein Stück Papier: ‚Ruth 1:16-18". Er gab es dem Kaiser, der lange in der Sonne stand und sich das Kinn rieb. „Sie wollen diesen Code meinem Übergeordneten zukommen lassen?"

„Ja, und er soll ihn an die israelischen Behörden, die den Räumungsbefehl gegeben haben, übermitteln!"

„Er soll also den Juden diesen Code mitteilen?"

„Ja, er soll den Namen ‚Ruth’ und diese Zahl: 1:16-18 als meine Antwort an die Juden weitergeben!"

„Und die werden das wirklich verstehen?"

„Ja, die Juden werden dies ganz sicher verstehen…"

Mit einigem Bedenken ging der Kaiser zu seinem Jeep, von wo aus er sich mit Adolf Engels in Verbindung setzen konnte. Auf halbem Weg hielt er an und kam langsam wieder zurück. „Was bedeutet denn dieser Code? Wer ist ‚Ruth’ und was sind das für Zahlen, die neben ihrem Namen angegeben sind?"

„Ruth ist eine junge Frau, die vor über 3000 Jahren auf der anderen Seite des Berges lebte." John Williams zeigte nach Osten. „Sie kam aus der Gegend namens ‚Moab’.

„… die kenne ich. Sie steht auf meiner Militärkarte angegeben."

„Für die Juden war sie eine Fremde, so wie Sie und ich! Als daher ihre jüdische Schwiegermutter sie in ihre Heimat zurücksenden wollte, gab sie die Antwort, die in der Bibel unter dieser von mir erwähnten Zahl geschrieben steht.

„Und das ist auch Ihre Antwort an die israelischen Behörden, die Sie in Ihre Heimat zurückschicken wollen?"

„Ganz genau!"

Der Kaiser ging wieder zum EU-Jeep, um seinem Chef dieses sonderbare Codewort zu schicken. Auf halbem Wege drehte er sich aber ein weiteres Mal um und kam zurück. „Wie lautet denn die Antwort? Was sagte die Moabiterin ihrer Schwiegermutter?"

„Das werde ich Ihnen zeigen." John Williams fand die erwähnte Bibelstelle und las laut: „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, von dir weg umzukehren! Denn wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will auch ich sterben und dort will ich begraben werden. So soll mir der Herr tun und so hinzufügen – nur der Tod soll mich und dich scheiden!"

Der Kaiser schüttelte den Kopf. „Adolf Engels wird ganz sicher kein Wort davon verstehen!"

„Das nehme ich auch an! Deshalb soll er es ja auch nur an die Juden weiterleiten!"

„Und Sie sind wirklich sicher, dass sie es verstehen werden?"

„Ja, da bin ich ganz sicher…"

Nun ging der Kaiser zum dritten Mal zu seinem Jeep; dieses Mal kam er nicht wieder zurück…

*

Auf seinem Bildschirm folgte Adolf Engels folgte den Ereignissen im EU-Parlament. Er war nun auf die Rede des Bischofs gespannt. Es war für ihn ein Schlag ins Gesicht, dass man seinen Befehl, den Pastor und seine Mitverschworenen zu verhaften, nicht nachgekommen war. Mit Begeisterung hatte er die Erklärung des Bischofs aufgenommen, dass man ‚den Haftbefehl aufrechterhalten sollte’. „Endlich ein Kirchenmann, der die Gefahr erkennt, die in dieser Schwärmerei liegt", brummte er vor sich hin. „Er wird schon diese ganze Sekte ins Kittchen bringen!"

Adolf E. wurde durch eine Mitteilung aus der Arava aus seinen Gedanken gerissen. „Na, so was, John Williams will die ihm gegebene Frist nicht einhalten", rief er, nachdem er die ersten Zeilen der übermittelten Nachricht gelesen hatte. „Das passt mir ausgezeichnet! Dann können wir ihn auch in die Schranken verweisen! Mit gerunzelter Stirn las er weiter: „Ein Bibelvers? Diesen soll ich an die israelischen Behörden weitersenden? Niemals im Leben! Kaiser Wilhelm muss den Verstand verloren haben. In Strassburg gibt es genug Verrückte! Sollen wir nun auch hier ihren Anweisungen folgen?" Wutentbrannt zerriss er die Nachricht und ging zum Fernseher zurück, um der Rede des Bischofs zu folgen…