DIE BLUTIGE NOTIZ
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 34

Als der Bus der Linie 16 an diesem Dienstagnachmittag während der Hauptverkehrszeit vom Kopenhagener Nordtor abfuhr, gab es plötzlich einen riesigen Knall aus dem Untergrund. Unmittelbar danach wimmelte die Straße nur so von Menschen, die entsetzt hin und her liefen. Noch wusste niemand, was in der Tiefe vor sich gegangen war. Entsetzen und Panik breiteten sich aus, als auch vom Ost- und Westtor sowie vom Hauptbahnhof starke Detonationen zu hören waren. In diesem Augenblick zerschmetterte das Dach des Linienbusses Nr. 16. Alle waren sich im Klaren, dass ein seit langem erwarteter Terrorangriff auf Kopenhagen stattgefunden hatte. Hauswände und geparkte Autos waren mit Blut bedeckt. Zerrissene Körperteile lagen auf der Fahrbahn neben dem von der Bombe zerschmetterten Bus. Niemand zweifelte daran, dass dieser Mordanschlag auf die Hauptstadt Dänemarks als das schlimmste Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg angesehen werden musste. Noch bevor es Abend wurde, war die Zahl der Toten auf fast 100 gestiegen. Es gab mehr als tausend Verletzte. Über 150 Menschen waren in den Krankenhäusern der Stadt untergebracht worden. Ein Drittel davon schwer verletzt…

Eine bislang unbekannte Gruppe erklärte, im Namen von Al-Quaida gehandelt zu haben. Im dänischen Fernsehen übernahm sie die Verantwortung für das Massaker. Die Polizei zweifelte allerdings an der Echtheit dieser Mitteilungen, die behaupteten, der Grund dieses Anschlags sei darin zu suchen, dass Dänemark den Krieg der Weltgemeinschaft gegen Iran, Syrien und Nordkorea unterstütze. Größeres Interesse bekundete man jedoch an der von Blut befleckten Notiz, die ein Spiegelreporter dem leichenblassen Kardinal aus der Hand gerissen hatte. Letzterer war einige Tage zuvor in Brüssel aus einer Luftschaukel zurück auf die Erde gebracht worden. Die Notiz war vermutlich vom sterbenden EU-Präsidenten Pierre Henri Clark geschrieben worden. Diese blutige Notiz enthielten seine letzten Worte.

Die Weltpresse hatte sich bemüht, den Inhalt dieser auf einem kleinen Stück Papier geschrieben Botschaft zu erfahren, jedoch ohne Erfolg. Der Spiegelreporter weigerte sich rigoros, den geheimnisumwitterten Text preiszugeben; er schlug alle ihm gemachten Angebote in den Wind. Stattdessen ging er ins Kopenhagener Polizeihauptrevier und legte dort die umstrittene Notiz auf den Tisch. „Vielleicht kann sie Ihnen helfen, den Tätern des Bombenanschlags auf die Spur zu kommen", sagte er. Das Blutdurchtränkte Papier wurde eiligst sichergestellt. Die dänische Zeitung ‚Jylland Posten’ erfuhr davon; sie wurde jedoch abgewiesen. „Wir ermitteln in dieser Sache", hieß es vom Hauptrevier. „Die letzten Worte des EU-Präsidenten werden bei den Nachforschungen mit berücksichtigt…"

Der dänische Außenminister, der die vor kurzem in Kraft getretenen Antiterrorgesetze verteidigte, hatte einen Haftbefehl gegen den Dänen John Williams Andersen erlassen. „Dieser Mann muss als ‚äußerst gefährlich’ eingestuft werden, was die Sicherheit des Landes’ anbelangt", hieß es in einem Kurzkommentar aus Christiansborg und dem Polizeihauptrevier. „Er hält sich normalerweise in der israelischen Wüste, nicht weit von der jordanischen Bergstadt Bozra auf, doch ist zurzeit zusammen mit seiner Frau Virginia, zu einem kurzen Besuch in Dänemark. Seit dem Terroranschlag ist das Ehepaar verschwunden", hieß es in der Mitteilung.

Auf die Frage der Journalisten, was für eine Gefahr von diesem dänischen Ehepaars ausgehe, lautete die Antwort des Außenministers: „Das neue Antiterrorgesetz schafft die Möglichkeit, verdächtige Personen bis zu drei Monaten festzuhalten, auch wenn ihnen keine Gesetzübertretung zur Last gelegt werden kann. Alleine der Verdacht reicht nun aus, um diese gefährlichen Elemente auszuschalten. Diese Leute sind gefährlich, und deshalb müssen sie eingesperrt werden."

John Williams und Virginia waren in einem alten Kopenhagener Viertel untergekommen, in dem John als kleiner Junge gewohnt hatte. Er erinnerte sich noch sehr gut an die kleinen, bescheidenen Häuser in der Nachbarschaft und den Fælledpark, in dem er gespielt hatte. Auf dem Weg zu einem in der Nähe gelegenen Cafe, warf John sein Handy in den See. „Wir wollen ihnen keine Gelegenheit geben uns zu finden", sagte er. „Wir haben ja nichts Ungesetzliches getan, doch durch diesen furchtbaren Bombenanschlag steht das ganze Land unter Schock und die Leute sind bereit, alles zu glauben." Nachdem sie im Cafe Platz genommen hatten, schlug John die Zeitung auf, die er mitgebracht hatte. „Hier kannst du es selbst sehen! Die Leute sind zutiefst erschüttert und werden von nun an nur noch von einem Gedanken geleitet: Die Schuldigen aufzuspüren und sie dem Strafrichter zu übergeben!"

Virginia betrachtete sorgenvoll und mit Entsetzen die Bilder in der Zeitung. „Warum sind sie bloß hinter uns her?" fragte sie. „Wieso sind sie uns auf der Spur?"

„Ein unbekanntes Stück Papier!"

„Ein unbekanntes Stück Papier?"

John nickte. „Ja, ein unbekanntes Stück Papier, auf das unser Freund Pierre Henri eine Mitteilung geschrieben hat, bevor er starb…"

„Er wurde in Brüssel von einem unbekannten Scharfschützen in einer Gondel erschossen?"

„Ja, und als die Luftschaukel den Boden erreichte, gelang es einem Spiegelreporter, diesen Zettel an sich zu reißen."

„Was stand denn auf dem Zettel?"

„Das weiß nur der Journalist und vielleicht ein katholischer Kardinal, der sich auch in der Gondel befand…"

„Ein Kardinal in einer Luftschaukel?"

„Ja, die beiden, der EU-Präsident und der Kardinal, hatten etwas miteinander zu besprechen; sie wollten offensichtlich alleine sein; deshalb fand das Gespräch in einem Riesenrad statt. Hier wurden sie beide von einem Scharfschützen getroffen. Der Präsident wurde dabei getötet, der Kardinal nur leicht verletzt. Bevor der Präsident starb, gelang es ihm, einige Zeilen aufzuschreiben; dabei muss es sich um uns gehandelt haben!"

„Um uns?"

„Ja, um dich und um mich und möglicherweise um den Dienst, den wir in der Wüste ausführen. Auf jeden Fall hat dieser Wisch nun eine größere Menschenjagd in Gang gesetzt. Virginia, es tut mir leid, aber wir können nicht entkommen können. Sie werden uns bald aufgespürt haben…"

„Ist es dann nicht besser, dass wir uns selbst bei der Polizei melden? Wir haben ja nichts zu verbergen…"

„Nein, die Welt soll erkennen, dass sich das System an uns vergreift! ‚Es wird eine Zeit kommen’, sagt Jesus, ‚in der wir uns in Acht nehmen müssen, denn sie werden uns dem Gericht überliefern’. Sich in Acht zu nehmen, bedeutet auf der Hut zu sein. Wir sollen versuchen zu entkommen. Dem Gericht überliefert zu werden bedeutet nämlich nicht, dass man eine faire Behandlung erwarten kann. Im Gegenteil. Das Neue Testament nennt die Staatsanwälte, die uns richten sollen, ‚Sodoma-Richter’. Das heißt, dass dies Leute sind, die von ihren eigenen, ungezügelten Leidenschaften getrieben werden. Wenn sie Menschen wie dich und mich sehen, fällt der Hammer. „Obwohl sie als rechtschaffen angesehen werden, sind sie in Wirklichkeit ungerecht. Persönliche Verfolgung steht auf ihrer Tagesordnung."

John hielt inne. „Kannst du die Gestalten dort erkennen?"

„Ja!"

„Das sind sie. Sie sind dabei, uns einzukreisen. Komm!"

John ergriff Virginias Hand. In aller Eile verließen sie das Cafe und hielten ein gerade vorbeifahrendes Taxi an.

„Zum Storchspringbrunnen!" rief John dem Taxichauffeur zu und zog Virginia in den Wagen.

„Storchspringbrunnen", antwortet der Fahrer und stellte sein Taxameter ein. Hinter ihnen blinkten ein paar blaue Lichter auf.

„Schneller", befahl John.

Der Chauffeur beschleunigte die Fahrt. Es gelang ihm gerade noch die Kreuzung zu überqueren, bevor die Ampel wieder auf rot umschaltete. Das Blaulicht hinter ihnen kam zum Stehen. Als das Taxi den Storchspringbrunnen erreichte, kamen aus mehreren Seitenstraßen Polizeiwagen angerast. John und Virginia sprangen aus dem Taxi und liefen so schnell sie konnten in die nahe gelegene Fußgängerzone. Es gelang ihnen nur kurz in der Menschenmenge unterzutauchen, bald hatte man sie in einem kleinen Cafe aufgespürt, in dem sie Zuflucht gesucht hatten. Die Polizei umzingelte das Gebäude und forderte die Gäste über Lautsprecher auf, das Cafe sofort zu verlassen. Dies geschah jedoch nur sehr zögerlich. Alle stierten John und Virginia an, deren Bilder auf der Vorseite der Zeitung zu sehen waren, die John auf den Tisch gelegt hatte. Eine Frau, die an den beiden schweigenden Gästen vorbeiging, spuckte auf die Zeitung und rief weinend aus: „Mörder!" Ein Mann versetzte John einen Tritt. Dabei fiel der Tisch um und die Tassen zerschellten klirrend am Boden. John und Virginia saßen wie zwei zu Eis erstarrte Figuren und ließen die Cafegäste an sich vorbeiziehen. Sie waren dem Hohn und Hass der Menge ausgesetzt. Ein junger Mann drückte eine Ketchuptube über Johns Kopf aus. Die rote Masse lief ihm wie Blut übers Gesicht. „So sahen deine Opfer aus!" rief der junge Mann. Seine Begleiterin versuchte, das Gleiche bei Virginia, doch sie drehte ihren Kopf im letzten Augenblick herum, sodass die blutrote Ketchupsauce nur über ihr helles Kleid lief. Virginia brach in Tränen aus. „Sie glauben wirklich, dass wir die Täter sind", schluchzte sie verzweifelt.

„Das ist nur der Anfang", antwortete John. „Wenn die Menge erst Amok läuft, dann kannst du dich auf schlimmeres gefasst machen!"

Als alle Besucher das Cafe verlassen hatten, rieb sich Virginia die rote Masse vom Kleid ab. Über Lautsprecher wurden sie aufgefordert, das Cafe ‚ohne Tasche oder Mantel und mit den Händen hinter dem Kopf’ zu verlassen…

Die Polizei hatte notdürftig eine Absperrung aufgestellt. Diese wurde jedoch zur Seite geschoben, als sich die beiden heraustraten. Rufe ertönten von der Oststraße bis hin zum königlichen Neumarkt. Eine rasende Menge wurde von nur wenigen Beamten so lange in Schach gehalten bis ihnen die für Straßenunruhen zuständige Spezialeinheit zur Hilfe geeilt kam. Als das Volk die rot verschmierten Gesichter und Kleidung des Ehepaars sah, wich es einen Augenblick zurück, doch danach schien sich die Wut nur noch zu steigern. Die Menge sah die blutrote Farbe als ein Zeichen dafür an, dass die Schuldigen vor ihnen standen. Das Blut zeugte gegen sie; die furchtbare Tat, die ganz Kopenhagen erschüttert hatte, musste gerächt werden! Rotes Blut verlangte nach noch mehr rotem Blut! Eine schwarze Menschenmasse schob sich weiter vorwärts, den beiden Gestalten entgegen, die in der Cafetür standen. Es war nur noch eine Frage von Sekunden bevor die Menge John und Virginia überrannt hatte. Die Rechnung für das Massaker im Untergrund der Hauptstadt musste beglichen werden und diese beiden sollten diese mit ihrem Leben bezahlen!

In genau diesem Augenblick trat ein alter, weißhaariger Pfarrer in schwarzem Talar und einer wie Phosphor leuchtenden Halskrause, vor die Menge. Er schien auf dem Weg zur Heiliggeistkirche zu sein. Verwundert war er der Menge gefolgt, die sich vor dem Cafe versammelt hatte. Als er sah, was dort im Gange war, war er über die Absperrung gestiegen und hatte einige Polizisten zur Seite geschoben, um sich einen Weg durch die schwarzen Polizeischutzschilder zu bahnen. Nun stand er vor John und Virginia.

„Glauben Sie an den Herrn Jesus Christus?" rief er. Seine Frage hörte sich wie die Einleitung zu einer Totenmesse an; sein Ruf wie die letzten Worte an die zum Tode Verurteilten, unmittelbar vor der Hinrichtung!

„Ja", antworteten John und Virginia einstimmig. „Wir glauben an den Herrn Jesus Christus!"

Die Menge kam drohend auf sie zu. Wie steifhaarige, kriechende Schakale, die bereit sind, über ihre Opfer herzufallen. Aus vielen Kehlen war ein Knurren zu hören.

„Glauben Sie daran, dass er Gottes Sohn ist?" Die Stimme des Pfarrers übertönte das Fauchen und Knurren der Menge.

„Ja, wir glauben daran, dass Er der Sohn Gottes ist!"

„Geboren von der Jungfrau Maria?"

„Ja, geboren von der Jungfrau Maria."

„Hingerichtet unter Pontius Pilatus?"

„Ja, gekreuzigt unter Pontius Pilatus"…

Die schwarze Menschenmasse stand nun dicht gedrängt um die drei herum. Die ausgestreckte Hand des Pfarrers berührte abwehrend die Zuschauer in der ersten Reihe. Aus den Lautsprechern der Polizei und den internen Kommunikationsanlagen wurde immer wieder das Wort ‚Lynchen’ wiederholt. Es bestand kein Zweifel daran, dass das Glaubensbekenntnis des Pfarrers nicht zu Ende gebracht werden konnte. Er würde nicht imstande sein, die Schar ‚der wilden Tiere’ zu zähmen. Innerhalb weniger Sekunden würde man ihn zur Seite gestoßen und die beiden ‚Terroristen’ zu Tode getrampelt haben.

Als der Pfarrer ein letztes, verzweifeltes ‚Auferstanden von den Toten’? rief, fasste John Virginia fest am Arm, zog sie ins Cafe zurück und schlug die Tür zu. Durch den riesigen Knall zersplitterte das Türglas. John verriegelte in aller Eile die Tür. Dann liefen sie die Treppe hinauf, durchquerten etliche Räume, die John auf- und wieder zuschloss, bevor sie weiterhasteten. Oben angekommen kletterten sie durch ein Dachbodenfenster, um von dort aus weiter über die benachbarten Dächer der Innenstand zu steigen. Mittels einer Feuerleiter erreichten sie völlig außer Atem einen Innenhof. Hinter ihnen war es der Polizei gelungen, die Cafetür mit durchsichtigen Schutzschilden zu verbarrikadieren. Nur einige Bedienstete setzten die Menschenjagd fort, die immer wieder durch verschlossene Türen behindert wurde.

Vom Innenhof gelangten John und Virginia ins Gebäude der Tageszeitung Berlingske Tidende. In der Rezeption wichen die Mitarbeiterinnen entsetzt zurück, als sie die blutroten Gesichter und Kleidung der Eindringlinge vor sich sahen. John und Virginia gingen wortlos an ihnen vorbei zum Aufzug hin und fuhren zur Redaktion hoch. Sie steuerten direkt auf das Büro des Redaktionssekretärs zu.

„Möchten Sie eine gute Geschichte?" fragte John.

Der Mann hinter dem Schreibtisch sah auf. Als er das ‚Gespensterpaar’ vor sich sah, nickte er verblüfft. Er nahm ein Stück Papier zur Hand und rief aus: „Ich habe gerade die Mitteilung erhalten, dass Sie entkommen sind!"

„Möchten Sie die Geschichte zu Ende schreiben?"

Der Redaktionssekretär beantwortete die Frage durch eine Reihe Anweisungen: „Machen Sie ein paar Aufnahmen von den beiden, geben Sie ihnen ein Bad und eine Tasse Kaffee. Halten Sie sie verborgen. Lassen Sie die Leute in der Rezeption von anderen ablösen, die erklären sollen, dass sie die Verschwundenen nicht gesehen haben. Holen Sie einen Mitarbeiter der BT (dänische ‚Bildzeitung’) Geben Sie ihnen Bescheid, dass sie die Titelseite übernehmen sollen. Dies hier ist ihre Geschichte…"

Als die Polizei wenige Stunden später die Spur bis zur Redaktion der Tageszeitung hin verfolgt hatte, erschien zeitgleich eine Ausgabe der BT mit der Titelseite über die Geschichte der soeben festgenommenen ‚Terroristen’. Der Artikel erregte Aufsicht, da es den Zeitungsjournalisten gelungen war, Informationen über den Inhalt ‚der blutigen Notiz’ zu erlangen, die kurz zuvor dem Polizeihauptrevier von einem Spiegelreporter übergeben worden war. Der geheimnisumwitterte Zettel enthielt nur einige Worte. Mit zitternder Hand hatte der sterbende EU-Präsident folgende Worte auf dieses besagte Stück Papier geschrieben: „Nimmt euch in Acht vor dem Wüstenvolk! Bekämpft es, rottet es aus!"

In einem Interview mit dem flüchtigen John Williams berichtete dieser von dem dänischen Wüstenposten im Aravatal, 100 km südlich des Toten Meeres. „Es erscheint mir rätselhaft, warum wir plötzlich mit dem verbrecherischen Terroranschlag in Kopenhagen in Verbindung gebracht werden", äußerte er in einem Gespräch mit den Mitarbeitern der Zeitung. „Wir sind unschuldige Leute, eine Familie, die seit über 25 Jahren dem Ruf Gottes gefolgt ist. Nach vielen Schwierigkeiten ist es uns endlich gelungen, unser Camp in der Wüste aufzuschlagen, und zwar genau gegenüber der alten Stadt Bozra, die der jüdische Prophet Jesaja als den Ort bezeichnet, von dem aus der Messias nach einer entscheidenden Endschlacht sein Reich betreten wird."

In dem betreffenden Interview hatte John Williams die Orte in der Bibel angegeben, die er als Dokumentation für seine Vision und seinen Glauben ansah. „Es betrifft besonders den ersten Abschnitt im 63. Kapitel des Jesaja", hatte er erklärt und hinzugefügt: „Die Endschlacht steht im 34. Kapitel des Propheten beschrieben und scheint ein Ereignis zu sein, das noch nicht stattgefunden hat. Die Gelehrten meinen, dass die oft erwähnte Schlacht die als ‚Harmagedon’ bezeichnet wird, in Wirklichkeit südlich von Bozra, Richtung Saudi Arabien, ausgefochten wird. ‚Harmagedon’ sagen die Experten, ‚ist (lt. Johannes Offenbarung 16:16) nur eine Sammelstätte; die Schlacht selbst wird ein paar hundert Kilometer südlich bei der Stadt Bozra stattfinden."

Auf die Frage, warum sich das kleine Wüstencamp ausgerechnet in dieser Gegend niedergelassen hat, erklärte John Williams, dass er an die Erfüllung des Wortes durch den Propheten Jesaja glaube, der in diesem Zusammenhang folgendes sagt: „In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! (40:3) sowie: „Dort wird eine Straße sein und ein Weg, und er wird der heilige Weg genannt werden…" (35:8).

„Ich bin der Auffassung", hatte John Williams erklärt, „dass wir einer Verfolgung ausgesetzt sind. Es gibt nämlich finstere Mächte, denen klar geworden ist, dass erste Anzeichen zu erkennen sind in Bezug auf die Erfüllung endzeitlicher Ereignisse. Es erscheint mir jedoch äußerst rätselhaft, wie eine Warnung gegen das ‚Wüstenvolk’ aus der Feder des sterbenden Pierre Henri Clark geflossen sein kann. Ich meine, dass man die Handschrift der erwähnten ‚blutigen Notiz’ untersucht werden sollte. Ebenso müsste bei der Ermittlung eine DNA-Untersuchung des im Blatt enthaltenen Blutes stattfinden. Waren dies wirklich die letzten Worte des Präsidenten? Oder ist dieser Zettel vielleicht eine Fälschung? Der EU-Präsident war ein guter, persönlicher Freund von uns, die wir in der Wüste wohnen. Er selbst hat in der großen Einöde zu einem persönlichen Glauben an Gott gefunden und sich danach oft bei uns im Wüstencamp aufgehalten. Ich weigere mich zu glauben, dass er mit seinen letzten Worten die Umwelt vor uns warnen wollte! Ja, ich bin der Auffassung, dass die Leute, die den Killer in Brüssel bezahlt haben, die gleichen sind, die diese ‚blutige Notiz’ verfasst haben. Statt unschuldigen Menschen nachzujagen und zu verhaften, sollte das System lieber die wirklichen Verbrecher aufspüren!"

Man hatte dem schwarzen Kardinal ein Exemplar des dänischen Zeitungsartikels mit einer beigefügten deutschen Übersetzung anonym zukommen lassen. Dieser erhob daraufhin sofort den Telefonhörer, um sich mit dem EU Vizepräsidenten, Bischof Valentin in Brüssel, in Verbindung zu setzen.

Der Bescheid war kurz gefasst und wurde mit zitternder Stimme ausgesprochen. Er entstammte einem Shakespeare Zitat aus Hamlet. Als der Bischof dieses hörte, erbleichte er. Ohne zu antworten, schaltete er sein Handy aus. Das Shakespeare Zitat lautete wie folgt: ‚Es ist etwas faul im Staate Dänemark’…