DIE BLUTIGE NOTIZ
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 41

Der Norweger Werner Sommersted Magnusson war ein außergewöhnliches Phänomen! Äußerlich glich er einem der Reiter aus der Offenbarung: lang, schlaksig, wie ein Skelett schlenkernd. Ein geborener Verfasser, der Reime, Verse, Romane und Novellen in englisch-französischem Stil schrieb. Er war – wie man sagt – sowohl homo als auch hetero, - liebte Luxus und reiste in der Welt herum, um seinen nicht zu zügelnden Hunger nach Sensationellem zu stillen. Seine Artikel hatten jedoch immer den gleichen, pessimistischen Unterton: ‚Es gibt wahrhaftig nichts Neues unter der Sonne’. Kritiker gingen hart mit Magnusson um. Sie ärgerten sich im Grunde genommen darüber, dass sich seine Bucher so gut verkaufen ließen. Sie wurden sogar in mehrere Sprachen übersetzt; Adolf Engels hatte in Jerusalem einige deutsche Exemplare in die Hände bekommen. „Aus der Feder dieses Mannes kommen mörderische Gedanken, wenn er die christlichen Sekten beschreibt", rief er. Aufgrund dieser Aussage befand sich der Norweger an diesem finsteren Oktobertag vor der Kirche in Brüssel, um an der Beerdigung des ermordeten Bischofs Valentin teilzunehmen. Die lange, hagere Gestalt, die oft auf einem Bein stand, wobei er den rechten Fuß gegen die linke Ferse stützte, glich in dem allzu kurzen Beerdigungsanzug und dem hohen, schwarzen Hut seiner eigenen Karikatur. Doch seine Augen folgten lebhaft der finsteren Prozession, die langsam dem im 18-sternigen EU-Banner umwickelten Sarg folgte.

Adolf Engels, der ebenfalls der Prozession von der Kirche bis zum Friedhof folgte, betrachtete seinen neuen Mitarbeiter unauffällig. Er hatte dem norwegischen Schriftsteller anlässlich dieses tragischen Ereignisses eine bestimmte Aufgabe zugeteilt. Seinen Vermutungen zufolge bestand kein Zweifel daran, dass sektiererische, christliche Kreise hinter dem unheimlichen Mord standen. Die Verbrecher mussten unter denjenigen Christen zu finden sein, die sowohl den Lebensstil des homosexuellen Bischofs verurteilten als sich auch offen als Gegner einer globalen Gesellschaft bekannten! Adolf Engels Meinung zufolge, schien es auch kein Zufall zu sein, dass die letzte Handlung des Bischofs, bevor er diese Welt verließ, seine Teilnahme an der katholischen Messfeier war! Die Feindschaft und Verachtung der Protestanten gegenüber Roms Auffassung in Bezug auf das ‚Heilige Mahl’ war allen bekannt. Außerdem waren Gewalt und Mord zwischen Protestanten und Katholiken kein unbekannter Begriff in Irland…

„… also", hatte A. Engels zu W. Magnusson gesagt, „benutzen Sie Ihre Phantasie, Ihr Talent und Ihre gefürchtete, ironisierende und zynische Feder, um die religiösen Täter des ermordeten Robert Valentins aufzuspüren. Halten Sie sich nicht zurück, denn diese Leute werden bereit sein, die furchtbarsten Waffen anzuwenden, nur um ihr visionäres Ziel zu erreichen. Wir haben triftige Gründe zu glauben, dass sie mit Kräften in Verbindung stehen, die die ganze Zukunft unseres Planeten bedrohen! Die iranischen Mullahs sind nichts dagegen! Weder die Saudis oder Ägypter noch die gesamten islamischen Republiken können sich mit diesen religiösen, endzeitlichen Revolutionären messen, die vermutlich imstande sind, Uranium in UF-Y umzuwandeln!"

Magnusson stand wieder auf einem Bein und betrachtete Engels. Sein Blick war nachsichtig, fast mitleidig. Sein schlaksiges Skelett war von Verachtung gezeichnet: „Ich glaube Ihren Anklagen gegenüber diesen Menschen nicht einen Augenblick", antwortete er kalt. „Sie kennen sie nämlich nicht, und Sie irren sich, wenn Sie der Auffassung sind, dass es sich bei ihnen um Mörder und Terroristen handelt. Sie lassen Ihre eigenen Phantasien als Sicherheitschef mit sich durchgehen…"

„Was meinen Sie damit?" Adolf Engels schnaubte vor Wut.

Werner S. Magnusson folgte nun schweigend dem Beerdigungszug. Die Menge folgte dem von vier Pferden gezogenen Leichenwagen. Sie kamen an dem Gebäude vorbei, in dem einige Monate zuvor die Geiselnahme des EU-Präsidenten stattgefunden hatte. „Sie gehören wohl auch zu den Törichten, die glauben, dass die Entführungstäter des verstorbenen Pierre Henri Clark die gleichen sind wie die, die Bombe in Kopenhagen haben hochgehen lassen? Oder dass sie identisch sind mit den Killern, die den Vizepräsidenten John Edwards und nun unseren lieben Freund, den Bischof, umgebracht haben. Wäre das der Fall, dann sind Sie nicht mehr Sicherheitschef als dieser, mein alter, schwarzer Hut!" Magnusson nahm höflich seinen Hut und grüßte A. Engels, der in diesem Augenblick von Zweifel geplagt wurde: Ist dieser rappeldürre Magnusson wirklich der richtige Mann, um John Williams und sein ganzes Wüstengesindel in den Schraubstock zu spannen? War dieser geradlinige, offensichtlich ehrliche Norweger die richtige Person, um der Öffentlichkeit das entsprechende Bild über die gefährlichsten Sektierer unserer Zeit zu vermitteln? Hatte er bei seiner Auswahl einen Fehler begangen?

„Nein", unterbrach Magnusson seinen Gedankengang. „Sie haben sich nicht geirrt! Ich bin der richtige Mann, um diese Sektierer bloßzustellen. Ich weiß, wie ich dabei vorzugehen habe und bin mit Ihnen einig darin, dass sie eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Sie sind jedoch nicht schuldig in Bezug auf die von Ihnen erhobenen Anklagen. Deshalb werden sie den Prozess verlieren, wenn sie eine Kampagne gegen sie führen wollen, in der sie als Terroristen und Mörder beschuldigt werden. Ihre Waffen sind nämlich viel gefährlicher als die einer Atombombenbedrohung. Sie werden tiefer und härter zuschlagen müssen. Dies setzt jedoch voraus, dass Sie ihre schwachen Seiten kennen. Sie müssen sie im Fleisch, Geist und mit dem Wort bekämpfen. Für letzteres werde ich mich verantwortlich zeichnen…"

Engels starrte den norwegischen Dichter ungläubig an. Er vernahm ein unheimliches Feuer in der Seele dieses Sonderlings. Als sich der Trauerzug dem Friedhof näherte, gewann er aufs Neue Vertrauen in seine Beurteilungskraft. „Dieser Mann ist doch das richtige Werkzeug, um diese Sektierer hinter Schloss und Riegel zu bringen", murmelte er.

*

Die Finsternis in der unterirdischen Grotte in den französischen Rhonealpen bei Vallon-Pont-d’Arc schien dichter zu werden, während die eingeritzten und gemalten, vorsintflutlichen Tiere auf den fuchtigen Felswänden aus einem Urschlaf zu erwachen schienen. Die bronzegrünen Felsspalten echoten Maurice Gabets Ruf: „Maria! Maria!". Mit seiner Taschenlampe suchte er die Umgebung ab. Von allen Seiten starrten ihn Bären- und Pantheraugen an.

Nachdem das Licht immer schwächer wurde, schwand auch Maurices Hoffnung, Maria zu finden. Sie war wie spurlos verschwunden! Er tastete sich an der kalten Mauer entlang und fiel dabei über Steine und Felsenabsätze. In weiter Ferne hörte er Wasser herunterrauschen. Er wurde von Grauen erfasst bei dem Gedanken, Mary könnte in eine der Schächte gestürzt sein. Bei Tagesanbruch kroch er müde und resigniert nach oben. Von dort aus machte er sich auf den Weg zu einer Alpenbereitschaftsstation, die gleich eine Hilfstruppe aussandte, um die Vermisste zu suchen. Maurice konnte sich nicht länger wach halten. Er kam erst in die graue Wirklichkeit zurück, als sich acht Stunden später ein Bereitschaftsoffizier über ihn beugte, um ihm mitzuteilen, dass alle Suchaktionen bisher ergebnislos verlaufen seien…

Am darauf folgenden Tag, als Maurice zur Höhle zurückging, um nach seiner geliebten Maria zu suchen, tauchten plötzlich Bilder in seinem Bewusstsein auf, die er bisher nicht bewusst wahrgenommen hatte. Er sah ein paar Wanderer am Eingang der Höhle. Er erinnerte sich, dass sie Knickerbocker und lange Strümpfe trugen. Er konnte sich sogar noch an ihre soliden Stiefel erinnern, doch ihre Gesichter waren wie vom Nebel umhüllt. Ja, es schien ihm gar so, als ob die beiden Wanderer absichtlich ihre Gesichter abgewandt hatten, als er sie für einen Augenblick betrachtete. Beim weiteren Nachgrübeln hatte er den Eindruck, als ob er in den engen Höhendurchgängen auch nicht allein gewesen sei; ohne davon weiter Notiz genommen zu haben, Die ganze Zeit hatte er das Gefühl gehabt, dass hinter ihm noch andere Lebewesen waren, die sich diese Urzeitmalereien anschauten.

Deshalb stieg eine Welle des Zorns in ihm auf, als er gleich beim Höhleneingang zwei Männer in Knickerbockern, langen Strümpfen und dicken Stiefeln vorfand. Er lief ihnen entgegen und rief: „Hallo! Ich möchte gerne mit Ihnen reden!"

Die beiden Männer hoben ihren Kopf, und Maurice sah nun zum ersten Mal ihre Gesichter. Es waren zwei junge Männer, Mitte Zwanzig, beide schwarzhaarig und glatt rasiert. Trotz ihres sportlichen Aussehens waren sie etwas korpulent. Sie hatten beide einen versteinerten Gesichtsausdruck, der typisch ist für Leute, die (wie Maurice dies in seiner Verbitterung empfand) ‚ihre Seele verkauft hatten’. Maurices spontaner Beurteilung zufolge waren es ‚Sicherheitsbeamte’; als solche sahen sie in ihrer Tirolertracht fast ein wenig lächerlich aus.

„Ist Ihnen etwas bekannt über eine junge Frau, die seit gestern in diesen Höhlen verschollen ist?" Maurice war ganz außer Atem. Er ließ keinen Zweifel an seiner Vermutung, dass diese beiden offensichtlichen Agenten in diese Sache verwickelt waren.

Irritiert und überrascht starrten die beiden Männer einander an. Dann wandte der eine sein ausdrucksloses Gesicht Maurice zu und antwortete: „Meinen Sie die junge, amerikanische Touristen namens Maria Schwartz?"

„Ja". Das Blut in Maurices Adern begann schneller zu zirkulieren. Zuerst einmal schien er erleichtert. Wenn diese beiden Männer hinter Marias Verschwinden standen, dann war sie ja noch am Leben… doch gleichzeitig versetzte ihre Antwort ihn in Wut. Wenn diese beiden Männer mit dem Verschwinden Marias zu tun hatten, dann hatte eine gemeine und bösartige Entführung stattgefunden, und das sollte sie teuer zu stehen kommen …

Die beiden ‚Tiroler’ lächelten. „Wir können Ihnen sicherlich helfen", fügten sie mit überlegener Ruhe hinzu. „Doch ist dies nur möglich, wenn Sie zu Verhandlungen bereit sind."

„Verhandlungen?"

„Ja, gewisse Abmachungen mit uns einzugehen! Gewisse Bedingungen zu akzeptieren!"

Maurice biss die Zähne zusammen. Sein Inneres kochte. Er nahm sich jedoch zusammen. „Selbstverständlich!" rief er, „selbstverständlich bin ich zu jeglicher Absprache bereit, um Maria wieder zu sehen…"

*

Kaiser Wilhelms Qualen schienen ins Unermessliche zu steigen…

Durch die mit seiner geliebten Sara in der Wüste zugebrachte Zeit war er ein anderer Mensch geworden. Das konnte man von weitem erkennen. Die stramme, europäische EU-Uniform war durch die Wüstenkleidung der ausstationierten Streitkräfte ersetzt worden. Wie die eigenen Bewohner der Wildnis hatte sich Kaiser Wilhelm nun seiner Umgebung angepasst. Das funkelnde Eiserne Kreuz blitzte zwar immer noch an seiner Brusttasche, und die auf seiner Jacke angebrachte Leutnantsabzeichen war auch nicht zu übersehen, dennoch war alles stil- und farbgerecht auf diese Region zugeschnitten: khakigelb und tarnfarbengrün, locker sitzend, angenehm… der Wüstenhitze entsprechend.

Aber auch im Inneren des jungen EU-Offiziers war eine Veränderung vor sich gegangen. Das Paradeartige und Offiziersbrüske war verschwunden. Kaiser Wilhelm liebte das Beduinenmädchen Sara, und die Wüstentochter, Sara, liebte ihren Europaoffizier. Seit der ergreifenden Beduinenhochzeit und nach den dramatischen Begebenheiten in Babylon waren die beiden unzertrennlich. Kaiser Wilhelms Distrikt reichte bis nach Beerscheva und Eilat. Offiziell wurde diese Gegend als ‚die südliche Landschaft’ bezeichnet, und in diesem Wüstenparadies waren diese beiden überall zu sehen. Sie bewegten sich mit Jeep und Kamelen über die Sandflächen zwischen den Granitbergen des Negevs vorwärts. Auf ihren Expeditionen, in der Überwachungsarbeit, die zu ihrem Militärposten gehörte, verschmolz das Paar mit den durch die hiesige Urzeiteruption entstandenen, goldgelben Hügeln und Tälern der Arava. Die gleiche Gegend, in der Abraham lebte und durch die er mit seinen Herden zog, die Wüste, in der er als einziger tiefe Gespräche mit Gott geführt hatte. Hier lagen die wasserlosen Stätten, an denen die Juden die Thora empfangen hatten und zu denen Elias geflüchtet war, um einer flüsternden Stimme in dem mächtigen Nichts der Wildnis zu lauschen… die Wüstengegenden, in denen Jesus dem Neuen Testament zufolge sein ‚Gipfeltreffen’ mit Satan hatte, und wo Johannes der Täufer das jüdische Volk aufrief umzukehren… die Ebenen südlich des Toten Meeres, in denen sich Moses mit einer ganzen Nation niedergelassen hatte, nachdem sie aus Ägypten gezogen waren… all dies gehörte mit zum täglichen Wirkungskreis dieses jungen Ehepaares, und nun kam ein Befehl aus Jerusalem, an einer besonderen Nachforschungsarbeit in Europa teilzunehmen. Sie mussten sich also nun eine Zeitlang von den weiten Ebenen und der erhabenen Schönheit dieser kargen Sandbänke verabschieden…

Jeden Tag kam das durch das Aravatal fahrende Postauto vorbei. Es folgt genau der Strecke, den die Anthropologen als die Route festgelegt haben, die Homo Sapiens (die ersten Menschen) benutzt hatten, um nach Europa und Asien zu kommen. Große Storchscharen waren ihnen zu bestimmten Zeiten gefolgt, zusammen mit Millionen von Zugvögeln, durch deren Formationen sich arabische Zeichen am Himmel bildeten…

Der Chauffeur des Postautos wusste, das ihn an der Kreuzung bei Iddan zwei einzelne Frauen in luftigen, hellen Kleidern erwarteten. Oft fuhr er jedoch nur vorbei und winkte ihnen bedauernd zu. Leider waren keine Briefe für sie dabei. Doch hin und wieder freute er sich darüber, die Fahrt verlangsamen zu können. Während er langsam auf sein Ziel zusteuerte, genoss er die Freude und Hoffnung, die aus ihren Bewegungen, Gesichtsausdruck und Augen hervorleuchtete: Ja, heute waren Briefe gekommen!

Wenn er nur einen Brief abliefern konnte, fuhr er schnell weiter, denn er wusste, dass nur eine der Frauen voller Freude war, während sich die andere betrübt abwandte. Konnte er aber zwei Briefe abgeben, dann stieg er aus, las laut die Namen auf den Umschlägen vor, weil er die ersehnten Briefe persönlich überreichen wollte. Nachdem er jedoch in schlechtem Englisch den Namen „Ursula Robinson" ausgesprochen hatte, wurde ihm der Brief förmlich aus der Hand gerissen! Einen Augenblick stand er mit dem zweiten Schreiben in der Hand und tat, als ob er nur schwer die Handschrift entziffern könne. Bevor er den Namen ‚Antoinette Apostolou’ vorlesen konnte, war ihm der Umschlag bereits aus der Hand genommen worden! Glücklich lachend liefen die beiden in das kleine Zeltlager bei Givat Hazeva zurück, und das rote Postauto setzte seine Fahrt in südlicher Richtung fort…

Eines Tages standen die jungen Frauen jedoch nicht mehr an der Iddan Junction, um auf die Post zu warten. „Sie sind für kurze Zeit nach Europa gereist", erzählte der Beduine Machmet; ich passe in der Zwischenzeit auf ihr Camp auf!"

Kaiser Wilhelm hatte sich damit einverstanden erklärt, die beiden jungen Frauen mit auf die Reise zu nehmen. Dies war ein weiterer Beweis für die Veränderung, die in seinem an Regeln und Gesetzen gebundenen Offiziersherzen stattgefunden hatte. „Selbstverständlich sollen die jungen Damen mit nach Europa kommen", hatte er zu Sara gesagt, „Stell dir vor, wenn sie dort ihre geliebten Männer Jack und Jan wieder treffen könnten. Diese Ausdrucksweise hätte Kaiser Wilhelm früher niemals angewandt, doch ‚seine geliebte Sara’ hatte seine ganze Wortwahl auf den Kopf gestellt…

Kaiser Wilhelm hatte sie jedoch nicht wissen lassen, dass die Art seines Nachforschungsauftrages durch die Anwesenheit von Ursula und Antoinette erheblich erschwert werden würde. Seine Aufgabe bestand darin, die zwei verschwundenen, jungen Männer, Jack Robinson und Jan Apostolou aufzuspüren. „Sie sind im Besitz meiner Aktenmappe", hatte Adolf E. ihn unterrichtet. „Die Ledermappe enthält wichtige Papiere, die ich unbedingt zurück haben muss! Sorgen Sie dafür, ihnen die Mappe abzunehmen. Es geht mir dabei nicht in erster Linie um die Personen! Im Augenblick ist nur meine alte, verschlissene Dokumentenmappe von Bedeutung!"

Adolf E. hatte ihn verstehen lassen, dass er Kaiser Wilhelm für diese Aufgabe ausersehen hatte, weil er die jungen Männer persönlich kannte. Kaiser Wilhelm wusste, wie sie aussahen und konnte durch sein persönliches Wissen über ihr Tun und Treiben, besser ihren Aufenthaltsort in Erfahrung bringen. Als er am Telefon über den Plan des Kaisers erfuhr, die Frauen der beiden frisch verheirateten Männer mitzunehmen, war er begeistert. „Ausgezeichnet!" rief er, „Nehmen Sie sie als Lockvögel mit; sie werden die beiden Aufrührer schon in die Falle tappen lassen…

Nach den mir vorliegenden Informationen", hatte Engels hinzugefügt, „wäre es klug, Plätze auf der Schnelllinie Coastal Express zu bestellen, die von der norwegischen Stadt Bergen ausläuft. Dort werden die beiden Herren auftauchen. In welcher Verkleidung sie auftreten werden, ist mir nicht bekannt, doch sicher ist, dass sie meine Aktenmappe mit dabei haben. Das Schiff heißt ‚König Harald’ und wird nach 2500 Seemeilen an der norwegisch-russischen Grenze vor Anker gehen. Während dieser 11 Tage dauernden Schiffsreise müssen sie Ihren Auftrag ausführen. In drei Wochen erwarte ich Sie mit meiner alten Aktenmappe in meinem Büro in Jerusalem. Wenn Sie mir diese überreichen, muss sie die beiden ‚blutigen Notizen’ enthalten. Um diese Papiere geht es mir! Die Personen sind mir im Augenblick gleichgültig! Es ist die Ledermappe mit den ‚roten Zetteln’, die ich unbedingt zurückhaben muss! Gute Reise!"