DIE BLUTIGE NOTIZ
© Johny Noer - www.noer.info


Kapitel 29

„Ich befürchte, dass nun auch in anderen Ländern die ‚französische Guillotine’ eingeführt wird", sagte Bischof G. Valentin, als er sich nach der großen Wahlniederlage vom 27. September mit seinen Mitarbeitern in Brüssel traf. Er deutete u.a. auf das massive Nein der Franzosen bei ihrer Volksabstimmung über die globale Konstitution hin und legte ihnen die französische Tageszeitung ‚La Libération’ vor, deren erste Seite die riesige Überschrift ‚NON’ trug. Unser neues Grundgesetz wurde von diesem ‚Hinrichtungswerkzeug’ enthauptet. Wir müssen verhindern, dass dieses politische Blutbad weitergeht", erklärte er. „Der Aufstand muss mit harter Hand niedergeschlagen werden."

Er betrachtete den zurückgekehrten Präsidenten Clark mit eisiger Miene. Alle Anwesenden erwarteten gespannt, dass dieser nach seinem Auftritt auf dem Zehnergipfel in Babylon und seinem Widerstand gegen den Inhalt der globalen Verfassung von seinem hohen Amt zurücktreten würde.

„Sie sollten nicht damit rechnen, dass alle Männer, die am Kampf gegen die globale Verfassung teilgenommen und ihr den Todesstoß versetzt haben, nun zurücktreten werden", erläuterte Mr. Clark.

Etliche der ehemaligen Mitarbeiter des Präsidenten starrten ihn an, als ob sie ein Gespenst sähen, das aus dem Abgrund aufgestiegen war. Sie hatten innerhalb weniger Wochen eine derartige Veränderung bei seinen Worten und Handlungen erlebt, dass sie ihr nur schwer folgen konnten. Was veranlasste den früher so mächtigen EU-Präsidenten dazu, plötzlich für die Systemgegner Partei zu ergreifen? Auf was für ein rätselhaftes Erlebnis wies er ständig hin? Was war mit ihm geschehen, nachdem er von seinem Geiselnehmer gezwungen worden war, mit dem Fallschirm über Saudi Arabiens Wüste abzuspringen? Wie kam es, dass dieser frühere Spötter und Gottesverleugner nun plötzlich mit der größten Ehrfurcht von Gott sprach?

„Wollen Sie damit etwa sagen, dass Sie auch nicht zurücktreten werden?" fragte der Vizepräsident mit schneidender Stimme.

„Ja, auch ich werde nicht zurücktreten", antwortete der Präsident. „Ich verbleibe so lange wie möglich auf meinem Posten … "

Im Saal herrschte tiefe Stille.

„Was haben Sie vor?" erklang die Stimme des Bischofs leise, als versuche er den in ihm aufsteigenden Zorn zu bezwingen.

„Ich werde dem Prinzip des Standbildes folgen!"

„Dem Prinzip des Standbildes?" Alle starrten den Präsidenten ungläubig an. Einige lächelten. Andere betrachteten einander mit hochgezogenen Augenbrauen. Es lag in der Luft, dass sie es durchaus für möglich hielten, dass ihr Chef in irgendeiner Form dem Irrsinn verfallen war. Nur der Bischof bewahrte die Ruhe. Er schien sich darüber im Klaren zu sein, worauf der Präsident hinauswollte.

„Das Prinzip des Standbildes. Was meinen Sie damit?"

„Das Standbild, das König Nebukadnezar in einem Traum gesehen hat."

„König Nebukadnezar? In einem Traum?" Die im Verhandlungssaal Anwesenden schienen weiterhin der Auffassung zu sein, dass der Präsident wahnsinnig geworden sei.

„Würden Sie uns dies bitte genauer erklären?"

„Das braucht er nicht", unterbrach der Bischof. „Das kann ich für ihn tun…!

Alle Augen richteten sich auf den Vizepräsidenten, der sich überraschenderweise bereit erklärte, die Hinweise eines offensichtlich verrückten Mannes bezüglich eines Standbilds, von dem der babylonische König Nebukadnezar vor mehreren Tausend Jahren geträumt hatte, zu erklären.

Ein rätselhaftes Lächeln umspielte die Lippen des Bischofs, als er begann:

„Es war einmal ein König, der hatte große Macht und enormen Reichtum. Er wohnte in einem Palast, in der mächtigen Stadt Babylon. Eines Nachts konnte er nicht schlafen, weil er gerade einen Traum gehabt hatte, an den er sich jedoch nicht erinnern konnte, und der ihm unerklärlich schien. Deshalb rief er mitten in der Nacht alle seine Gelehrten und Sternendeuter, seine Ratgeber und Experten zu sich in den Palast, damit sie ihm den Traum erklärten. Überall in Babylon standen die vornehmen Gelehrten auf, denn wenn der König einen Befehl erlassen hatte, so durfte keine Zeit vertan werden. Aus allen Richtungen strömten sie in des Königs Palast…"

Während der Bischof erzählte, breitete sich eine friedvolle Atmosphäre aus. Die ein wenig harten, bleichen Gesichter wurden milde gestimmt; ein besonderer Glanz trat in ihre Augen. Mit einem fast kindlichen Eifer hörten sie dem Bischof zu, als dieser weiter erzählte: „Überall im Schloss hatte man die Lichter angezündet; Diener eilten herzu, um hochrangige Beamte zum König zu bringen, der mit düsterer Miene auf seinem Thron saß.

„Ich hatte einen Traum", sagte der König, „doch ich kann ihn weder erklären, noch mich an ihn erinnern. Deshalb möchte ich Sie, meine Herren, bitten, mir den Inhalt dieses merkwürdigen Traums auszulegen."

Die Gelehrten und Experten, Ratgeber und Astrologen verbeugten sich vor dem Thron ihrer Majestät, während sie ihr Mitgefühl im Hinblick auf die bedauerliche Tatsache zum Ausdruck brachten, dass der König nicht hatte schlafen können.

„Aber erzählt mir doch, was mein Traum zu bedeuten hat", forderte der Monarch.

„Nichts wäre leichter für uns, Seine Majestät, wenn Sie uns nur mitteilen wollten, was Sie geträumt haben…"

Darüber wurde der König sehr zornig. „Ich habe schon immer gewusst, dass ihr eine Schar Betrüger und Schwindler seid, die ihr über eure so genannte Einsicht prahlt", rief er, „aber wenn ihr mir nicht den Inhalt des Traumes erzählt, dann werdet ihr alle zusammen geköpft und eure Häuser werden in Brand gesteckt!"

Mr. Clark, dem es nicht entgangen war, dass der Bischof sich bemühte, die ganze Erzählung wie ein Abenteuermärchen darzustellen, das man Kindern erzählt, unterbrach ihn und sagte: „Nun kann ich weitererzählen… Ein Vertrauter des Königs, ein Offizier namens Arjoch, erhielt vom König den Auftrag, die Weisen Babylons hinzurichten. Als der jüdische Prophet Daniel, ein junger Edelmann, der nach dem Fall Jerusalems in die Stadt gekommen war, von der Gefahr erfuhr, in der er und seine Freunde schwebten, flehte er Gott an, ER möge ihm den Inhalt des Traums offenbaren.

Als Gott sein Gebet erhörte, war Daniel von Gottes Größe überwältigt. Er trat vor den Babelkönig, der sich mit folgenden Worten an ihn wandte: „Ich habe gehört, dass du mir den Inhalt meines Traums erzählen kannst!"

„Das kann ich"… antwortete Daniel, „doch nicht aufgrund besonderer Einsichten oder Fähigkeiten, die nicht von mir selbst kommen. Nein, es gibt einen Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart, und ER hat mir gezeigt, was der König geträumt hat."

„Das hört sich interessant an", antwortete der König, „dann erzähle mir, was ich geträumt habe…"

„Als der König in seinem Bett lag", begann Daniel, „hat er darüber nachgedankt, wie sich die Zukunft gestalten würde. Nun gibt es Jemanden, der Geheimnisse über die Zukunft offenbaren kann, und ER hat dem König im Traum mitgeteilt, was geschehen wird. Wenn ich ihm nun den Inhalt seines Traumes erkläre, dann geschieht dies, damit der König weiß, was in zukünftigen Tagen geschehen wird…"

Im Verhandlungssaal war die Stimmung umgeschlagen. Die kleine Zuhörerschar, die sich mit einem nachsichtigen Lächeln eine Abenteuererzählung für Kinder angehört hatte, wurde plötzlich ernst. Die Erzählungsweise des Präsidenten und das Gewicht, das er seinen Worten beimaß, brachte alle Anwesenden dazu, dem Bericht über den König und den Propheten Daniel mit größter Aufmerksamkeit zu folgen. Als erwähnt wurde, dass der Traum des Königs mit verborgenen, noch in der Zukunft liegenden Dingen zu tun habe, wuchs das Interesse. Eine gewisse Erwartung machte sich im Saal breit. Was war das für ein Geheimnis, das Daniel dem König nun erklären würde? Um was für verborgene Zukunftsvisionen, die nun offenbart werden sollten, handelte es sich nur?

Der Bischof unterbrach: „Lassen Sie mich weitererzählen, denn das Abenteuer nimmt nun überraschend schöne Formen an. Dies ist ja das Charakteristische dieser alten Legenden, dass sie eine phantasiereiche Schönheit besitzen, über die wir uns immer wieder freuen können! Ja, der nachfolgende Abschnitt dieser biblischen Erzählung ist von solch großer literarischer Qualität, dass er in der Abenteuerwelt mit nichts zu übertreffen ist. Kein Abenteuerdichter hat sich jemals mit folgendem messen können …"

Alle Gesichter wandten sich nun dem Bischof zu; die Augen der Zuhörer begannen zu leuchten. Die Herzen schienen wieder von dem Erzählten ergriffen worden zu sein. Bischof Valentin war in der Tat ein guter Abenteuererzähler…

„Der König beugte sich interessiert vornüber", begann der Bischof. „Es geschah nicht alle Tage, dass er einen Mann traf, der ihm den Inhalt eines Nachttraumes wieder ins Gedächtnis rufen konnte. Er war deshalb gespannt zu hören, was der junge Jude ihm zu erzählen hatte.

‚Im Traum sah der König ein großes Standbild!’ erklärte Daniel. ‚Es war unglaublich schön anzusehen, doch gleichzeitig hatte es etwas Furchteinflössendes an sich. Gerade dies hat den König in Unruhe versetzt; von der Statue, die der König im Traum sah, ging etwas Drohendes und Unheimliches aus …’

Der König erbleichte. Genauso hatte er dies im Traum erlebt. Als er aufgewacht war, war jedoch alles wie weggeblasen gewesen. Einen Großteil der Nacht hatte er damit verbracht, sich an den seltsamen Traum zu erinnern; schließlich ließ er alle Gelehrten holen, doch sie hatten ihm nicht helfen können. Aber nun stand dieser junge Hebräer vor ihm und erzählte ihm genau das, was er geträumt hatte.

„Erzähl weiter!" forderte er Daniel auf. „Was kannst du mir sonst noch über meinen Traum erzählen?"

„Der Kopf des Standbildes war aus reinem Gold…"

Der König nickte. „Ja, der Kopf des Standbildes war aus reinem Gold…"

„Brust und Arme aus Silber!"

Wieder nickte der König zustimmend. Überraschung war in seinen Augen abzulesen. „Ja, Brust und Arme waren aus Silber…"

„Sein Bauch und seine Lenden aus Kupfer!"

Der König rief verblüfft aus: „Ja, Bauch und Hüften waren aus Kupfer!"

„Seine Beine waren aus Eisen."

„Ja, seine Beine waren aus Eisen!"

„Doch seine Füße waren teils aus Eisen teils aus Ton…"

Der König erhob sich von seinem Thron. Er war erleichtert, dass er sich wieder an alle Einzelheiten seines Traums erinnern konnte, jedoch entsetzt, dass dieser ihm so genau wiedergegeben werden konnte. Die Weisen, Hofleute und die königlichen Ratgeber folgten dem Auftritt mit größtem Interesse. Mit gewissen Unbehagen mussten sie feststellen, dass der König sehr beeindruckt war. So wie dies immer bei Regenten der Fall ist,…"

(Bei diesen Worten wandte sich der Bischof mit einem säuerlichen Lächeln an den Präsidenten) „so herrschte schon damals Neid und Missgunst unter den Machthabern des Reiches…"

Der Präsident ignorierte diese Bemerkung; stattdessen setzte er mit der Erzählung fort. Die Versammelten richteten sich wieder ein wenig auf. Es war so, als ob bei diesem Rollentausch in der Erzählung die Zeit des Abenteuers nun vorbei sei. Als der Präsident mit einem weiteren Abschnitt des biblischen Berichts fort fuhr, begann auch eine andere Erzählform. Die Geschichte ging nun unter die Haut. Ja, sie wurde aktuell! Es war, als ob man von Ereignissen sprach, die wirklich stattgefunden hatten. Der Bericht über den König und den jungen, jüdischen Propheten gehörte nicht nur der Vergangenheit an. Er war plötzlich kein Gedicht mehr oder etwas Erdachtes. Alles war Wirklichkeit. Derartige Dinge geschahen auch heute. Der Präsident sprach weiter: „Während der König in seinem Traum das Standbild betrachtete, erklärte der junge Prophet dem überraschten und unruhig gewordenen König, das dramatische Ende dieses Standbilds. Der König bekam nicht nur Einsicht darin, dass das Metall (aus dem das Standbild hergestellt worden war) immer weiter an Wert verlor, sondern bekam auch flüchtig zu sehen, welches Ende ihm beschert war …"

Die Zuhörer im Versammlungssaal, die abwechselnd dem Bericht des Bischofs und des Präsidenten gefolgt waren, hörten nun mit größter Aufmerksamkeit zu. Auch sie waren daran interessiert, das Ende der Geschichte zu erfahren. Bei der Darstellung des Präsidenten hatten alle das Gefühl, dass es sich um ihr eigenes Schicksal handle. Was war das Ende dieses Zukunftsdramas?

„Der König träumte, dass ein Stein losgelöst wurde, jedoch nicht von Menschenhand: Der Stein traf das Standbild und zerschmetterte es. Dieser Stein wurde zu einem mächtigen Berg; er bedeckte die ganze Erde."

Es wurde mäuschenstill. Alle Versammelten schienen in tiefes Nachdenken versunken zu sein. Was dieses seltsame Ende des Traums wohl bedeuten mochte?

Der Bischof wollte wieder das Wort ergreifen, doch Mr. Clark sagte bestimmt: „Die Deutung werde ich selbst erklären. Der Traum ist kein erdichtetes Abenteuer. Er wird genauso in Erfüllung gehen, wie es vorausgesagt ist. Zu dem Zeitpunkt, den Daniel ‚die Zeit der Könige’ nennt, wird Gott ein Reich errichten, das niemals vergehen wird…"

Der Präsident schwieg und sah sich um. „Ich bin davon überzeugt", erklärte er, „dass wir nun genau an diesen Zeitpunkt der Weltgeschichte angelangt sind; dieser genaue Augenblick ist eingetroffen! Es ist hier von einer Epoche die Rede, in der eine mächtige Allianz von einem solch lähmenden Schlag getroffen wird, dass befürchtet werden muss, das ganze, mächtige System könne zusammenbrechen. Zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte wird die Entwicklung eine Stufe erreicht haben, bei der mit dem geringsten Material und den niedrigsten Leidenschaften gebaut wird… Und genau das ist heute der Fall!" (Bei dieser Bemerkung erhob sich der Bischof und verließ den Saal). „Es ist eine Periode, in der der Koloss wankt und die Weltherrschaft Schwierigkeiten hat, aufrecht stehen zu bleiben. Ganz gewiss heißt es im Grundgesetzvorschlag im Abschnitt 1, Artikel 3, dass ‚die Allianz sich um eine tragfähige Entwicklung bemüht’, aber die Volksabstimmungen haben gezeigt, dass dies weit gefehlt ist. Das Standbild steht auf schwachen Füßen; sie bestehen aus Eisen und Töpferton. Außerdem besagt die Auslegung des Traums, dass der Stein, der das Standbild rammt, ‚losgelöst wurde, jedoch nicht durch Menschenhand’. Das heißt, dass etwas Unerklärliches geschehen wird. Etwas Übernatürliches! Kein Experte wird imstande sein, das Geschehene zu erklären. Viele sich widersprechende Erklärungen werden gegeben werden, doch es wird keine zufrieden stellende Antwort geben. Den Regierenden wird es ein Rätsel verbleiben, wie eine solche Katastrophe bloß eintreffen konnte…"

Es herrschte weiterhin tiefe Stille und Nachdenklichkeit. Ein Teil der Beamten und ihre Mitarbeiter betrachteten überrascht ihren Vorgesetzten. Sie hatten ihn niemals zuvor so sprechen hören. Der Vizepräsident, Bischof Valentin, hatte den Saal verlassen. Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, schienen alle Anwesenden von einer noch größeren Aufmerksamkeit ergriffen zu werden…

„Mit anderen Worten", schloss der Präsident, „dass zu der Zeit, in der ‚diese Tage eintreffen’, in denen der Riese schwankt und in der Gefahr steht zu fallen, wenn die Zeit kommt, in der eine Weltallianz zusammenbricht, weil sie auf derartig unhaltbaren und ‚fleischlichen’ Werten aufgebaut ist, das das Fundament unter ihr ins Rutschen gerät, dann wird der Gott des Himmels eingreifen und ein ewiges Reich errichten."

Der Präsident atmete tief durch und seufzte: „Ich habe selbst zu den Regierungschefs gehört, die diese Art biblischer Geschichte als nicht ‚relevant’ abgetan haben, doch bin ich nun eines Besseren belehrt worden. Es ist mir aufgefallen, dass sich der junge, jüdische Prophet Daniel nach der Traumdeutung erkühnt zu sagen: ‚Ein großer Gott hat dem König offenbart, was in Zukunft geschehen soll… Das Entscheidende ist also, wer kann die Zukunft vorhersagen? Machthaber würden demjenigen, der ihnen nur einen kurzen Einblick in die Geschehnisse von morgen gewähren könnte, Gold und Silber anbieten! Diejenigen, die in diesen Stunden nur einen Zipfel des Vorhangs hochheben können, um die verborgenen Ereignisse der kommenden Tage ans Licht zu bringen, werden sehr gefragt sein…"

Präsident Clark betrachtete die Versammelten. „Ich weiß, dass Sie nicht begreifen können, was mit mir geschehen ist, doch nach meinen Erlebnissen in der saudiarabischen Wüste zolle ich den Zukunftsvision des Propheten Daniels den größten Respekt. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Regierenden heute alles dran setzen werden, um zwei Dinge zu erreichen. Erstens die Idee einer Einweltherrschaft klar herauszustellen! Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln werden sie von nun an versuchen ihre ‚globale Vision’ zu ‚verkaufen. Sie werden weder vor Betrügereien noch vor Lügen zurückschrecken, um die Massen mit ihrer Propaganda zu erreichen. Ihre Zungen werden wie Feuer und Flammen sein, die das Weltrad in Brand stecken; ihre Glut kommt aus der Hölle…"

Der Präsident hielt inne; das eben Gesagte klang noch in ihm nach. Er staunte selbst über die Worte, die aus seinem Munde strömten.

„Danach werden sie sich darauf konzentrieren, erfolgreiche Aktionen durchzuführen. Nach dieser Niederlage wollen die Regierenden Rache nehmen. Was sie nach außen hin nicht gewinnen konnten, werden sie versuchen, intern zu erobern. Mit allen Initiativen, die man in naher Zukunft ergreifen wird, steht der Weltfrieden ganz oben auf der Liste! Nachdem eine ‚Untersuchung’ gezeigt hat, dass ‚die größte Gefahr für den Weltfrieden von Israel ausgeht’, werden alle Machthaber dieser Welt näher zusammenrücken, um dieses Problem zu lösen. Über Jerusalem ziehen sich bedrohliche Wolken zusammen…"

Der Präsident erhob sich, um zu gehen. „Persönlich hat mich das Dankgebet Daniels ermutigt. Nachdem er das Geheimnis des Traumes offenbart bekommen hat, singt er: „ER ändert Zeiten und Fristen, ER setzt Könige ab und Könige ein! ER gibt den Weisen Weisheit und Erkenntnis den Einsichtigen. ER offenbart das Tiefe und das Verborgene; ER weiß, was in der Finsternis ist…"

Nach diesen Worten verließ Mr. Clark den Saal. Er hatte keine Ahnung von dem, was hinter den Türen eines anderen Raumes vor sich ging. Er wusste nichts von den Mordplänen, die in diesem Augenblick gegen ihn geschmiedet wurden! Er kannte nicht das ‚Verborgene’. Er wusste nicht, was seine bittersten Feinde in dieser ‚Stunde der Finsternis’ gegen ihn beschlossen hatten…