DIE BLUTIGE NOTIZ
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 36

Jenny Larsen wurde von allen als ehrlich und unbestechlich, amüsant, umgänglich und vor allem als fair angesehen. Wie konnte Adolf Engels, der für den Sicherheitsbereich Verantwortliche und Chefideologe innerhalb der Weltgemeinschaft, nur auf die Idee verfallen, dass die Polizeidirektorin des Kopenhagener Polizeipräsidiums gegen ihre eigene Überzeugung handeln würde?

Alle die Jenny kannten, wussten: Wenn die Polizeichefin plötzlich schweigend den Raum verlässt, dann will sie damit zum Ausdruck bringen, dass sie das Gesprächsthema als unmoralisch oder unredlich ansieht. Genau dies war gerade geschehen, als ‚der Besuch aus Jerusalem’ darauf bestanden hatte, John Williams und seine Frau weiter im Gefängnis festzuhalten, weil Brüssel es so wolle.

Als Jenny Larsen ‚Polizeimeisterin’ des ganzen Landes wurde, wurde intensiv in ihrer Vergangenheit geforscht. Man wollte wissen, mit welchen Leuten sie verkehrt hatte, wofür sie Geld auszugeben bereit war, welche Worte sie zu Papier gebracht hatte und welchen Interessen, sie nachgegangen war. Dies alles, um mögliche Anklagepunkte zu finden, doch vergeblich! Ihr Lebenswandel war einwandfrei. Nun wollte Adolf E. wollte ein neues Kapitel hinzufügen! „Brüssel empfiehlt diese Vorgehensweise", hatte er gesagt. Danach sollte Jenny Larsen sich nun richten…

„Wer ist diese Frau?" hatte Adolf E. flüsternd gefragt, als er sah, wie Jenny Larsen in ihrer mit fünf Sternen versehenden Uniformjacke hinter der Tür verschwand.

„Die Oberbefehlshaberin des Polizeipräsidiums, Herr Engel, Kopenhagens Polizeichefin!"

Adolf Engels nickte vor sich hin und machte einige Notizen in seinen Kalender. Er hatte eine Auskunft erhalten, die ihm nützlich sein würde. Nach dieser Besprechung ahnte er, dass es Schwierigkeiten geben würde im Hinblick auf die Inhaftierung des Ehepaars John und Virginia Williams. Und noch größere in Bezug auf die Auslieferung dänischer Staatsbürger. Um weitere Fortschritte erzielen zu können, sah er diesen als den einzigen gangbaren Weg an. In diesem Punkt kam ihm die neue europäische Gesetzgebung sehr entgegen! Die neuesten EU-Bestimmungen ermöglichten nämlich eine gerichtliche Verfolgung der beiden gefährlichen Terroristen’ an dem Ort, an dem diese mit größter Effizienz durchgeführt werden konnte…

Adolf Engels erhob sich. „Aufgrund weiterer Nachforschungen beantrage ich die Auslieferung von John und Virginia Williams an Babylon oder Jerusalem. Hinter dem Terrorangriff hier in Kopenhagen verbirgt sich religiöser Fanatismus und Fundamentalismus. Die Weltgemeinschaft steht nun einem neuen Feind gegenüber, der meint, im Namen Gottes kämpfen zu müssen. So wie man gegen den islamischen Extremismus vorgegangen ist, müssen fortan auch die christlichen Sekten bekämpft werden. Diese Wüstenbewohner sind eine solche Sekte. Deshalb sind wir vor ihnen gewarnt worden!" Adolf E. zog die kleine Plastiktüte aus seiner verschlissenen Ledermappe. Die Nummer leuchtete auf gelbem Hintergrund: ‚24776/44.P.H.C.s Handschrift’. Er nahm den blutigen Zettel zur Hand und las laut: „NEHMEN SIE SICH IN ACHT VOR DEN WÜSTENBEWOHNERN! BEKÄMPFEN SIE SIE! ROTTEN SIE SIE AUS!"

„Dies sind die letzten Worte unseres verstorbenen Präsidenten!" kommentierte er bedeutungsvoll und fuhr fort: „Wir sollten immer den letzten Worte eines Mannes Beachtung schenken. Diese Warnung wurde nicht nur von irgendjemandem übermittelt, sondern von einer Person, die wenige Minuten später seinen Verletzungen erlegen ist, nachdem er von der Kugel seines neuen Feindes getroffen worden war. Die Worte: ‚Nehmen Sie sich in Acht’ wurden von einem Menschen niedergeschrieben, der sich selbst unter diesen ‚Wüstenbewohnern’ aufgehalten hatte. Unser EU-Präsident wusste, was hinter den äußeren religiösen Kulissen vor sich ging. Ihm war bekannt, was dort in den geheimnisvollen Höhlen in Saudi Arabien geschah. Er hatte eine Ahnung von der Gefahr, die von einer Atomterrordrohung ausgeht. Die dänischen Behörden wissen nur sehr wenig davon. Babylon und Jerusalem sind jedoch im vollen Umfang darüber informiert. Deshalb sollte das Ehepaar so schnell wie möglich ausgeliefert werden; es sollte keine Zeit vertan werden…

*

Später am Tag begründete A. Engels diese Erklärung einer kleineren Gruppe von Regierungsbeamten in Christiansborg. Seine Erklärung lautete wie folgt:

„Bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts als amerikanische Spionflugzeuge und Satteliten imstande waren, Aufsichtserregendes Material über die unterirdischen Atomwaffenversuche in Nordkorea zu sammeln, wurde man auf die ‚geheimnisvollen’ Höhlen in Saudi Arabien aufmerksam! Obwohl Ende des vorigen Jahrhunderts intensive Nachforschungen angestellt worden waren, fand man jedoch keinerlei klare Beweise für die Existenz von Atomwaffen. In der besagten Gegend gab es nichts anderes als leere Höhlen! Zu Anfang des neuen Jahrtausends wurde dann in Nordkorea, in der Gegend von Kilju, im nordöstlichen Teil des Landes, hektische Aktivität beobachtet. Zu diesem Zeitpunkt wusste man jedoch nicht, ob es sich nur eine Bluffnummer des nordkoreanischen Diktator Kim Jong II handelte, doch selbst China reagierte scharf auf diese Möglichkeit, und die internationale Atomenergieagentur bezeichnete die Situation als ‚katastrophal’.

„Damals wurde ‚Null-Toleranz’ gegenüber der neuen Gefahr gezeigt", beendete A. Engels sein Briefing in Christiansborg, „deshalb sollte in gleicher Weise gegen das verhaftete Ehepaar vorgegangen werden. Der Däne hat sich in den geheimnisumwitterten Höhlen im ehemaligen Moab aufgehalten. Was er dort unternommen hat, weiß keiner! Er sollte zu weiteren Nachforschungen an den Nahen Osten ausgeliefert werden…"

Als A. Engels einen Artikel aus der israelischen Zeitung, Maariv, als Dokumentation vorlegte, waren die dänischen Regierungsbeamten beeindruckt. Dieser beschrieb John W. als Spion. „Er hat sich mit seiner Familie auf einer Kaktusfarm in der Nähe der israelischen Wüstenstadt Dimona niedergelassen", hieß es in dem Artikel, „damit er von dort aus die nahe gelegene Nuklearstation ausspionieren kann…"

Früh am nächsten Morgen war A. Engels auf dem Weg zum Kastruper Flughafen, um mit Austrian Airlines über Wien nach Ben Gurion zu fliegen. Ihm fielen nicht die zwei Männer auf, die ihm auf einigem Abstand folgten. Ihr Blick ruhte fortwährend auf der alten Ledertasche des EU-Sicherheitschefs. Dieser ging durch die Sicherheitskontrolle und lieferte sein Handgepäck zur elektronischen Durchleuchtung ab. Als das Transportband seine Tasche in den dunklen ‚Tunnel’ beförderte, kam ein Sicherheitsbeamte auf ihn zu, um ihm kurz ein paar Fragen zu stellen. Als Adolf E. schließlich seine Tasche auf der anderen Seite der Maschine in Empfang nehmen wollte, war sie nirgendwo zu sehen. Die Mappe war in aller Eile von unbekannten Reisenden entfernt worden. Darin befand sich die kleine Plastiktüte mit der ‚blutigen’ Notiz…

*

Der Himmel war wie ein Sternenpalast über dem roten Gebäude in Drogenboss, einem Vorort von Brüssel, in dem Geneviève Strauss an diesem Abend zu einem besonderen Schachspielevent in ihren Salon eingeladen hatte. Auf dem gepflegtem Rasen standen kleine Schachspieltische, an denen die Gäste miteinander spielten. Wie gewöhnlich war die Luft mit Gelächter und leiser Musik erfüllt. Die offensichtlich einzige Stätte in Brüssel für freien Meinungsaustausch war gut besucht.

Im Musiksalon fand ein Vortrag über große Schachspieler statt. Es wurde von dem unüberwindlichen Schachmeister, Bobby Fischer, berichtet, der aus einem japanischen Gefängnis geschmuggelt worden war, nachdem er 1992 Boris Sparski in Belgrad geschlagen hatte. Ihm wurde politisches Asyl in Finnland gewährt, wo er dem Vernehmen nach als Verrückter endete. Das Schachgenie hatte die wahnwitzige Idee, dass jemand seine Zahnfüllungen entfernen und sie mit elektronischen Sendern erstatten wolle, um so seinen Gedankengang zu beeinflussen.

Unter den Zuhörern befand sich auch Bischof Valentin. Er hatte einen engen Freund mitgebracht. Ein etwas feminin aussehender, junger Mann aus der EU-Verwaltung.

Der Bischof wandte sich seinem jungen Freund zu: „Keine schlechte Idee, das mit den elektronischen Sendern in den Zähnen", lachte er. Der junge Mann lächelte zerstreut und sah sich ängstlich um. Bischof Valentin legte beschützend seinen Arm um die Schulter seines Begleiters.

In einer Ecke des Gartens saßen Mr. und Mrs. Jones. Nach ihrer Gewohnheit hatten sie eine kleine Gruppe enger Freunde um sich versammelt. Während sie unter der Gartenlampe Schach spielten, sprachen sie flüsternd miteinander. Unter ihnen befanden sich drei besondere Gäste: Professor Fruchtenbaum mit Jan Apostolou und John Robinson. Am Rande der Gruppe saß der junge Dirk van Honthorst…

Hin und wieder nahm Bischof Valentin die kleine Schar in Augenschein. Sie spielte ganz offensichtlich Schach, doch unterhielt sich flüsternd dabei. Verbissen schaute er zu Pastor Jones herüber, mit dem er wenige Monate zuvor bei der dramatischen Debatte im Straßburger EU-Parlament zusammengestoßen war. Am liebsten hätte er nun die Polizei rufen lassen, weil er meinte, unter diesen so genannten ‚Schachspielern’ mehrere bekannte Gesichter wieder erkannt zu haben, die auf der Fahndungsliste standen, doch kannte er die ‚Spielregeln’ in Geneviève Strauss' Salon. Hier wurde keinerlei Einmischung von Seiten der Behörden toleriert. Das Haus war sogar von höchster Stelle als Freistätte anerkannt worden. Hier durfte keine Überwachung oder Intervention stattfinden. Ja, selbst der Bischof ward nur ungern gesehen…

„Was wir in diesen Tagen erleben", erklärte Pastor Jones der lauschenden Schar, die über das Schachbrett gebeugt saß, „ist der Beginn zur Erfüllung der Worte Jesu, der warnend erklärt, dass Seine Nachfolger in der Endzeit ‚von allen Menschen gehasst werden’…"

„Wenn dies geschehen soll", erklärte er weiter, „dann muss das Verbrechen, das man ihnen zutraut, so gravierend und abscheulich sein, dass sie mit recht verfolgt und vors Gericht gebracht werden können, um bestraft zu werden."

„Zum Beispiel?" fragte einer der jüngeren Schachspieler.

„Zum Beispiel", antwortete Pastor J. „das Verbrechen, das man nun versucht unseren Freunden, John und Virginia, in die Schuhe zu schieben: Terrorangriff auf unschuldige Menschen sowie die Behauptung, dass sie über das Geheimnis einer kommenden Atomdrohung verfügen."

„Werden die Leute an eine solche Geschichte glauben?" fuhr der junge Schachspieler mit seinen Fragen fort. „Die Christen sind im Allgemeinen dafür bekannt, dass sie von einer solchen Handlungsweise Abstand nehmen."

„Das stimmt. Doch diese Auffassung wird sich ändern. Der Islam hat in dieser Hinsicht den Weg für die gesellschaftliche Einstellung zu ‚religiösen, fanatischen, militanten, extremen und sektiererischen Aktivitäten gebahnt. Aufgrund blutiger Anschläge so genannter ‚religiöser Fundamentalisten’ hat sich die Weltgemeinschaft vor islamischen Sekten und Verkündern dieser Art beschützen müssen. Die neue Gesetzgebung wird nun jede beliebige Form von ‚religiösem Fundamentalismus’ einschließen. Deshalb werden alle Christen, die daran glauben, dass die Bibel Gottes unfehlbares Wort ist, auch als ‚gefährliche Sekten’ angesehen werden."

Pastor Jones betrachtete die kleine Zuhörerschar. Einen Augenblick lang ruhte sein Blick betrübt und prüfend auf Dirk van Hornthorst.

„Es wird Denunzianten unter uns geben", fuhr er mit gedämpfter Stimme fort. „Lasst uns niemals die Worte vergessen, die wir beim Brotbrechen wiederholen: „In der Nacht, in dem er verraten wurde…" Eine solche Finsternis erwartet uns. Judas lebt noch immer. Kinder werden ihre Eltern verraten und Freunde einander dem Tod überliefern…"

Dirk van Hornthorst schlug die Augen nieder.

„Während der letzten Mahlzeit mit seinen Jüngern tauchten Judas und Jesus gleichzeitig ihr Brot in den Wein, und Jesus sagte: „Was du tust, tue es jetzt…" und die Schrift sagt: „Judas stand auf und ging in die Finsternis hinaus…"

Im gleichen Augenblick war das Poltern eines fallenden Stuhls zu hören. Dirk van Hornthorst hatte sich erhoben und verließ schnellen Schrittes den Garten. Er ging nicht durchs Haus, sondern sprang über die niedrigste Stelle im Gartenzaun und verschwand in der Finsternis…

„Unsere drei Freunde hier", fuhr Pastor Jones fort und zeigte auf Prof. Fruchtenbaum, Jan und John, „sind aus dem Nahen Osten angereist, um im Untergrund lebende Gemeinden und Hausgruppen zu besuchen. In den kommenden Wochen werden sie auf Rundreise sein. Nehmt sie herzlich auf; sie haben viel zu berichten und können euch viel aus der Heiligen Schrift darlegen. Sorgt für Treffpunkte an verborgenen und einsamen Orten; sie haben auf dem Herzen, euch in Gottes geheimnisvollen Plan für die letzte Generation einzuweihen."

Mit innerlicher Herzlichkeit und Wärme streckten alle Mitglieder dieser gleichen Gartengesellschaft ihre Hände den drei Neuankömmlingen entgegen.

„Sie sind nicht die einzigen, die über den geheimnisvollen Plan Gottes für die letzte Generation berichten können", schloss Pastor Jones. „Auch Rom hat einen solchen Plan! Das verborgene, eifrige Soldatenheer des Papstes steht bereit, seine Macht zu beweisen. Dies geschieht in diesen Stunden in Kopenhagen. Was haben Sie uns zur Verhaftung von John und Virginia Williams zu sagen, Professor Fruchtenbaum?"

Professor Fruchtenbaum sah sich in der Runde der versammelten Gläubigen um. „John Williams hat auf seiner Homepage klar Stellung bezogen, was die frühere Entsendung eines homosexuellen Botschafters und seines Partners nach Israel anbelangt. Zu Beginn unseres Jahrhunderts hat er die Handlungsweise der dänischen Regierung als ‚Hohn gegenüber der hebräischen Schrift’ beschrieben, und in diesem Zusammenhang das Neue Testament zitiert, das eine solche Übertretung als ‚schamlos’ bezeichnet. Abschließend hat er den damaligen, heute verstorbenen Außenminister, Per Stig Möller, für diese Provokation gegenüber Jerusalem verantwortlich gemacht, da er sich durch ein Motiv verleiten ließ, das der Apostel ‚entehrende Leidenschaft’ nennt. Dies ist der eigentliche Hintergrund dafür, dass die Weltgemeinschaft nun Blut sehen will! Statt John Williams der Diskriminierung Homosexueller anzuklagen, wollen sie ihn wegen ‚Terror und Kindermord’ verurteilen. Im Mittelalter hätte man ihn wegen Brunnenvergiftung angeklagt. Nun klagen sie John an, mit Terroristen unter einer Decke zu stecken, die nukleare Angriffe planen. Das System muss zuerst Hass und Abscheu gegen diesen neuen Feind erzeugen, bevor es das Schwert der Rache anwenden kann…"

„Wer steht hinter diesen Anklagen gegen unsere Geschwister?" fragten mehrere in der Versammlung.

Professor Fruchtenbaum holte tief Luft. Dann antwortete er: „ Der schwarze Kardinal, Jürg Ratgeber und der homosexuelle Bischof Valentin!"

„Würde mir der Herr Professor das Vergnügen bereiten, eine Runde Schach mit mir zu spielen?" lautete eine feste, Achtungsgebietende Stimme hinter der kleinen Gartengesellschaft.

Alle drehten sich um. Vor ihnen stand Bischof Valentin. „Ich habe gerade meinen Namen nennen gehört und wundere mich, wie ich zu dieser Ehre komme!" fuhr er fort. „Ich bin bereit, meine ‚schwarzen Spielfiguren’ dem ‚weißen König’ des Professors gegenüber zu stellen. Der Tonfall des Bischofs war ironisch.

„Gerne", antwortete der Professor ruhig.

Ein weiteres Schachbrett wurde in Geneviève Strauss’ Garten aufgestellt, und das bemerkenswerteste Spiel dieses Abends nahm seinen Anfang.

Nach dem ersten Zug des Professors, der einen Bauern zwei Felder weiter nach vorne brachte, lächelte der Bischof. „Sie haben bereits verloren", sagte er sarkastisch. „Sie beginnen Ihr Spiel wie das Genie Paul Morphy, der nach einer triumphalen Europareise 1858-9 in die USA zurückkehrte… wonach man ihn auf den Straßen New Orleans Selbstgespräche führend umherwandern sah; er wurde zum großen Verlierer!"

Der Bischof führte als ersten Zug ein schwarzes Pferd auf dem Brett vorwärts.

Der Professor lächelte. „Nun haben Sie verloren", rief er aus, „denn Sie beginnen Ihr Spiel wie der berühmte Wilhelm Steinitz. Er behauptete, gegen Gott gespielt zu haben, der ihm einen zusätzlichen Bauern geschenkt habe, damit er gewinnen konnte…"

„… tat Er das wirklich?" fragte der Bischof überrascht.

„Es gibt keinen schriftlichen Report über dieses Spiel. Eins aber ist sicher: Gottes Gegenspieler war ein Lügner und Lügner sind immer Verlierer…"

Der Bischof erbleichte.

Eine halbe Stunde später war sein schwarzer König lahm gesetzt; durch zwei einfache, weiße Bauern in eine Ecke gedrängt.

„Ebenso wird es Ihnen am Ende ergehen. Ihr Schicksal ist besiegelt", sagte Prof. Fruchtenbaum mit gedämpfter Stimme.

„Sie sagten, dass der Gegenspieler Gottes einen extra Bauern geschenkt bekommen habe", wandte der Bischof mit einem bleichen Lächeln ein.

„Über eine solche Gunst gibt es keinen dokumentierten Nachweis. Doch wenn Sie sich vor dem Weißen König beugen wollen, besteht noch Hoffnung."

„Sie meinen?"

„Das fragen Sie mich? Ein Bischof und Lehrer seines eigenen Volkes?"

Der Bischof erhob sich und eilte ins Haus…