DIE BLUTIGE NOTIZ
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 56

"… dies ist ein ernsthaftes Versäumnis!" John Williams schüttelte bedenklich sein weißes Haupt. „Unbegreiflich, dass dies möglich gewesen ist! Wissenschaftlich gesehen besteht die Übersetzung dieser neutestamentlichen Zeile ihren Test nicht!"

Die drei saßen im Schlosspark: John und Virginia Williams zusammen mit Jenny Larsen. Das Wetter war einfach so hervorragend, dass alle abschließenden Gespräche an der frischen Luft erfolgen konnten. Der italienische Sommer hielt, was er versprach. Die Angelegenheit der Dänen war nun geregelt. Ibrahim Nasser musste unverrichteter Dinge nach Babylon zurückreisen; Hillel Goldstein sollte das Ehepaar mit nach Jerusalem nehmen! Unter den einzelnen Parteien herrschte ein solches Vertrauen, dass die beiden zwar – allein um die Form zu wahren – von dänischen Polizisten zu ihrem Aufenthaltsort nach Israel ‚begleitet werden sollten. In Wirklichkeit aber waren es eher John und Virginia, die den blinden Richter wieder nach Hause brachten.

John Williams war dem Rat der Polizeipräsidentin gefolgt. Er hatte sich bei den Verhandlungen im gräflichen Studierzimmer mit seinen religiösen Überzeugungen zurückgehalten. „Alles, was Sie diesbezüglich sagen, wird Ihnen als sektiererisch ausgelegt!" hatte Jenny Larsen gesagt. „Ich habe mir deshalb die 28 Portraits, die in zwei Reihen unter der Decke hingen, gründlich angesehen", hatte John erklärt, „und ich glaube, dass alle religiösen Erscheinungen nicht rein zufällig in der untersten Reihe hängen, während alle weltlichen Denker dem Himmel am nächsten angebracht sind. Deshalb beschloss auch ich, mich mit meinen geistlichen Ansichten zurückzuhalten…"

„… aber hier im Schlossgarten, wo wir unter uns sind, darf ich doch sicher meine Meinung äußern", rief John Williams scherzend aus.

„Natürlich", sagte Jenny Larsen lächelnd. „Worum geht es?"

„Es geht darum, dass die Ereignisse weltweit nun zunehmen werden. Alle Skeptiker und Zweifler werden jetzt einsehen müssen, dass sie Unrecht hatten. Die Geschwindigkeit, mit der die Geschehnisse der letzten Tage in der Weltgeschichte ablaufen werden, wird allen den Atem rauben! Biblische Weltuntergangsbilder werden buchstäblich vor den Augen der ganzen Welt zu sehen sein, und selbst die Staatsmänner und Machthaber weltweit werden – ganz persönlich und privat – Augenblicke erleben, in denen sie sich ernsthaft die Frage stellen, ob all das, was geschieht, wirklich nur reiner Zufall ist..?"

„Meinen Sie?" Jenny Larsens Frage war eine klare Herausforderung, doch John Williams antwortete unangefochten: „Der Erdball wird zittern, beben und schwanken, als ob er aus allen Fugen gerät. Nachrichten über Erdbeben, Orkane, Überschwemmungen, Riesenwellen, Kriege und Untergang, die die Bevölkerung via Fernsehen ins Haus geliefert bekommt, werden rasant zunehmen. Wöchentliche Phänomene werden zu täglichen Begebenheiten. Zum Schluss werden stündlich neue Bilder auf dem Bildschirm erscheinen!"

John Williams erhob sich. Sie spazierten langsam die Schlossallee hinunter. Jenny Larsen hörte mit heimlichem Interesse zu.

„Deshalb bin ich über unsere letzte dänische Übersetzung des Neuen Testaments enttäuscht! Gerade in der Beschreibung dieser Ereignisse ist sie äußerst dürftig. Das wird ernste Folgen haben."

„Was wurde denn weggelassen?" fragten Jenny Larsen und Virginia wie aus einem Munde.

„Nur ein Wort in einem Satz, der vom Apostel Paulus im neunten Kapitel des Römerbriefs niedergeschrieben wurde. Die Übersetzer des griechischen Texts haben hier ein Wort und einen Begriff weggelassen, die in meinen Augen von großer Bedeutung sind! Ja, dies ist eine so entscheidende Unterlassung, dass es sich um keinen ‚Zufall’ handeln kann. Die Übersetzer müssen mit Blindheit geschlagen worden sein. Der Teufel hatte dabei seine Hand im Spiel!"

Die beiden Zuhörer blieben auf der Schlossallee stehen. In einer langen Reihe standen die schwarzen, hohen Pappeln unbeweglich da. Kein Windchen rührte sich. Jenny Larsen und Virginia starrten John abwartend an. Dieser fuhr langsam dozierend fort: „Der Apostel schreibt: ‚Denn der Herr hat beschlossen, mit der Welt abzurechnen (wortgetreue Übersetzung aus dem Dänischen) In allen älteren, dänischen Übersetzungen wird in diesem Schriftwort betont, dass die abschließenden Ereignisse ‚in aller Hast’ geschehen werden. Das heißt, schnell und effektiv und ohne Pause. Ja, die Begebenheiten werden mit einer solchen Geschwindigkeit zunehmen, dass selbst die größten Skeptiker sich des Gedankens nicht erwehren können, dass hinter all diesem eine leitende Hand steht. Dieses Wort und dieser Begriff ‚in aller Hast’ oder ‚in aller Eile’ ist aus der letzten Übersetzung verschwunden.

„Ist denn das so wichtig?" unterbrach ihn Jenny Larsen. „Ich meine: Ein einzelnes Wort im Neuen Testament? Sie tun ja gerade so, als ob dies der Weltuntergang sei!"

„Genau! Es geht um den Weltuntergang! Die meisten sind der Auffassung, dass morgen alles genauso sein wird wie heute. Aber es wird ein böses Erwachen geben! Wenn Gott erst das große Hauptbuch zur Hand nimmt, und die Stunde der Abrechnung gekommen ist, dann ist es für alle ‚guten Entschlüsse’ zu spät. Wenn – wie der Apostel sagt, der Herr erst einmal ‚beschlossen hat’, dann läuft danach alles in die falsche Richtung; alle Träume über neue Zukunftsaussichten werden nur noch leere Illusionen sein. Dann wird es keine Zukunft mehr geben… jedenfalls nicht in der Art, wie die Gottlosen sie sich vorstellen! Die Gläubigen aber werden ihr Haupt erheben können, denn ihre Erlösung naht!"

„Können Sie griechisch?" fragte Jytte Larsen nachsichtig.

„Nein! Aber das konnten Martin Luther und die Übersetzer der Elberfelder Bibel. Aus letzterer geht besonders klar hervor, dass die große Finalabrechnung so schnell erfolgen wird, dass sie sogar abgekürzt wird. Im besagten Vers steht (John Williams stand einen Augenblick still und suchte in seinem Gedächtnis nach den deutschen Worten): ‚Denn indem Er das Wort vollendet und abkürzt, wird der Herr es auf der Erde ausführen.’

„…nicht wahr?" wandte er sich an Jytte Larsen. „Es ist hier von einer ‚abgekürzten Sache’ die Rede, was bedeutet, dass keiner damit rechnen kann, dass sich die abschließenden Begebenheiten lang hinziehen werden!"

„Ja, aber was genau steht im griechischen Text?" beharrte Jytte Larsen. „Im Grundtext! Wenn Sie darüber klagen, dass unsere gute, neuzeitliche Übersetzung etwas weglässt, dann müssen Sie, wenn Sie ernst genommen werden und nicht wieder zu den ‚Sektierern’ zählen wollen, Ihre Behauptung mit Hinweisen auf den griechischen Text begründen!"

„Das sagten die Theologen auch zum alten, dänischen Vorsitzenden der Inneren Mission, Pastor Wilhelm Beck: ‚Die können ja nicht einmal griechisch’, spotteten sie im Hinblick auf die ungelehrten Männer, die er zum Predigen aussandte. Er antwortete: ‚Nein, aber sie können dänisch!"

„Ja, aber seine Leute sprachen auch nicht über das ‚Weglassen’ von Wörtern bei einer bestimmten Bibelübersetzung; aber das tun Sie, deshalb frage ich Sie noch einmal: „Sprechen Sie griechisch?" fragte Jytte Larsen ohne nachzulassen.

„Nein, aber das konnten die englischen Theologen, die die so genannte ‚King James Version’ herausgaben. In ihrer Einleitung wird betont, dass sie aus dem Grundtext übersetzt wurde. Die Engländer sagen in Bezug auf den besagten Vers im Römerbrief (John Williams blieb wieder auf der Schlossallee stehen, um den englischen Text aus dem Gedächtnis zu zitieren: ‚For He will finish the work and cut it short in righteousness: because a short work will the Lord make upon the earth’.

„…dabei müssen Sie beachten", wandte er sich wieder an Jytte Larsen, ‚dass hier von einer ‚Abkürzung’ die Rede ist und: ‚dass der Herr ein schnelles Werk auf der Erde vollbringen wird). Ich begreife nicht, dass man es wagt, in unserer dänischen Übersetzung die Worte ‚ein schnelles Werk’ wegzulassen."

„Griechisch!" wiederholte Jytte Larsen. „Sie können ja kein Griechisch!"

„Die Amerikaner…" fuhr John Williams fort, während Jytte Larsen ihn resigniert ansah, „die Amerikaner sagen, dass der Herr sein Urteil auf der Welt geschwind und unwiderruflich geltend macht, und die Franzosen: ‚Der Herr wird auf der Erde das, was er beschlossen hat, völlig und eilig ausführen.

„… also dem französischen Wort ‚promptement‚", wandte er sich ein letztes Mal an die Polizeipräsidentin, „können wir entnehmen, dass es sich um etwas ‚promptes, sofortiges, eiliges’ handelt!"

„Ich will aber das griechische Wort hören!" erklärte Jytte Larsen. „Wenn Sie über eine wissenschaftliche Vorgehensweise sprechen, dann muss ich Sie noch einmal fragen, ob sie griechisch können."

John Williams wollte ihr darauf eine Antwort geben, doch bevor er dazu kam, vernahmen sie hinter sich eine Stimme: „Aber ich kann griechisch!"

Die drei Spaziergänger drehten sich um. Hinter ihnen stand ein in Lumpen gekleideter Bettler. Sein gerader, aufrechter Gang flösste ihnen einen gewissen Respekt ein. Er hatte einen grauen Bart und blaue Augen.

„Sie?" rief Jytte Larsen verwundert aus, „Sie können griechisch?"

„Ja", antwortete der Bettler, wonach er zur Überraschung aller die Frage beantwortete: „Der griechische Ausdruck, der hier in diesem Text verwendet wird, ist das Wort: sun tem’ no, was so viel wie ‚es kurz zu machen’ heißt.

Der Mann in Lumpen stand einen Augenblick stille, als ob er überlege… als suche er nach einem Beispiel. Dann fuhr er fort:

„Das Wort wurde vom Speichellecker angewandt."

„Vom Speichellecker?" wiederholten sie alle verblüfft…

„Ja! ‚Vom Speichellecker’, dem schleimigen Advokat, der von den Juden angeheuert worden war, um Paulus vor dem Statthalter Felix anzuklagen."

Die kleine Schar im Schlosspark hatte sich um den unbekannten Bettler herum versammelt. Dieser sprach ruhig und bestimmt; sein Gesicht hatte einen verklärten Ausdruck. Jytte Larsen wiederholte noch einmal die Frage, während sie die lumpige Gestalt überrascht ansah: „Sie können wirklich griechisch?"

Der Bettler sah sich um; besonders eingehend betrachtete er Jytte Larsen. Sie wich seinem durchdringenden Blick aus. „Diejenigen, die griechisch verstehen", fuhr er fort, „wissen, dass das Wort, das hier gebraucht wird, betont, dass ‚nun schnell gehandelt werden muss’. Der Speichellecker verspricht seinem ehrenwerten Zuhörer, ‚sich kurz zu fassen’…"

Der Bettler hielt inne. Dann machte er einen Schritt auf John Williams zu. „Das Entscheidende bei diesem Gespräch ist", sagte er Achtungsgebietend, „dass die Sache von jetzt an eilt! Die Ihnen anvertraute Aufgabe darf sich nicht lange hinziehen! Bald wird Ihnen das erste Stück Land in der Aravaebene, nicht weit von Bozra entfernt, zur Verfügung gestellt. Dort in der Wüste soll dem Herrn ein Weg bereitet werden. Zögern Sie nicht, denn das ‚Wort wird vollendet und abgekürzt’, wobei aber nichts aus dem göttlichen Programm gestrichen wird. Alles wird in Eile ausgeführt…"

Danach erhob der in Lumpen gekleidete Fremde höflich seine Hand zum Gruß. Es war nicht der Abschiedsgruß eines armseligen Habenichts. In seinen Bewegungen lag etwas ‚Hochgeborenes’. Aufrecht und frei spazierte er den Schlosspfad entlang. John Williams und die beiden Frauen rührten sich nicht. Sie folgten dem Bettler mit ihren Augen. An der Schlosspforte drehte er sich noch einmal um und erhob die Hand zum Gruß… danach entschwand er ihren Blicken!

*

„Ich war persönlicher Bodyguard des EU-Präsidenten", erklärte Jack Robinson. Auch ihn sah man im Schlosspark spazieren gehen, in dem die letzten Gespräche der Gerichtsverhandlung stattfanden. Der blinde Richter, Hillel Goldstein, ging langsam an seiner Seite.

„Sie müssen mir erklären, was an dem Abend geschah", hatte der Richter zu Jack gesagt. „Vielleicht kann ich Ihnen helfen! Möglicherweise kann in Verbindung mit der zu treffenden Entscheidung hinsichtlich John und Virginia Williams auch Ihr Fall geklärt werden…"

„Als der Präsident seine große Rede in Brüssel hielt", erklärte Jack weiter, „und zum Schluss ausrief: „Wir brauchen nicht noch mehr Komitees. Was die Welt bitter nötig hat, ist ein starker Mann. Senden Sie uns den Mann! Ob er nun ein Gott oder ein Teufel ist, so wollen wir ihm folgen…" brach das Publikum in Jubel aus.

Hillel Goldstein blieb stehen und stampfte mit seinem weißen Stock auf den Boden. „Hat er das gesagt? Hat er wirklich gesagt: ‚Senden Sie uns den Mann! Sei er nun ein Gott oder ein Teufel, so wollen wir ihm folgen?"

„Ja, das hat er, und in dem Augenblick bemerkte ich, dass mehrere der Zuhörer nicht in den allgemeinen Beifall mit einstimmten, sondern aufstanden und sich ihren Weg zum Ausgang bahnten."

„… und dann?" Richter Goldstein folgte ernsthaft und interessiert Jacks Erzählung.

„Hinter der Bühne gab der Präsident einigen Sicherheitsbeamten den Befehl, sie sollten versuchen, diejenigen zu verhaften, die den Saal vorzeitig verlassen hatten. Er war sich darüber im Klaren, dass sich diese seiner Rede widersetzt hatten.

„Und weiter?"

„Im Gebäude der EU-Kommission standen Pastor Jones und seine Frau kurz davor, verhaftet zu werden. Als sie versuchten zu flüchten, entstand eine Schießerei. Diese Umstände führten dazu, dass ich den Präsidenten als Geisel nahm. Während es um mich herum krachte und klirrte, wobei Glassplitter durch die Luft flogen und Kugeln um meinen Kopf herumsausten, sah ich, wie ein Sicherheitsbeamter das Ehepaar Jones aufs Korn nahm. Zweifellos wären sie erschossen worden, hätte ich nicht als erster einen Schuss abgefeuert. Leider aber war es mir nicht gelungen, ihn nur unschädlich zu machen! Entsetzt musste ich zusehen, wie er tot umfiel."

„… und weiter?" Richter Goldstein wollte sich nicht eher zufrieden geben, bis er alles gehört hatte. „Es muss doch noch eine Fortsetzung dieser Geschichte geben", rief er aus.

„24 Stunden später gelang es mir, mit dem Präsidenten als Geisel, zu flüchten. Ein Flugzeug wurde für uns bereitgestellt. Später warf ich den Präsidenten mit dem Fallschirm über Saudi Arabien ab. Dort wurde er auf wundersame Weise von Kaiser Wilhelm und seiner kleinen Wüstentruppe errettet. Als er bei dem großen Gipfeltreffen in Babylon wieder auftauchte, war er ein verwandelter Mann!"

„Was war mit ihm geschehen?"

Er hatte zum Glauben gefunden! Mitten in der glühendheißen Wüste und unter einer Bande blutrünstiger Verbrecher hatte dieser Mann, der einige Wochen zuvor noch den Teufel um Hilfe angerufen hatte, Frieden mit Gott gefunden!"

„Woher wissen Sie das?" Richter Goldstein stellte seine Fragen, so als ob er auf dem Richterstuhl säße und Jack auf der Anklagebank…

„Ich bin in der Tat im gleichen Wüstenwasserloch getauft worden wie der Präsident. Bevor dies jedoch geschehen konnte, mussten wir beide, - der EU-Präsident und sein Geiselnehmer – den Glauben an unseren auferstandenen Herrn bekennen…"

Richter Goldstein blieb stehen und ‚betrachtete’ Jack. Seine blinden Augen leuchteten auf. Sein verschleierter Blick glitt prüfend über das Gesicht des jungen Mannes.

„Ihr auferstandener Herr?" murmelte er.

Jack fuhr fort: „Später wurde der Präsident von unbekannten Tätern in einer Gondel in Genf ermordet. Als er wenige Minuten, nachdem man ihn heruntergeholt hatte,

seinen letzten Atemzug tat, hatte er ein Stück Papier in seiner Hand, auf dem geschrieben stand: „Geben Sie Acht auf die Wüstenbewohner! Stützen Sie sie. Helfen Sie ihnen!"

„Genau", rief Richter Goldstein aus. Das ist das Papier, das wir ‚die blutige Notiz’ nennen! Diese kann Ihnen eine Hilfe sein. Sie gehören ja nun zu den ‚Wüstenbewohnern’."

„Ja, ich gehöre zum Wüstenvolk!"

„Gut, dann gelten die letzten Worte des Präsidenten auch Ihnen!"

Jacks Gesicht hellte sich auf. „Das Blut des erschossenen Mannes hat mich immer wieder geplagt, besonders nachdem ich gläubig geworden bin. Sowohl Ursula als auch ich wünschen diese Sache in Ordnung zu bringen! In Deutschland warten zwei Kinder auf ihren neuen Vater, und bevor sie mich kennen lernen, möchte ich diese bedauerliche Angelegenheit aus der Welt schaffen…"

Als Jack diese letzten Worte hervorstammelte, wurde er von seinen Gefühlen überwältigt. Er brach in Tränen aus! Richter Goldstein legte mitfühlend seinen Arm um die Schultern des jungen Mannes. So standen sie eine Weile bewegungslos auf dem Schlosspfad.

Von einer Bank in der Nähe erhob sich eine dunkle Frauengestalt. Die Sonne glitzerte in ihrem glänzenden, schwarzen Haar. Langsam und etwas zögernd kam sie näher. Richter Goldstein ‚beobachtete’ sie mit seinen blinden, klaren Augen. Er lächelte. Ermutigend hob er seine rechte Hand und winkte ihr zu. Die schlanke, hohe Gestalt beschleunigte ihren Schritt. Das scharfe Licht der Mittagssonne jagte wie Speere durch das Blätterwerk der Bäume. Nun begann sie zu laufen! Als sie ankam, warf sie sich Jack in die Arme.

Jack hielt sie fest umschlungen. Er bemühte sich, seine Tränen zurückzuhalten. Doch vergeblich! „Ursula", weinte er, „Ursula!"

„Ich habe ihn noch nie weinen sehen!" erklärte Ursula mit Tränen in den Augen…

„Sie brauchen mir nichts zu erklären", antwortete Richter Goldstein. „Jetzt ist Hoffnung in Sicht! Für Sie beide gibt es Hoffnung!"

„Für uns alle viere!" stammelte Jack.

„Ja, für uns vier", wiederholte Ursula glücklich.

„Ja, für Sie alle viere", nickte Richter Goldstein…