DAS MALZEICHEN DES EU-UNGEHEUERS
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 20

Bischof Robert Valentin leitete die Versammlung, an der ausgewählte Gelehrte und Laien aus dem bürgerlichen und kirchlichen Leben teilnahmen. Sie waren an diesem Maitag in dem EU-Parlamentsgebäude in Strassburg, das so sehr dem Turm zu Babel ähnelte, versammelt.

Die Bäume am Elsässer Fluss blühten; der Frühling hatte seinen Einzug gehalten. Der 142 m hohe Kirchenturm reckte sich über der alten Bischofsstadt in die Höhe, als ob er bekannt geben wolle, dass zum Himmel sich ausstreckende Türme ihre Berechtigung haben…

Unter den Zuhörern im Saal herrschte eine ungeheure Spannung; draußen vor dem Parlamentsgebäude war der Kirchenaufruhr gegen die globale Konstitution zu spüren. Dort hatten junge Aktivisten wieder versucht, das neue Weltgrundgesetz zu verbrennen. Die sechs Thesen waren im Laufe der Nacht wieder am Kirchentor der Stadt angebracht worden. Es hatte sich eine bedeutende Anzahl Gegner der Einweltregierung auf dem Parlamentsplatz versammelt; über Großbildschirm und Lautsprecher konnten sie mitverfolgen, was drinnen vor sich ging.

Bei früheren Gelegenheiten waren Freiluftarrangements dazu genutzt worden, um den ‚demokratischen Willen des Systems’ zu veranschaulichen. Die Stadtverwaltung hatte dafür gerne alle technischen Anlagen zur Verfügung gestellt, denn sie war davon überzeugt, dass der Philosophie dieser aufrührerischen Ideologie, die sich hinter dem wachsenden Aufstand verbarg, bei dieser Großveranstaltung der Todesstoß versetzt würde.

Draußen herrschte eine fast andachtsvolle Stille, als die vier Riesengemälde von Pieter Brueghel (die ein paar Tage zuvor aus den Museen in Wien und Brüssel verschwunden waren) mit Orgelmusik in den Parlamentssaal getragen wurden. Der Sprecher, der die Großveranstaltung über die draußen aufgestellten Lautsprecher kommentierte, gab auch hier die Titel der vier Bilder bekannt. Bei jeder Bezeichnung hörte man aus der Zuhörerschar ein gedämpftes Murmeln aufsteigen, das wie Gebet klang.

‚Der Weg nach Golgatha’ hieß der erste Titel. Danach: ‚Das Massaker an Unschuldigen’, ‚der Aufruhr der gefallenen Engel’… und zum Schluss: ‚Der Turm zu Babel’. Beim letzten Titel verwandelte sich das sanfte Murmeln in ein vielstimmiges Summen. Es kam einem so vor, als ob die draußen Versammelten bereits verstanden hatten, worum es ging, bevor man es den Zuhörerscharen drinnen erklärt hatte…

Während die Bilder herein getragen wurden, betrachtete Bischof Valentin mit einem höhnischen Lächeln die unerwartete Prozession. Auch er begriff, wozu man diese Bilder anwenden wollte und machte sich schnell einige Notizen. Diese Gemälde würden den Verhandlungsablauf stören. Der geübte Debattierer sah gleich die Gefahr, die darin bestand, dass die Kirchenrebellen nun ihre Position durch Illustrationen deutlicher veranschaulichen konnten; missvergnügt beobachtete er, wie die Fernsehkameras, die immer auf neuen Bildstoff versessen sind, gleich auf die vier Riesengemälde fokussierten.

Als die aus den Lautsprechern ertönende Orgelmusik (deren Herkunft immer noch ein Rätsel war) aufhörte zu spielen, erhob sich der Bischof und stieg aufs Podium. Verärgert musste er feststellen, dass sich die Stimmung im Parlamentssaal durch die Musik und die Prozession der religiösen Bilder in eine andachtsvolle Stille verwandelt hatte, wie sie in einer Kirche herrscht. Er versuchte deshalb gleich, den Raum von dieser feierlichen Atmosphäre ‚zu reinigen’, indem er sofort zur Sache kam.

„Wir haben den Männern, die hinter den Unruhen der letzten Tage stehen, und für die Randale und den Diebstahl verantwortlich sind, nicht viele Fragen zu stellen", begann der Bischoff. „Jahrzehnte lang haben angesehene Staatsmänner ernsthaft und mit der größten Hingabe daran gearbeitet, unserer vom Krieg zerstörten Erde Frieden zu bringen. Eines der ehrenwerten Resultate ihrer unermüdlichen Bemühungen ist nun in dem Großwerk zusammengefasst, das inzwischen allen unter der Bezeichnung ‚Globales Grundgesetz’ bekannt ist. Die für die Geiselnahme und die Menschenansammlungen Verantwortlichen haben heute Morgen wieder versucht, diese erhabene Sammlung von Rechten, Freiheiten und natürlich auch bürgerlichen Pflichten, vor diesem Parlamentsgebäude zu verbrennen. Unsere einzige Frage an die für diese Schäden verantwortlichen Männer lautet: Was gibt Ihnen das Recht, das vorliegende Grundgesetz als antichristlich und antisemitisch zu bezeichnen?"

Durch die klare und scharfzüngige Einleitung war die andachtsvolle Atmosphäre wie weggeblasen. Einige der Zuhörer, die für eine Weile mit gefalteten Händen dagesessen hatten, als ob sie an einem Gottesdienst teilnehmen würden, kamen ‚auf den Boden’ zurück und lauschten gespannt den Worten des Bischofs. Selbst die Volkmenge draußen vor dem Parlamentsgebäude war der Meinung, dass eine solche Frage berechtigt sei! Mit welchem Recht konnte das neue Weltgrundgesetz antichristlich und antisemitisch genannt werden? Was für ein Gedanke lag diesen sechs Thesen zugrunde, die zum ersten Mal auf der großen Zehnerkonferenz in Babylon vorgestellt wurden, und die sich danach wie ein Präriebrand auf der ganzen Welt ausgebreitet hatten?

Jeffrey Jones erhob sich, um die im Raum stehende Frage zu beantworten. Während er seine Rede begann, wurde das erste der vier Bilder auf der Großleinwand projiziert.

„Ebenso wie antichristliche und antisemitische Mächte unseren Herrn Jesus Christus, den König der Juden, auf seinen schmerzvollen Weg nach Golgatha trieben, so wird auch die vorliegende Konstitution großes Leid über die Gläubigen in den Nationen bringen. Am Ende werden dieselben Mächte gegen das Land der Juden, Israel, angehen!"

Eine lähmende Stille lag über dem Saal; sie setzte sich weiter zur Menge nach draußen fort. Auf der Riesenleinwand betrachteten sie ‚Den Weg nach Golgatha’.

„Sagt nicht der Apostel Johannes" fuhr J. Jeffrey fort „dass jeder Geist, der Jesus leugnet, nicht von Gott ist, sondern der Geist des Antichristen, von dem ihr gehört habt, dass er kommen soll. Er ist schon in der Welt!

Trotz der Tatsache, dass über eine Million Unterschriften von 100 Interesseorganisationen, die 56 Millionen Menschen in Europa repräsentieren, gesammelt und zusammen mit einer Bittschrift (Gott in der Konstitution zu erwähnen) in Brüssel vorgelegt wurden, wurde den Antragstellern eine klare Absage erteilt. Weder die EU noch die neue Weltregierung wünschen, den Namen des Schöpfers im neuen Grundgesetz zu erwähnen und Ihn dadurch zu ehren!"

Die Fernsehkameras glitten langsam über die Angesichter der Versammelten. Im Saal herrschte größte Aufmerksamkeit, draußen Betroffenheit…

„Die Heilige Schrift erklärt", fuhr Mr. Jones fort, und in diesem Augenblick ging eine fast reformatorische Ausstrahlung von seiner korpulenten, mit Energie gefüllten Gestalt aus, „dass ‚jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, nicht von Gott ist…’ Und der Apostel fügt hinzu: ‚dass dieser Geist der Geist des Antichristen ist!"

Der Brüsseler Pastor, nach dem Interpol aufgrund ‚seiner gesellschaftsgefährlichen Tätigkeit’ bis zu diesem Augenblick gefahndet hatte, schloss mit den Worten: ‚Ebenso wie die 56 gottesfürchtigen Männer, die beim Verfassen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1776 ihren Glauben an Gott offen bekannten, haben auch die Verfasser der vorliegenden globalen Konstitution die Möglichkeit, den Allmächtigen in diesem Weltgrundgesetz zu ehren. Doch das tun sie nicht! Sie wollen es nicht, und sie können es nicht! Denn das reine Gottesbekenntnis ist ihnen zuwider und, was noch schlimmer ist: Jesus zu bekennen ist für sie eine Torheit. Deshalb betont das Neue Testament, dass ‚jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, nicht von Gott ist; er ist der Geist des Antichristen’! Und deshalb erklären wir, dass die vorliegende Verfassung eine antichristliche ist!"

Bei diesen Worten erhob sich Bischof Valentin. Er war ruhig und schien fast ein wenig Nachsicht üben zu wollen. In seinem Wesen war etwas Intensives, Gewinnendes.

„Das vorliegende Grundgesetz ist ein politisches Manifest und keine theologische Abhandlung! Das Grundgesetz gewährt Religionsfreiheit, aber es wünscht nicht, dass Kirche und Staat die gleiche Aufgabe übernehmen…"

„Wie können wir uns auf dieses Versprechen der ‚Religionsfreiheit’ verlassen? erwiderte J. Jones, „wenn das neue Grundgesetz andeutet, dass Situationen entstehen können, in denen es ‚allein Kompetenz ausüben kann’?"

„Wo steht dies geschrieben?" Einen Augenblick war der Bischof überrascht, dass sein Debattengegner ihm mit dem Verfassungsentwurf in der Hand entgegentrat.

„Es steht im Artikel 12:2 des neuen Grundgesetzes: „Die Weltunion hat ‚Alleinkompetenz’… wenn eine Situation eintritt, die dies erfordert!" Was soll das heißen, frage ich mich und alle, die in dieser Morgenstunde draußen vor dem Parlamentssaal stehen: „Wann scheint die Notwendigkeit gegeben zu sein, die sich hinter dem Wort ‚Alleinkompetenz’ verbergende totalitäre Macht zu ergreifen? Wann wird es notwendig sein, die auf dem Parlamentsplatz stehende Menge einzusperren… so wie heute Systemgegner überall auf der Welt in Gefängnissen und Gefangenlagern einsitzen? ‚Religionsfreiheit’, Herr Bischof, gilt nur solange keine ‚erforderliche Situation’ aufgetreten ist. Doch sobald sie auftritt, treten ‚außergewöhnliche Bestimmungen’ in Kraft …"

Pastor Jones hielt einen Augenblick inne; er hielt das globale Grundgesetz hoch. „Am 27. Februar 1933 stand der Reichstag in Berlin in Flammen. Am 28. Februar strich Hitler eine Reihe gültiger Verfassungsbestimmungen und führte den berüchtigten ‚Brandparagraphen’ ein. Gelehrte behaupten, dass dieser ‚Antichrist’ von da an bis zum Zusammenbruch des Reiches am 8. Mai 1945 Deutschland und Teile Europas nur nach diesem einen Paragraphen regierte!"

Bei diesen Worten erhitzten sich die Gemüter im Saal. Draußen auf dem Platz erhoben Tausende ihre Hände als Zeichen der Zustimmung!

„Es ist wirklich nicht unsere Absicht, Herr Bischof, das Grundgesetz, das Sie mit Recht eine ‚bürgerliche Ordnung’ und ein ‚politisches Manifest’ nennen, in eine theologische Abhandlung zu verwandeln. Als der christliche, europäische Kontinent vor einigen Jahren eine EU-Konstitution ausarbeitete, weigerten sich die Politiker ebenso, sich in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Gott zu beugen. ‚Sie haben also keine Entschuldigung’, las Mr. Jones aus dem Neuen Testament, ‚weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten; sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde…"

Jeffrey Jones hielt inne. Seine Augen begegneten denen des Bischofs. Einige angespannte Sekunden lang betrachteten die zwei Männer einander. Beide kannten den nachfolgenden Abschnitt des Neuen Testaments. Beabsichtigte der Pastor weiter zu lesen? Der weitere Text würde sich dann ganz deutlich an das neu ernannte homosexuelle Kirchenhaupt richten.

Jeffrey Jones hielt die offene Bibel fest in der Hand. Er las weiter: ‚Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt, und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, indem sie Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst."

Eine Welle der Entrüstung stieg im Saal auf. Die drinnen Versammelten konnten ihren Zorn nicht länger zurückhalten. Erste Zwischenrufe waren zu hören. Die draußen Versammelten begannen zu singen. Die Worte: ‚Jedes Knie muss sich beugen, jede Zunge muss bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist’! stiegen zum Nachthimmel empor.

Der Bischof stand auf, um etwas sagen, doch bevor er zu Wort kommen konnte, schloss Jeffrey Jones den ersten Abschnitt seiner Rede: „Herr Bischof, Sie haben uns die Frage gestellt, mit welchem Recht wir das vorliegende, globale Grundgesetz als ein ‚antichristliches’ Grundgesetz betrachten. Sie selbst sind die Antwort! Dass Sie – obwohl die Heilige Schrift ganz klar Homosexualität verurteilt – als Bischof ordiniert werden konnten, ist antichristlich! Das vorliegende Weltgrundgesetz fördert Ihre so genannte ‚sexuelle Orientierung’ und droht Andersgläubigen mit Strafe, falls sie – so wie dies hier heute der Fall ist – offen ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen; deshalb ist der Verfassungsentwurf antichristlich!"

Bischof Valentin blieb eine Antwort schuldig. Doch war deutlich zu erkennen, dass die Zuhörer im Saal auf seiner Seite standen. Deshalb hielt er es nicht für nötig, sich zu verteidigen. Die wütenden Zwischenrufe, die auf den Redner nieder hagelten, deckten ihn. So nahm der Bischof seelenruhig, mit erhobenem Haupt, Platz. Er strahlte eine solche Ruhe aus, dass man annehmen musste, er habe wirklich ein reines Gewissen…

Nun erschien das nächste Gemälde auf dem Großbildschirm: ‚Das Massaker an Unschuldigen’. Was hatte Jeffrey J. hierzu zu sagen?

In Jerusalem folgte Adolf Engels den Begebenheiten am Fernsehschirm. Auf allen Kanälen wurde der dramatische Verlauf der im EU-Parlament stattfindenden Debatten gezeigt. Der Sicherheitschef war wütend! Auch er hätte dort gerne laut seinen Protest hinausgeschrieen. Doch im Moment konnte er nur – wie gewöhnlich – in seinem Wohnzimmer auf und ab gehen, und seiner Verärgerung durch hitzige Kommentare Luft machen.

Als er sah, wie Pieter Brueghels Gemälde in einer feierlichen Prozession herein getragen wurde, rief er empört: „Diebesgut! Dort sind die gestohlenen Bilder! Diese frommen Pharisäer sind nichts anderes als gemeine Diebe. Wenn wir sie nun nicht aufgrund ihrer gesellschaftsgefährlichen Tätigkeit hinter Schloss und Riegel zu bringen vermögen, so können sie doch für ihre kriminellen Taten ins Gefängnis kommen!"

Er nahm den Telefonhörer zur Hand. Einige Augenblicke später machte sich eine Brüsseler Polizeimannschaft auf den Weg zum Parlamentsgebäude. Ihr Chef in Jerusalem hatte einen sofortigen Haftbefehl gegen Jeffrey Jones erlassen. Darüber hinaus sollten draußen auf dem Parlamentsplatz alle verdächtig Erscheinenden festgenommen werden! ‚Sie sollen alle als Mittäter beim Millionencoup von Kunstwerken aus den Museen in Wien und Brüssel festgenommen werden. Wir haben bereits einen Mann in London verhaftet. Diese ganze Sippschaft muss nun vor ein Gericht gestellt werden."

Der Leiter des EU-Geheimdienstes war entrüstet. Er rief laut: Niemand braucht sich mehr dieses religiöse Gequatsche anzuhören! Sie sind Gesetzesübertreter; sie haben Kunstwerke von unschätzbarem Wert gestohlen. In den Käfig mit ihnen! Legt ihnen Handschellen an! Gesetz und Recht sollen aufrechterhalten bleiben. Dieses ganze mysteriöse Gerede über religiöse Themen haben mit der Sache nichts zu tun. Diese Diebe sollen verurteilt werden!"

*

„Das vorliegende Grundgesetz wird zu einem Massaker an den Unschuldigen führen", fuhr Mr. Jones fort und zeigte dabei auf das Gemälde, das auf dem Bildschirm zu sehen war.

In der ersten Reihe saß Mrs. Jones. Eine hübsche Frau, Anfang 40, Mutter von vier Kindern, mit den ersten silbernen Strähnen in ihrem dunklen Haar. Krampfhaft hielt sie ein weißes Taschentuch in ihren Händen, während sie intensiv der Verkündigung ihres Mannes folgte. Mr. Jones hielt keinen Vortrag. Er sprach so, als ob er sich in seiner Kirche befände. Er predigte! Neben Mrs. Jones saßen die vier Kinder. Zwei Jungen, 9 und 14 Jahre, und zwei Mädchen im Alter von 11 und 7. Das Jüngste hatte sich ganz dicht neben die Mutter gesetzt.

„Herodes, der den Befehl zum Kindesmord in Bethlehem gab, war ein Antichrist. Er ließ seine eigene Frau hinrichten, und brachte seine Söhne um. Zum Schluss ermordete er unschuldige Kleinkinder, und doch hat die Welt noch nicht den letzten Machthaber dieser Art gesehen!"

Mr. Jones stand nicht länger still am Rednerpult. Er ging nun vor der farbenreichen, dramatischen Illustration des Massakers hin und her: „Diese mörderische Handlung, die Sie hier abgebildet sehen, kann mit diesem globalen Grundgesetz", dabei hielt er die Einweltverfassung hoch, „morgen stattfinden! Dieses antichristliche und antisemitische Grundgesetz enthält nämlich einen besonderen ‚Flexibilitätsparagraphen’. Im Artikel 17:1 steht, dass die Konstitution flexibel ist, falls dies ‚erforderlich sein sollte, um das globale Ziel zu erreichen!"

Der Bischof schlug in seinem Verfassungstext nach. Offenbar war er zu dem Ergebnis gekommen, dass das Zitat richtig war, denn er legte keinen Widerspruch ein.

„Normalerweise sollten wir Flexibilität als etwas Positives betrachten. Es ist ja nur gut, wenn wir uns nach den gegebenen Umständen richten können, soweit diese vorteilhaftig sind. Dabei darf jedoch der einzige Gesetzesschutz, den der Bürger hat, niemals flexibel sein! Wäre das der Fall, könnte der Mörder Herodes das Gesetz nach eigenem Belieben beugen. Ein Grundgesetz darf sich niemals ‚nach den Umständen richten’. Wir haben gerade heute vom Herrn Bischof erfahren, dass wir ein Grundgesetz bekommen haben, das uns ‚fundamentale Rechte’ gewährt… doch wenn dieses Fundament durch einen so genannten ‚Flexibilitätsparagraphen’ erschüttert werden kann, dann ist dieses Grundgesetz keinen Deut wert. Es bleibt dann nur noch eines zu tun: ‚Es ins Feuer zu werfen’!"

Bei diesen Worten war draußen vor dem Parlamentsgebäude ein riesiger Applaus zu hören. Die Menge hatte ihre Hände mit dem Grundgesetzbuch hoch empor gestreckt und begann, die Seiten herauszureißen und durch die Luft zu wirbeln.

Pastor Jones öffnete den Verfassungsentwurf und erklärte: „Dieses globale Gesetz berechtigt dazu einzugreifen, sollte eine Situation entstehen, die dies erforderlich macht, auch wenn dabei die notwendige Rechtsgrundlage fehlt!"

Er ging durch die Reihen und las mit lauter Stimme: …"auch wenn die Verfassung keine gesetzliche Genehmigung dazu erteilt!" Er lief zum Gemälde mit den ermordeten Kinder von Bethlehem und rief, darauf zeigend: „Auch wenn das Grundgesetz nicht die erforderliche Rechtsgrundlage nachweisen kann!"

Es war mäuschenstille im Saal. Keiner bewegte sich. Alle starrten Pastor Jones an, der mit dem aufgeschlagenen Grundgesetz in der linken Hand und mit der rechten auf das Herodes-Massaker weisend, wie angewurzelt stehen blieb…

„Keiner sollte vergessen", fuhr er danach ruhig fort und ging wieder zum Rednerpult zurück, „dass alle die noblen ‚Werte’, die uns in diesem globalen Grundgesetz präsentiert werden, durch das zersplitterte Glas eines Schaufensters betrachtet werden müssen, das ‚Kriegszustand’ heißt. Alle die edlen Waren in dieser Einweltverfassung, wie z.B.: ‚Frieden, Toleranz, Gerechtigkeit, materielle Güter, Wohlfahrt und Nicht-Diskriminierung’ müssen durch das zersplitterte Glas in Augenschein genommen werden, das ‚Terror, Verfolgung, Noterlasse, Krisen und Ausgangsverbot heißt. Kurz gesagt: ‚Die erforderliche Situation’!"

Pastor Jones ging zur Massakermalerei zurück. Er streckte seinen Zeigefinger aus und rief: „Ihre wohlgeordneten Straßenbilder mit Springbrunnen und Fußgängerzonen-Musikanten sollte von nun an im flackernden Licht der in der Kristallnacht zerschmetterten Glasfassaden gesehen werden! Die Überschrift dieses globalen Grundgesetz lautet: ‚9. November 1938’, der Tag, an dem das Massaker wieder stattfand, weil eine niederträchtige Hierarchie ‚Krisenmaßnahmen’ ergriffen hatte. Ich sage Ihnen, dies wird wieder geschehen! Man wird Jerusalem angreifen, um ‚die planetare Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten’!"

In diesem Augenblick wurden die Absperrungen draußen durchbrochen. Die Volksmenge drängte sich zum Eingang. Es erfolgten die ersten Verhaftungen!

„Um abschließend diese Malerei zu kommentieren, erlaube ich mir, zwei Berichte aus dieser finsteren Zeitperiode zu lesen. Der eine stammt von einem Brigadeführer namens Lutke aus Starkenburg. Er berichtet: „Am 10. November 1938, 03.00 Uhr, erhielt ich folgenden Befehl: ‚Sämtliche 50 jüdische Synagogen innerhalb des Ihnen zugewiesenen Bereichs müssen augenblicklich in die Luft gesprengt oder verbrannt werden! Angrenzende Grundstücke, die der arischen Bevölkerung gehören, dürfen nicht beschädigt werden…" Am selben Morgen legte der Berliner Gestapochef, Reinhard Heydrich folgenden Bericht an Adolf Hitler ab: ‚Gestern Nacht wurden 191 Synagogen in Deutschland niedergebrannt, 20.000 Juden verhaftet, 36 getötet und 815 jüdische Geschäfte zerstört’."

Auf dem Parlamentsplatz fanden weitere Festnahmen statt. Mit Helmen, Schilde und Stöcken ausgerüstete Polizisten trieben die Scharen vom Eingang der EU-Burg zurück.

Im Parlamentssaal schloss Pastor Jones: „Wir haben Sie schon einmal gewarnt, und wir tun es wieder! Vor dem letzten, großen Krieg lasen wir Ihnen folgendes Prophetenwort vor: ‚Wirst du dich an jenem Tag, wenn mein Volk Israel in Sicherheit wohnt, nicht aufmachen und von deinem Ort kommen, vom äußersten Norden her, du und viele Völker mit dir… Und ich werde ins Gericht mit ihm gehen durch Pest und durch Blut. Und einen überschwemmenden Regen und Hagelsteine, Feuer und Schwefel lasse ich auf ihn regnen und auf seine Scharen’.

Dies ist, wie Sie alle wissen, geschehen! Das Massengrab in Israel ist riesig. Wenn Sie Jerusalem angreifen, wird sich dies wiederholen. Das globale Grundgesetz ist darauf ganz angelegt. Gemäß Artikel 15:1-2 liegt die souveräne Macht des Systems in den Händen der so genannten Außen- und Sicherheitspolitik. Die vorliegende Weltkonstitution ist somit antichristlich und antisemitisch."

Mit diesen Worten erschien das nächste Kunstwerk auf der Großleinwand: ‚der Aufruhr der gefallenen Engel’. Was hatte Pastor Jones über dieses Bild zu sagen? Unruhe breitete sich in der Versammlung aus. Hinten im Saal standen Polizisten mit dem Haftbefehl in der Hand. Sie hatten den Befehl erhalten, die kostbaren Gemälde gleich zu beschlagnahmen…