DIE BLUTIGE NOTIZ
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 37

„Wir treffen uns auf dem Fleischmarkt von Smithfield", lautete Anna Davids kurze Telefonnachricht. Als sie ihr kleines, metallblaues Handy zusammenfaltete, lächelte sie vor sich hin: „Der schwarze Kardinal auf dem 1000-jährigen Londoner Schlachtermarkt", flüsterte sie. „Der Ort, den Charles Dickens in seinem Werk ‚Great Expectations’ als ‚Schandstätte’ bezeichnet. Der geheimnisvollste Jesuitengeneral unserer Zeit wird in einer Stunde an dem Ort eintreffen, den Dickens als einen von Fleisch, Schmutz und Blut überquellenden Markt bezeichnet …"

Der schwarze Kardinal, Jürg Ratgeber, lag sanft den Telefonhörer auf. Er befand sich in seinem Hotelzimmer in der St. Johns Street. „Der Fleischmarkt in Smithfield ist ja nicht weit von der Kirche des großen St. Bartholomäus entfernt, die seit Jahrhunderten ‚die Himmelspforte’ genannt wird. Ich brauche bloß die Grand Avenue herunterzugehen und die Long Lane zu überqueren, dann komme ich nach West Smithfield. Dort ist die heilige Stätte, an der die Jungfrau Maria sich offenbart und versprochen hat, dass diejenigen, die an diesem Ort beten, ewige Gnade und Segen erfahren werden…"

Während die Sonne langsam über den Dächern Londons unterging, begaben sich zwei Gestalten auf das gleiche Ziel zu. Die eine – eine in Weiß gekleidete Frau–, machte sich auf zum ‚Ort der Schande, der von Blut bedeckt ist. Die andere – ein schwarzer Prälat – war auf dem Weg zur ‚Himmelspforte’, einer Stätte, die ‚ewige Barmherzigkeit und Gnade’ versprach. Bei ihrem Treffen ging es um ein Stück Papier, auf dem die letzten Worte eines Toten standen. Keine Fälschung oder Wiedergabe einer verdrehten Botschaft, sondern die echte Notiz, die von dem sterbenden Präsidenten geschrieben und mit seinem eigenen Blut besiegelt worden war. Wenn alles nach Plan ging, würde die echte, blutgetränkte Notiz, die der Kardinal besaß, an diesem Abend den Besitzer wechseln! Der blutverschmierte Zettel, den der tödlich verletzte EU-Präsident Pierre Henri Clark dem Kardinal übergeben hatte, bevor er verstarb, würde aller Wahrscheinlichkeit nach der BBC-Chefin Anna Davids anvertraut. Aber nichts war sicher. Der größte Handel in der eintausendjährigen Geschichte des Schlachtermarktes war noch nicht abgeschlossen. Ein schändliches Schachern, eine finstere Absprache würde stattfinden; sie konnte möglicherweise jemandem das Leben kosten.

Der Treffpunkt der beiden war die erwähnte Kirche aus dem 12. Jahrhundert. „Hier hatte der Beichtvater Edward einen prophetischen Traum!" rief der Kardinal aus, als er Anna D. begrüßte. „Wir treffen uns an der Stelle, die die ‚Himmelspforte’ genannt wird…"

„Haben Sie den ‚roten’ Zettel mitgebracht?" Annas Stimme klang kühl und scharf. „Wenn nicht", fügte sie hinzu, „kann Ihre ‚Himmelspforte’ der Eingang zur Hölle werden …"

„Was meinen Sie damit?"

Anna blieb stehen und zeigte auf die Steinbrücke, auf der der Kardinal stand. „Wenn wir die Geschichte zu Wort kommen lassen, dann rufen diese Steine, auf denen Sie stehen, laut zum Himmel! Genau hier wurden nämlich im 16. Jahrhundert die protestantischen Märtyrer an einen Pfahl gebunden und verbrannt. Der Herr Kardinal steht auf heiligem Boden. Er braucht zwar seine Schuhe nicht auszuziehen, aber er muss den Papierzettel abliefern, den er dazu benutzen will, die Scheiterhaufen aufs Neue anzuzünden!"

„Ich verstehe nicht…" Der Kardinal schien offensichtlich verwirrt.

Anna D. nahm den bleichen, dunkelgekleideten Prälat an den Arm und führte ihn hin zum alten St. Bartholomäus Krankenhaus. Sie wies auf ein paar alte, verwitterte Holzschnitzereien, die an der Mauer befestigt waren.

„Können Sie erkennen, was diese geschnitzten Bilder darstellen?"

„Brennende Scheiterhaufen!"

„Und mitten im Scheiterhaufen?"

„Menschen!"

„Welche Art von Menschen?"

„Die protestantischen Gläubigen, die nicht bereit waren, ihre ketzerischen Worte und Handlungen zurückzunehmen!"

„Wie zum Beispiel?"

Dem Kardinal war deutlich anzumerken, dass er irritiert war. „Hören Sie, Frau Davids! Das hört sich ja gerade so an, als ob Sie mich auf dem Scheiterhaufen verbrennen wollten! Sie können mich doch nicht für die vor mehreren Jahrhunderten stattgefundenen, religiösen Vergehen verantwortlich machen."

„Aber gewiss!" Anna D. ließ sich nicht beirren. „Wenn bald eine neue Bartholomäusnacht über uns hereinbricht und neue Verbrechen an der Tagesordnung stehen werden, dann müssen solche Dinge wieder angesprochen werden! Was steht auf dieser blutigen Notiz, die der Präsident Ihnen in Brüssel gegeben hat, bevor er starb? Was war seine Botschaft?"

Der Kardinal nahm eine kleine, schwarze Ledermappe aus seiner Tasche. Die Mappe war nur wenig größer als eine Brieftasche. Als er sie öffnete, war auf der Innenseite eine durchsichtige Hülle zu sehen, die das blutverschmierte Papier enthielt. Die Schrift war zittrig und unsicher, doch deutlich lesbar. Die Worte standen mit großen Buchstaben auf dem Papier. Nicht wie ein handgeschriebener Brief, sondern eher wie eine auf eine Wand aufgezeichnete Botschaft.

Anna D. nahm die schwarze Mappe an sich und las bei schummriger Beleuchtung mit gedämpfter Stimme: „GEBEN SIE ACHT AUF DIE WÜSTENBEWOHNER! HELFEN SIE IHNEN! UNTERSTÜTZEN SIE SIE!"

Sie legte den Zettel zurück und steckte die kleine Mappe in ihre Tasche…

Der Kardinal streckte seine Hand nach der Mappe aus, doch Anna wich zurück. „Wir haben vereinbart, um dieses Stück Papier zu verhandeln", rief sie aufgebracht. „Ich für meinen Teil sage ja zum Handel. Ich darf das Papier behalten, und als Bezahlung werde ich Ihr Geheimnis nicht preisgeben!"

„Mein Geheimnis?" flüsterte der Kardinal verbittert. „Was wissen Sie von meinem Geheimnis?"

„Ich hatte einen Mann beauftragt, Ihnen zu folgen!"

„Mir zu folgen?" Der Kardinal wich entsetzt zurück. „Ich meine, dass wir beide an der gleichen Sache arbeiten?"

„Ja, wir waren Mitarbeiter! Doch damit ist jetzt Schluss! Die alten Holzschnitzereien, nicht weit vom blutigen Metzgermarkt entfernt, sprechen für sich. Ihr Kampf gegen die so von Ihnen genannten Ketzer ist noch im vollen Gange! Sie bereiten sich darauf vor, überall diejenigen Christen protestantischen Glaubens umzubringen, die sich immer noch weigern, ihre Knie vor dem Papst und der Jungfrau Maria zu beugen, und die sich Ihrer Auffassung vom Abendmahl nicht anschließen wollen! Sie haben ‚die blutige Notiz’ verfälscht! Sie haben die Botschaft dahingehend verändert, dass sie sich gegen die Wüstenbewohner richtet…"

„Ihrer Meinung nach ist das also mein ‚Geheimnis’?" Die Frage des Kardinals war eine Herausforderung. Er gab hiermit zu verstehen, dass er nicht bereit war, die Mappe mit der ‚blutigen Botschaft’ für eine derlei geringe Enthüllung herzugeben.

„Nein!" Anna D. hielt ihre Tasche fest an sich gepresst, da der Kardinal sich wieder danach ausstreckte. „Sie teilen mit Ihrem Verschworenen, dem Bischof Valentin, ein hässliches Geheimnis. Bis jetzt haben Sie Ihre Hand nur über homosexuelle Pfarrer gehalten, und Sie haben große Summen aus dem Kirchenbesitz bezahlt, um diejenigen mundtot zu machen, die diese Männer anklagen, Kinder missbraucht zu haben. Mit diesem Papier fällt das Scheinwerferlicht auf Ihr eigenes Leben; Sie tun gut daran, sich von diesem Papier zu trennen…"

„Und Sie werden schweigen?"

„Ja, unter der Bedingung, dass Sie nicht versuchen werden, mich zum Schweigen zu bringen! Wenn Sie mir Ihre schwarzen Soldaten auf den Hals schicken, Herr General, werde ich mich zu verteidigen wissen!"

„Meine ‚schwarzen Soldaten’?"

„Ja, Ihre 20.000 papsttreuen Mörder, die vor keinem Mittel zurückschrecken, um ihr ‚heiliges’ Ziel zu erreichen!"

„Wie zum Beispiel?"

„Wie zum Beispiel den Mann unschädlich zum machen, der in einer Gondel in Brüssel zu Ihren Füßen verblutete!"

„Was wissen Sie über diese Sache?" Der Kardinal wollte ihr aufs Neue die Tasche aus der Hand reißen.

„Der Mörder war einer Ihrer Leute!"

„Und was sonst noch?" Dem leichenblassen Jürg R. wäre es fast gelungen, das wichtige Papier an sich zu reißen. Zufällig vorbeigehenden Fußgängern fiel das ungewöhnliche Benehmen auf. Sie sahen, wie ein in Schwarz gekleideter Pfarrer danach trachtete, einer Frau im weißen Kleid die Tasche zu stehlen. Ein paar junge Männer traten hervor.

„Was geht hier vor sich?" riefen sie.

„Dieser Pfaffe will mir meine Tasche stehlen", rief Anna D. verzweifelt. „Helfen Sie mir! Er ist gefährlich! Ich glaube, dass er ein gewissensloser Verbrecher ist!"

Die beiden jungen Männer ergriffen Jürg Ratgeber. „Sind Sie wirklich Pfarrer?"

„Ich bin Kardinal", antwortete er. „Die Frau ist geistesgestört. Glauben Sie ihr ja nicht! Ich bin in der Tat unschuldig. Lassen Sie mich gehen!"

Die jungen Männer und die Schar, die sich gebildet hatte, waren verwirrt. Der Pfarrer war ganz offensichtlich ein gebildeter Mann. Sein vornehmes Aussehen und gepflegte Sprache machten nicht den Eindruck, dass er ein ‚mörderischer Verbrecher’ sei.

„Wir wollen die Polizei rufen!" schlugen die beiden jungen Männer vor. „Wir haben gesehen, wie der Priester versucht hat, der jungen Dame die Tasche zu entreißen. Darin muss wirklich eine große Geldsumme stecken, wenn selbst ein Kardinal bereit ist, zum Dieb zu werden!"

Die beiden jungen Männer nahmen die Tasche mit Gewalt an sich und öffneten sie. Die weiß gekleidete Frau rief aufgebracht: „Die Tasche ist mein persönliches Eigentum! Wie können Sie es wagen, darin herumzuwühlen?"

Der eine der beiden Männer nahm die schwarze Ledermappe und öffnete sie. „Hier sind sicher die großen Dollarscheine versteckt, die der Pfarrer haben wollte", rief er triumphierend. Er suchte, doch fand nur die Plastikhülle mit dem in Blut getränkten Zettel.

„Nichts von Wert!" rief er dem anderen zu. Mit diesen Worten pfropfte er die schwarze Mappe in die Tasche zurück. Dabei löste sich die Plastiktüte und fiel auf die Steinbrücke. Durch einen Windstoß wurde sie unter die Menschenmenge geweht. Wie hypnotisiert starrten die in weiß gekleidete Frau und der in schwarzer Robe eingehüllte Pfarrer die schimmernde Plastiktüte mit dem rotweißen Papier an, die nun die Straße entlang fegte.

Die beiden jungen Männer warfen dem Pfarrer die Tasche hin und riefen: „Bitte, es ist kein Geld in dieser Tasche! Sie können sie selbst der Dame zurückgeben. Wir wollen die Polizei damit nicht belästigen!"

Und so gingen sie weg…

Der Pfarrer gab der Frau die Tasche eilig zurück. Daraufhin hasteten beide die Straße entlang. Die Menschenmenge löste sich auf. Einige lachten laut und kamen mit witzigen Bemerkungen. Die beiden jungen Männer waren in Richtung Cock Lane verschwunden. Sie waren bei der kleinen Straße ‚The Fortune of War’ um die Ecke gebogen. Der Priester und die junge Frau folgten ihnen, denn das Papier mit der Blutbotschaft war in diese Richtung geweht.

Außer Atem hielten sie beide an der Ecke an, an der in alter Zeit eine eigenartige, schauderhafte Wirtschaft lag. Die Straßenanwohner nannten sie ‚Die Kneipe der Auferstehungsmänner’, denn hier trafen sich die Totengräber, die Leichen stahlen. In diesem lichtscheuen Wirtshaus verhandelten die Leichenräuber über den Preis der ausgegrabenen Leiber, die den Anatomieprofessoren im St. Bartholomäuskrankenhaus verkaufte wurden.

„Hier ist viel abscheulicher Handel abgeschlossen worden", sagte Anna Davids zum Kardinal gewandt, der nach Luft rang, „und hier enden auch unsere ‚Abmachungen’. Das Papier ist – wie Sie sehen – vom Winde verweht, sodass ich Ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet bin. Das heißt, das alle Vereinbarungen zwischen uns null und nichtig sind …"

„Auch ich bin an nichts mehr gebunden", antwortete der Kardinal kalt.

„Was meinen Sie damit?" fragte Anna D. ängstlich. „Soll das etwa eine Drohung sein?

„Übrigens leben die Leichenräuber noch", antwortete der Kardinal beiläufig. „Deshalb werden sie ‚die Auferstehungsmänner’ genannt.

„Die schwarzen Killer?"

„Natürlich! Wie Sie sehr wohl wissen, stehen mir 20.000 zur Verfügung. Sie werden Sie schon finden, ob tot oder lebendig!"

„Und Ihr Geheimnis?"

„… nehme ich mit mir ins Grab. Daraus wird keine Geschichte für die BBC!"

Damit machte der Kardinal kehrt. Er ging durch die kleinen Gassen, zurück zur Pie Corner und weiter in Richtung Long Lane und Grand Avenue. Als er an der Stelle vorbeikam, an der die protestantischen Märtyrer verbrannt worden waren, beschleunigte er seine Schritte. Von einer Straßenecke aus erhob sich ein alter, bärtiger Bettler. Mit seinem Stock humpelte er vor dem schwarzen Kardinal her. Dabei streckte er seine Hand aus, doch der in Gedanken versunkene Priester schüttelte nur den Kopf.

„An dieser Stelle des Schlachtermarktes wurden die Lämmer geschlachtet!" sagte der Bettler.

„Die Lämmer?" Der Kardinal blieb stehen.

„Ja", antwortete der Bettler, „das Lamm Gottes!"

„Das Lamm Gottes?" Der ‚schwarze’ Priester wiederholte die Worte, als ob er zu sich selber spreche.

„Ja, das Lamm Gottes…"

Jürg Ratgeber wollte weitergehen, doch der schmutzige Bettler mit dem Stock stellte sich ihm in den Weg. „Und hier wurde Wat Tyler enthauptet!"

„Wat Tyler? Kenne ich nicht!"

„Der Leiter eines Bauernaufstandes!"

„Na ja, die Obrigkeit trägt das Schwert ja nicht umsonst. Er hatte es sicher verdient. Aufstände müssen manchmal mit harter Hand niedergeschlagen werden."

„Bevor der Henker ihm den Kopf abschlug, ging der Bürgermeister persönlich zu ihm hin und stach ihm ein Messer in den Leib!"

„Das waren grausame Zeiten!" Der Kardinal wollte weitergehen. „In welchem Jahr geschah dies?"

„Im Jahre 1381."

Der Kardinal blieb aufs Neue stehen und nahm einen Euro aus seiner Tasche. „Sie sind ja bestens informiert, doch glücklicherweise leben wir nun in einer anderen Zeit. Wir stechen den Leuten keine Messer in den Leib, bevor sie hingerichtet werden!"

„Nein?"

Der Kardinal drehte sich um, um den Bettler näher in Augenschein zu nehmen, doch dieser humpelte in Richtung St. Bartholomäuskrankenhaus davon. Plötzlich wandte er sich jedoch noch einmal um und warf dem Priester die Euromünze zu. „So", rief er mit kräftiger Stimme, „die Leute werden also nicht mit Messern erstochen…?"

Der Kardinal beugte sich und hob die Münze auf.

„Er glaubt wohl, dass er das mit Geld wieder gutmachen kann", fuhr der Bettler fort und wandte sich dabei an die erstaunten Passanten. „Und er behauptet, dass man nur damals Menschen mit Messern erstach! Er sagt, dass dies heute nicht mehr passiert!"

*

In einem Londoner Hotel, nur wenige Minuten vom alten Schlachtermarkt entfernt, empfing Jeff Straw die beiden jungen Männer, die der jungen Frau zur Hilfe geeilt waren. Es waren Jan und Jack, die er aus Brüssel herbestellt hatte, um (wie er ihnen mitgeteilt hatte) ‚die Entlassung von John und Virginia Williams sicherzustellen’.

„Wir haben das Original der blutigen Notiz!" erklärten die beiden sofort, als sie ins Hotelzimmer traten.

„Das heißt: ‚Mission accomplished!’" Jeff umarmte seine beiden alten Freunde.

Die Plastiktüte wurde auf den Tisch gelegt und die letzten Worte von Pierre Henri laut vorgelesen: „GEBEN SIE ACHT AUF DIE WÜSTENBEWOHNER! HELFEN SIE IHNEN! UNTERSTÜTZEN SIE SIE!"

„Nun haben wir beide Botschaften", erklärte Jeff. „Die falsche und die richtige. Mit diesen Unterlagen müssten wir imstande sein, unsere Freunde aus dem Gefängnis zu bekommen."

„Haben wir wirklich beide Versionen?" Jack und Jan schienen überrascht.

„Ja, wir hatten Leute im Kopenhagener Flughafen, als Adolf Engels sich mit dem Papier, das ihm im Polizeipräsidium ausgehändigt worden war, auf dem Weg zurück nach Jerusalem befand. Sie fingen seine Dokumentmappe ab, als sie durch die elektronische Durchleuchtungsanlage befördert wurde. Die Mappe habe ich hier! Nun legen wir das Original zusammen mit der Fälschung in Adolf Engels Ledermappe. Diese beiden Papierstücke sind unsere stärkste Waffe gegen das System, das den Wüstenbewohnern an den Kragen will. Starke Kräfte werden versuchen, diese abgenutzte Mappe an sich zu reißen. Die halbe Welt ist nun auf der Jagd nach der Dokumentenmappe des Jerusalemer Sicherheitschefs. Es ist nun unsere Aufgabe, den Inhalt dieser Botschaft an die Öffentlichkeit zu bringen, sowie dem Gericht diese entscheidenden Beweise vorzulegen! Wenn uns dies nicht gelingt, hängt das Leben unserer Freunde an einem dünnen Faden; doch wenn es gelingt, dann haben wir die letzten Worte unseres Freunds und Bruders Pierre Henri erfüllt, nämlich den Wüstenbewohnern zur Hilfe zu eilen."

In dem kleinen Hotelzimmer herrschte eine fast andachtsvolle Stille. Unwillkürlich erhoben sich die drei jungen Männer und reichten einander die Hände. „Amen! So soll es sein!" gelobten sie feierlich.

Unten auf der Straße des billigen Hotels humpelte ein armer Bettler vorbei. Er stützte sich auf einen krummen Stock. Der Wind fuhr durch seine Lumpen. Er blieb stehen und lauschte. Aus der schmalen Gasse war kein Laut zu hören. Dann wandte er sein bärtiges Gesicht hin zum Hotelfenster. Seine klaren, blauen Augen leuchteten. Auf seinem Angesicht war ein warmes und frohes Lächeln zu erkennen. Er wanderte still weiter, während er flüsterte: „Amen! So soll es sein!"